Kunsthandwerk neu interpretiert Politische Kunst aus weißem Porzellan – im Atelier von Cosima Göpfert

Passen zeitgenössische Konzeptkunst und Porzellan zusammen? Cosima Göpfert sagt eindeutig: Ja! Seit zehn Jahren ist sie in das Material verliebt und baut daraus große Bilder und Installationen – Kunst, die zum Nachdenken anregt. Das uralte Handwerk trifft auf Moderne und das alles in einem kleinen Dorf bei Weimar. Ein Werkstattbesuch in Bechstedtstraß mit der Frage: Wie schafft es die Künstlerin gerade jetzt, ihrer Kunst treu zu bleiben?

Cosima Göpfert steht vor einem ihrer Kunstwerke 4 min
Bildrechte: Dirk Skiba

Wer Cosima Göpfert in Bechstedtstraß, einem 1.200 Jahre alten Dorf bei Weimar, besuchen möchte, muss nur in Richtung Kirchturm fahren. Eine alte Steinmauer trennt ihren Garten vom alten Areal der historischen Kirche, drumherum Bauernhäuser, Fachwerk und Dorfidylle. Ein paar Schritte von Werkstatt und Wohnhaus entfernt, steht ein kleines Holzhäuschen: "der ehemalige Schafstall", erklärt Göpfert. Hier wird bei 1.300 Grad Porzellan gebrannt: Kugeln, Skulpturen, manchmal auch Barbiepuppenbeine, die später zu einer Kugel werden.

Politisches und große Bilder aus weißem Porzellan

Ein aus Porzellan modelliertes Brötchen
Auch auf den ersten Blick banale Objekte landen in der Gussform. Bildrechte: Dirk Skiba

Cosima Göpfert liebt den subtilen Blick mit ihrer Kunst und baut gerne große Installationen – am liebsten aus weißem Porzellan: Große Bilder, Nachdenkenswertes und Politisches. Dabei ist Göpfert keine ausgebildete Porzellinerin. Ihre Faszination für das Material und ihr Talent zum Modellieren entdeckte sie per Zufall während des Studiums der freien Kunst in Weimar. Seitdem ist das weiße Material ihr Produkt geworden. Sie stellt in Museen aus, in Galerien, verkauft an Sammler und erstellt Auftragswerke – und manchmal auch ganz Banales: So landet beispielsweise auch ein Brötchen als Abdruck in ihrer Gussform.

Kunst, die zum Innehalten anregt

Cosima Göpfert liebt die Botschaft, die sich oft erst auf den zweiten Blick offenbart:  Auf einem Bild ragen 36 Fäuste in die Höhe. Nebenan liegt eine Handgranate aus weißem Porzellan, die Göpfert mit Lachgas gefüllt hat. Auf einem anderen Bild grüßt den Betrachtenden ein Satz im Morse-Alphabet. Es geht um Heimatliebe und Heimatverlust und um das Statement einer Künstlerin, die zum Innehalten anregen will: "Ich hoffe, dass ich immer genug Interpretationsspielraum lasse, durch den Titel und das Material – immer mit einer Prise Humor."

Porträt Cosima Göpfert
2019 erhält Göpfert das Thüringer Landesstipendium für Bildende Kunst. Bildrechte: Dirk Skiba

2019 bekam Göpfert ein Thüringer Stipendium für Bildende Kunst. Die Ausstellung dazu musste abgesagt werden. Und trotzdem, sagt sie, sei 2020 eines der produktivsten Jahre für sie gewesen, auch wenn Galerien und Museen wenig ansprechbar waren: "Was macht man dann? Zuversichtlich bleiben, einfach sagen: Es wird schon irgendwie weitergehen. Von den Reserven zehren. Aber es ging bis jetzt immer wieder irgendwann bergauf und daran muss man irgendwie auch glauben."

Zunehmende Wertschätzung für Kunsthandwerk

Aufgrund der Andersartigkeit ihrer Kunst, die eine Mischung aus Konzeptkunst und optischer Kunst aus weißem Porzellan ist, füllt Cosima Göpfert eine Marktlücke – die sie allerdings auch immer wieder bewerben muss. Doch eines stellt Göpfert fest: Die Wertschätzung für Kunsthandwerk hat, trotz allem, wieder zugenommen. Und weil das motiviert, freut sie sich auf ihre nächste Ausstellung, auch wenn das noch ein paar Monate dauert: "Jetzt mit noch mehr Zeit kann ich neue Skulpturen erdenken und plane jetzt schon fleißig vor mich hin."

Und vielleicht gibt es dann auch in ihrem Garten wieder mehr Gäste und nebenan in der Kirche Konzerte – denn auch darum will sich Cosima Göpfert mit einem Verein kümmern. 

Cosima Göpfert hält eine aus Porzellan modellierte Hand
Cosima Göpferts Werke vereinen Konzeptkunst und optische Kunst. Ihr Werke erfordern einen subtilen Blick. Bildrechte: Dirk Skiba

MDR KULTUR auf Atelier-Besuch

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. April 2021 | 12:40 Uhr

Abonnieren