Ausstellung Naturkundemuseum Dessau zeigt "Fabelhafte Wesen" aus Ton

Im Rahmen des Heimatstipendiums der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt hat sich die Keramikkünstlerin Julia Rückert aus Halle ein Jahr lang mit den Sammlungen des Museums beschäftigt. Dabei sind sehr seltsam anzusehende Geschöpfe herausgekommen.

Heimatstipendium, Julia Rückert, Dessau, Porträt
Julia Rückert Bildrechte: Matthias Ritzmann für die Kunststiftung Sachsen-Anhalt
Heimatstipendium, Julia Rückert, Dessau 4 min
Bildrechte: Matthias Ritzmann für die Kunststiftung Sachsen-Anhalt
Heimatstipendium, Julia Rückert, Dessau 4 min
Bildrechte: Matthias Ritzmann für die Kunststiftung Sachsen-Anhalt

"Fabelhafte Wesen" heißt eine Sonderausstellung, die heute im Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau eröffnet wird. Sie ist während des Heimatstipendiums der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt entstanden. Ein Jahr hatte sich die hallesche Keramikerin Julia Rückert mit den Sammlungen des Museums beschäftigt. Herausgekommen sind eben diese fabelhaften Wesen: Geschöpfe aus Ton, inspiriert von Kinderzeichnungen und Exponaten aus dem Museum, welches etliche naturkundliche Sammlungen heimischer Flora und Fauna enthält, aber in dem auch Kuriositäten wie ein zweiköpfiges Küken oder ein Zyklopenschweinchen mit nur einem Auge zu sehen sind. Rückerts Tonfiguren treiben die Launen der Natur mit Hilfe von Fantasie auf die Spitze: Ein Einhornlöwe ist zu sehen, eine Kuh mit einem goldenen Geweih, ein geflügelter Elch, liebevoll geformt, gebrannt und dann glasiert. Für die Künstlerin war das Heimatstipendium dann – trotz Corona – auch eine sehr intensive Zeit, in der sie experimentieren konnte, mal Muse fand, auszuprobieren und sich neu zu erfinden. Dass sie sich für das kleine Naturkundemuseum in Dessau bewerben würde, war ihr von Beginn an klar. Dieses oder keines:

Weil Tiere in meiner Arbeit eine sehr große Rolle spielen. Ich mache Tierplastiken und ich bin einfach von diesen skurrilen Präparaten und diesen eingelegten Sachen im Museum total fasziniert. Ich habe viele Fotos gemacht und mit dem üppigen Bildmaterial und den Ergebnissen des Kinderwettbewerbs konnte ich gut arbeiten.

Julia Rückert, Künstlerin

Keramikmosaike mit ausgestorbenen Eiszeitbewohnern

Heimatstipendium, Julia Rückert, Dessau
Tierplastik aus Keramik von Julia Rückert Bildrechte: Matthias Ritzmann für die Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Während ihrer Recherche stieß Julia Rückert noch auf eine andere, besondere Sammlung im Museum: Bitterfelder Bernstein. In den Jahrtausende alten Steinen finden sich so genannte Einschlüsse, auch Inkluden genannt, das sind oft für die Ewigkeit konservierte Insekten. Rückert hatte die Idee, diese kleinen Tiere mal ganz groß zu zeigen, so dass man sie mit Abstand betrachten könne. Und so entstanden mehrere kleine und große Keramikmosaike. Hierfür vergrößerte die Künstlerin Fotos der Bernsteine auf dem Computer und versuchte mittels etlicher Farbproben, den richtigen Farbton für die etwa münzgroße Kachel zu finden: "Dann mache ich tausend Versuche, bis das ungefähr hinkommt. Für jedes Mosaik brauche ich ungefähr 15 oder 18 Farben. Die Versuchsanordnung ist die eigentliche Arbeit. Dann werden die Farben angemischt und auf die Kachel gemalt. Ich weiß meistens erst, wenn es fertig ist, ob es funktioniert hat."

Ein Krokodil aus Ton

Heimatstipendium, Julia Rückert, Dessau
Tierplastik aus Keramik von Julia Rückert Bildrechte: Matthias Ritzmann für die Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Das Mosaik mit dem Bernstein ist ein zentrales Bild in der Ausstellung "Fabelhafte Wesen" im Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau. Neben all den kleinen Exponaten, die sich zwischen den echten Tierpräparaten in den Vitrinen finden, hat Julia Rückert auch noch ein Krokodil aus Ton gebaut. Das gehört zwar nicht in die lokale Fauna, ist aber der Nachbau eines Tierpräparates aus einer fürstlichen Sammlung. Das Krokodil wird sicher ein Einzelstück bleiben, die Mosaike aber möchte die Keramikerin auch nach dem Heimatstipendium weiter herstellen. Keramik gibt es in so vielen Varianten, meist findet man sie stehend als Gebrauchsgegenstände oder als Plastiken. Bilder aus Keramik aber sind eher eine Seltenheit. Die zweite Auflage des Heimatstipendiums der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt hat damit nicht nur dem Museum für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau einen Mehrwert gebracht, es hat auch die Künstlerin Julia Rückert beflügelt, in ihrer Arbeit neue Wege zu gehen.

Heimatstipendium, Julia Rückert, Dessau
Tierplastik aus Keramik von Julia Rückert Bildrechte: Matthias Ritzmann für die Kunststiftung Sachsen-Anhalt

Informationen zur Ausstellung Ausstellung "Fabelhafte Wesen" von Julia Rückert
Im Museum für Naturkunde und Vorgeschichte
Askanische Straße 32 – 06842 Dessau-Roßlau
Öffnungszeiten: Mi–So, 10–17 Uhr
Läuft vom 3. Oktober 2021 bis 27. Februar 2022

Begleitend zur Ausstellung findet ein Kinderkunstnachmittag statt:
Donnerstag, 18.11.2021, 15 Uhr
Um Anmeldungen unter heimat@kunststiftung-sachsen-anhalt.de wird gebeten.

Informationen zur Ausstellung:
Im Rahmen eines Kreativ-Wettbewerbs rief sie Kinder in Sachsen-Anhalt dazu auf, eigene Wesen zu erschaffen. Rund 200 Bilder von Fantasiegeschöpfen erreichten die Künstlerin. Die drei Siegerwesen wurden von der Künstlerin in Ton modelliert und sind zusammen mit allen Zeichnungen in der Ausstellung zu sehen. Den kleinsten Ausstellungsstücken des Museums – in Bernstein eingeschlossene Insekten – widmete Julia Rückert besondere Aufmerksamkeit und setzte deren Erscheinung in stark verpixelten Vergrößerungen als keramische Mosaike um.

Heimatstipendium für Künstlerinnen aus Sachsen-Anhalt

Kultur in und um Dessau

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Oktober 2021 | 07:45 Uhr

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