Neue Ausstellung Neues Dommuseum in Meißen präsentiert nie gezeigte Cranach-Bilder

Das neu gestaltete Museum im Meißner Dom präsentiert sich sehr atmosphärisch. Die Ausstellung changiert zwischen Licht, Medien und Musik. Außerdem können hier nie zuvor zur Schau gestellte Werke Lucas Cranachs dem Älteren, einem der bedeutendsten deutschen Maler der Renaissance, bewundert werden. Ein Besuch der neuen Ausstellung lohnt, denn sie gibt spannende neue Erkenntnisse über die tausendjährige Geschichte der Region preis.

Dommuseum in Meißen, neuer Museumsraum
Das Meißener Dommuseum präsentiert sich in neuem Gewand. Bildrechte: MDR/Kathrin König

Das Dommuseum in Meißen wurde 1999 gegründet und hatte sich bisher vor allem auf die Kirchengeschichte Sachsens seit der Reformation konzentriert. Nach 20 Jahren wirkte die Ausstellung in den vier spätgotischen Räumen, die sich um den Hohen Chor des Doms schmiegen, allerdings etwas angestaubt, weshalb das Museum jetzt komplett neu gestaltet wurde. Modern und atmosphärisch präsentiert es sich nun im historischen Gemäuer. Fast möchte man von einer Entdeckungsreise sprechen, wenn man durch die historischen Räume des Museums wandelt. Denn die tausendjährige Geschichte des Meißner Doms kann man hier vor allem hören, sehen und sogar fühlen.

Das neugestaltete Museum präsentiert sich sehr atmosphärisch.
Die tausendjährige Geschichte des Doms wird in der neuen Ausstellungen mit allen Sinnen erfahrbar gemacht. Bildrechte: Hochstift Meißen/Friederike Hartmann

Im Halbdunkel, durch das die Besucherinnen und Besucher von hinterleuchteten Stehlen mit kurzen Informationstexten geleitet werden, erzählt eine Präsentation vom geistlichen Leben am Meißner Dom – durch die Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart hinein. Besonders atmosphärisch gelingt das im Keller des Kapitelhauses: Hier erklingen liturgische Gesänge in einem bestimmten Rhythmus, ähnlich wie im Mittelalter, als solche Chorgebete rund um die Uhr das religiöse Leben prägten und regelten.

In Meißen wurde eine einheitliche Sprache "erfunden"

Vitrine
Historische Dokumente im Dommuseum Meißen. Bildrechte: Hochstift Meißen/Friederike Hartmann

In der Kapitelstube wiederum vermitteln Stereoskopbetrachter einen sehr plastischen 3D-Eindruck von Meißen im Zeitalter der Romantik. Die Grafiken und Stiche zeigen ein damals bei Malern beliebtes Motiv: die Stadt, die sich an die Elbhänge schmiegt, mit dem hoch auf dem Felsen aufragenden Dom. Ein Modell der Westtürme des Meißner Doms, das mitten in der Kapitelstube aufgestellt ist, verweist zudem noch einmal auf die Baugeschichte des Gotteshauses.

Ein weiterer Raum widmet sich dem Thema Archiv und Kanzlei und greift die Bedeutung Meißens für die Entwicklung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache auf. Mit dem sogenannten Meißner Kanzleideutsch hatten die Kanzlisten der Wettiner eine einheitliche Verkehrssprache "erfunden", die dialektale Unterschiede ausglich, Begriffe normierte und so überall im deutschen Sprachraum verstanden wurde. Nicht umsonst also nutzte Martin Luther die Sächsische Kanzleisprache für seine Bibelübersetzung.

Albrechtsburg und Dom in Meißen an der Elbe. 4 min
Bildrechte: imago images/Vitalii Kliuiev

So viele Werke Lucas Cranachs gab es in Meißen noch nie

In keiner anderen Kirche in Deutschland sind so viele Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, seinem Sohn Lucas Cranach dem Jüngeren sowie aus den Cranach-Werkstätten öffentlich zugänglich. Im Dom selbst hängen Porträts von Martin Luther und Philipp Melanchthon, im Museum weitere fünf Bilder. Darunter befinden sich auch zwei Neuzugänge – "Schmerzensmann" und "Schmerzensmutter" aus dem Jahr 1516 – die erstmals überhaupt gezeigt werden.

Schmerzensmann und Schmerzensfrau
"Schmerzensmann" und "Schmerzensmutter" von Lucas Cranach dem Älteren werden erstmals öffentlich im Dommuseum zu Meißen gezeigt. Bildrechte: Cranach Digital Archive / Heydenreich / MDR

Die beiden Bildtafeln von Lucas Cranach dem Älteren stammen aus der privaten Kunstsammlung des Prinzen von Schönburg-Waldenburg. Durch eine Schenkung kamen sie zur Kirchgemeinde Constappel bei Meißen und von dort in den Meißner Dom.

Neue Medien im alten Gemäuer

Um die tausendjährige Geschichte des Meißner Doms anschaulich zu vermitteln, kommen in den vier historischen Räumen neue Medien und interaktive Elemente zum Einsatz. Dazu gehört ein comicartiger Animationsfilm, in dem über die Zeit vom zehnten Jahrhundert bis zum Jahr 1581 erzählt wird, als der Dom zur lutherischen Kirche wurde.

Blick in eine Ausstellung
Die Geschichte des Meißner Doms wird im neuen Museum multimedial vermittelt. Bildrechte: Hochstift Meißen/Friederike Hartmann

Auf Tablets wiederum können Besucherinnen und Besucher zeitlich an dieser Stelle anknüpfen und sich durch die Geschichte seit der Einführung der Reformation bis in unsere heutige Zeit hinein navigieren. Dabei fügen sich die zeitgenössischen musealen Installationen so zurückhaltend in die Architektur der Ausstellungsräume ein, dass diese in ihrer spätgotischen Gestalt weiterhin voll zur Geltung kommen – und natürlich die hochkarätigen Exponate.

Informationen zur Ausstellung Dommuseum zu Meißen
Domplatz 7 I 01662 Meißen

Öffnungszeiten:
täglich von 9 bis 18 Uhr

Eintritt: ab 5 Euro; ermäßigt 3,50 Euro

Alle weiteren Informationen können Sie der Webseite des Doms zu Meißen entnehmen.

Mehr Kunst und Kultur aus Meißen

Mehr Ausflugsziele in Sachsen

Abonnieren