Militärhistorisches Museum Ausstellung in Dresden räumt mit Hitlers Fallschirmjäger-Legenden auf

Ausstellung 'Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger' in Dresden
Militärhistorisches Museum Dresden Bildrechte: MHM/Andrea Ulke

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden ist ab Montag wieder fürs Publikum geöffnet. Nach monatelanger Corona-Zwangspause ist damit ab sofort eine brisante Sonderausstellung mit dem Titel "Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger" zu sehen. Das Museum verspricht neue Erkenntnisse zu der Truppe aus Akten verschiedener Archive. Kurator Magnus Pahl sagte, die Ausstellung räume mit noch immer kursierenden Legenden auf, die aus der NS-Heldenpropaganda stammten und bis heute wirkten.

Die Rolle der Fallschirmjäger wurde nach 1945 verklärt

Journalisten stehen im Militärhistorischen Museum in der Ausstellung "Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger".
Blick in die Ausstellung "Hitlers Elite? Mythos Fallschirmjäger" im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr Dresden Bildrechte: dpa

Laut Pahl wurden nach 1945 die enge Verzahnung mit Partei und Staatsführung und die Kriegsverbrechen der Truppe heruntergespielt, das Trauma hoher Verluste verdrängt und Niederlagen umgedeutet. Bei der Aufstellung der Bundeswehr 1956 seien alte Denk- und Verhaltensweisen unreflektiert beibehalten worden, obwohl die Bundeswehr sich gerade nicht in direkter Kontinuität zur Wehrmacht verstanden habe.

"Wie viel tatsächlich von den Fallschirmjägern der Wehrmacht vor allem in der frühen Bundeswehr steckt, muss noch genauer herausgearbeitet werden", so Pahl. Dem Kurator zufolge gibt es in der Schau dazu erste Deutungsangebote.

Die NS-Propaganda wirkt zum Teil bis heute

Die Fallschirmtruppe der Wehrmacht entstand 1936 auf Befehl Hitlers aus Freiwilligen des Wachregiments von Hermann Göring. Die Soldaten waren politisch indoktriniert, galten im Kampf automatisch als militärische Elite und erfuhren ähnlich der Waffen-SS propagandistisch besondere Aufmerksamkeit. "Bis heute verbinden militäraffine Menschen weltweit mit ihnen militärische Exzellenz, zuweilen sogar Unbesiegbarkeit", so Pahl.

Exponate aus der Ausstellung "Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger"

Junger Mann hält sich Hand vor das Gesicht.
Ein gefangener Fallschirmjäger, Anfang 1945 Bildrechte: Alpha Stock/Alamy Stock Foto
Junger Mann hält sich Hand vor das Gesicht.
Ein gefangener Fallschirmjäger, Anfang 1945 Bildrechte: Alpha Stock/Alamy Stock Foto
Männer in Uniform
Hitler (mit dem Rücken zur Kamera) sah in den Fallschirmjägern "Helden des Dritten Reiches". Hier empfängt er hochdekorierte Offiziere mit Oberstleutnant Erich Walther (3. von links). Bildrechte: Walter-Frentz-Collection
Ausstellung "Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger" in Dresden
Typisches NS-Propagandabild: ein entschlossener Fallschirmjäger im Einsatz. Bildrechte: MHM, BBAX8027
Zwei Frauen sehen einem Mann in Uniform hinterher.
Ein Fallschirmjäger im Ausgehanzug auf Heimaturlaub. Die NS-Propaganda stellte die Angehörigen der Truppe als gesellschaftlich angesehene Elitesoldaten dar, die in der Heimat bewundert werden. Bildrechte: MHM
Gepackter historischer Fallschirm
Ein unbenutzter Original-Fallschirm "RZ 36". Bildrechte: MHM/Andrea Ulke
braune Stiefel
Die speziellen Stiefel der Fallschirmschützen ("Springerstiefel") sollten die Gelenke bei der Landung schützen. Bildrechte: MHM/David Brandt
Fallschirmjäger
Fallschirmjäger beim "Sprung in die Festung Holland" im Mai 1940 Bildrechte: Bayerische Staatsbibliothek München / Bildarchiv
Ein Soldat fesselt einen Mann an einen Baum, davor stehen weitere Soldaten.
Fallschirmjäger waren häufig an Kriegsverbrechen beteiligt – hier kurz vor der Erschießung eines Italieners in Süditalien Ende 1943 Bildrechte: Privatbesitz
Gefallener Soldat
Gefallener Fallschirmjäger 1941 auf Kreta. Die Opferzahlen bei den Fallschrimjägern wurden von den Nazis bewusst heruntergespielt. Bildrechte: MHM, ABAB7903
Alle (9) Bilder anzeigen

Informationen zur Ausstellung "Hitlers Elitetruppe? Mythos Fallschirmjäger"
7. Juni 2021 bis Januar 2022
MIlitärhistorisches Museum Dresden

Öffnungszeiten:
täglich außer mittwochs, 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr

Eintritt: 5 Euro, ermäßig 3 Euro, Kinder und Jugendliche sowie Bundeswehr-Angehörige frei

Bitte beachten Sie mögliche Änderungen aufgrund der aktuellen Entwicklung!

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 06. Juni 2021 | 22:06 Uhr

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