Technik und Kunst Ausstellung in Dresden zeigt magische Maschinen von Künstlern

Maschinen krempeln unser Leben um, Stichwort Internet. Wie geht die Entwicklung weiter? Die Ausstellung "Magic Machines" in den Technischen Sammlungen Dresden blickt in die Zukunft, die von künstlicher Intelligenz geprägt sein wird. Für die Schau haben 14 internationale Künstlerinnen und Künstler höchst erstaunliche Apparate entwickelt, von gitarrespielenden Robotern bis zu Wahrsage-Maschinen. Eine Ausstellung, die Spaß macht und zugleich existenzielle Fragen zur Zukunft der Menschheit stellt.

Ausstellungsstück 'Magic Machines'
Heavy Metal: ein gitarrespielender Roboter namens Helga Tarr, zu sehen in der Ausstellung "Magic Machines" der Technischen Sammlungen Dresden Bildrechte: Andreas Ullrich/Netzwerk Medien Kunst

Diese Gitarristin ist eine echte Schwermetallerin. Die Riffs perlen exakt, sogar die Posen sind stilecht, rhythmisches Kopfnicken und Ausfallschritt inklusive. Helga Tarr heißt sie – und sie besteht zu fast 100 Prozent aus Eisen. Denn Helga Tarr ist ein Roboter. "Meine Intention war eine Maschine, die annähernd so spielen kann wie ein Mensch", sagt der Medienkünstler Markus Kolb, der diesen lebensgroßen Metal-Roboter erschaffen hat. Diese Maschine ist der Blickfang in der Sonderausstellung "Magic Machines" in den Technischen Sammlungen Dresden. Die Schau kreist um große Fragen: Werden Maschinen mit künstlicher Intelligenz bald ein Eigenleben führen?

Autonom fahrende Autos werfen schon jetzt die Frage auf, wer da eigentlich steuert und die Verantwortung trägt: Mensch oder Maschine? Sehr wahrscheinlich, dass es in naher Zukunft auch Roboter geben wird, die eigenständige Künstler sind. "Das ist ja auch eine Angst, dass die Maschinen irgendwann alles übernehmen", sagt der Medienkünstler Markus Kolb und blickt auf seine Robo-Gitarristin. "Aber ich habe keine Angst – es soll erstmal Spaß machen."

Eine Ausstellung, die Spaß macht

Und das macht diese Ausstellung über magische Maschinen. Sie verbergen sich in der ehemaligen Kamerafabrik im Dresdner Osten hinter roten Samtvorhängen. Von einem Hand-Scanner können sich Besucherinnen und Besucher ihre Zukunft vorhersagen lassen. Oder in einer sich drehenden Muschel der Unendlichkeit nachlauschen.

Ausstellungsstück 'Magic Machines'
Für die Ausstellung haben 14 internationale Künstlerinnen und Künstler ihre Vorstellungen von "Magischen Maschinen" verwirklicht. Bildrechte: Andreas Ullrich/Netzwerk Medien Kunst

Kurator Andreas Ullrich hatte zusammen mit dem Netzwerk Medienkunst, der Dresdner Galerie C. Rockefeller Center und den Technischen Sammlungen einen Wettbewerb gestartet: Hunderte Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Ländern meldeten sich mit ihren Ideen für solche erstaunlichen Apparate – 14 von ihnen wurden ausgewählt. Vieles davon ist verspielt, manches witzig. Darunter aber liegt für Kurator Andreas Ullrich eine ernste Frage: "Was passiert, wenn die unbelebte Form zu einer Wesenheit wird, ist das bedrohlich, ist das hoffnungsvoll – oder stehen wir als Menschen vor der Ablösung und sitzen den Rest der Zeit dann im Liegestuhl?"

Was gestern magisch erschien, ist heute Realität

Der Medienkünstler Andreas Ullrich erinnert sich an die magischen Maschinen seiner Kindheit: Sie ermöglichten in der Fernsehserie "Star Trek" Kommunikation rund um die Welt – heute ist das Realität. Es nennt sich Internet. Das ist der Grund, warum ein Wissenschaftsmuseum wie die Technischen Sammlungen Dresden die "Magic Machines" in ihre Räume holt, sagt Direktor Roland Schwarz: "Die Aufgabe ist es, zu fragen: Was ist die Magie von heute?" Denn aus ihr kann die Wirklichkeit von morgen werden.

Mitten in der Ausstellung steht eine Konstruktion aus Stangen und Kabeln – aber eigentlich ähnelt sie eher einer Schlingpflanze. Oder einem Kraken. Und irgendwie scheint sie zu leben. Denn je näher man an sie herantritt, desto aufgeregter wirbeln Propeller und flackern Lampen. "Sie fängt mit ihren Sensoren immer eigenständiger an, auf Menschen zu reagieren", sagt Tobias Daemgen vom Medienkunstkollektiv RaumZeitPiraten. Seit drei Tagen schon schraubt er an diesem magischen Apparat. "Eine absurde Maschine, die anregt nachzudenken über unser Verhältnis zu Maschinen."

Ausstellungsstück 'Magic Machines'
Viele der in Dresden ausgestellten "Magic Machines" sind verspielt, manche witzig – und nicht alle erschließen sich auf Anhieb. Bildrechte: Andreas Ullrich/Netzwerk Medien Kunst

Künstliche Intelligenz und Roboter werden diese Frage möglicherweise schon bald selbst stellen. Gut, wenn Menschen dann vorbereitet sind und ein paar Antworten parat haben – und dabei wie in der Ausstellung "Magic Machines" ziemlich menschlich vorgehen: mit einem Augenzwinkern.

Informationen zur Ausstellung

Magic Machines
30. Juni bis 11. September 2022

Technische Sammlungen Dresden
Museum für Wissenschaft und Techni
Junghansstraße 1–3 (Eingang Schandauer Straße)
01277 Dresden

Öffnungszeiten:
Dienstag–Freitag, 9–17 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage 10–18 Uhr

Eintritt:
Erwachsene 5 Euro
Ermäßigte 4 Euro
Kinder unter 7 Jahren gratis

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. Juli 2022 | 13:40 Uhr

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