Klima-Protest Dresden: SKD-Chefin Ackermann kritisiert Attacke von Klimaaktivisten

Nach der Attacke von Klimaaktivisten auf die "Sixtinische Madonna" in Dresden hat die Direktorin der Staatlichen Kunstsammlungen die Aktion verurteilt. Der Angriff gelang trotz verschärfter Sicherheitsvorkehrungen. Ein Restrisiko wird es Ackermann zufolge wohl dennoch immer geben.

Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, steht im Albertinum in der Ausstellung „Gerhard Richter - Portraits.
Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, verurteilte die Aktion der Klimaaktivisten. Bildrechte: dpa

Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) Marion Ackermann verurteilt den Angriff von Klimaaktivisten auf das berühmte Gemälde "Sixtinische Madonna". Im Gespräch mit MDR KULTUR zeigte Ackermann zwar grundsätzlich Verständnis für die Beweggründe der Umweltbewegung "Letzte Generation", lehnt aber den Angriff auf ein Kunstwerk – auch in seiner symbolischen Form – ab, hält ihn sogar für gefährlich. Ackermann sagte: "Das kann ja auch Nachahmungstäter anlocken, die das nächste Mal wirklich das Bild angreifen und zerstören. Das finde ich nicht in Ordnung."

Sicherheit: Gemälde wird streng bewacht

Ackermann betonte, dass seit 2. August für die "Sixtinische Madonna" bereits strengere Sicherheitsvorkehrungen gelten. So werde das Werk von einem Mitarbeitenden des Sicherheitsdienstes eins zu eins bewacht. Außerdem sei das Mitführen jeglicher Taschen und Rucksäcke untersagt, um keine Transparente oder Spraydosen einzuschmuggeln.

Wir können uns einfach nicht hundertprozentig davor schützen. Das ist die traurige Bilanz.

Marion Ackermann SKD-Generaldirektorin

In jüngster Zeit hatte es mehrere Attacken von Klimaaktivisten auf Gemälde in Museen gegeben, darunter in Paris auf die "Mona Lisa" und in London auf ein Van-Gogh-Gemälde. "Es bleibt ein Restrisiko mit dem wir leben müssen", so Ackermann abschließend. Die Gesellschaft sei gerade in einer Weise aufgeheizt und aufgeregt.

Kunsthistoriker zeigt Verständnis für Aktion

Der Berliner Kunsthistoriker Michael Diers sieht in der Aktion der Klimaschützer an der Sixtinischen Madonna eine legitime Aktion, da das Kunstwerk nach derzeitigem Wissensstand nicht beschädigt wurde. Er sieht in der Schaffung von Aufmerksamkeit für relevante Themen eine wesentliche Währung in unserer Gesellschaft. Insofern sei die Aktion eine klug kalkulierte Entscheidung gewesen, auch wenn das für ihn als Kunstwissenschaftler nicht ganz so einfach zu akzeptieren sei. Durch den Ausstellungsort sei eine hohe Aufmerksamkeit vorhanden, denn es sind dort viele Menschen, die beispielsweise durch Videos für Aufmerksamkeit sorgen können. "Ohne Störfeuer wie diese reagiert unserer Öffentlichkeit überhaupt nicht mehr.", so Diers.

Aktivisten kleben sich an Gemälde-Rahmen

Am Dienstag hatten sich zwei Klimaaktivisten in Dresden an Raffaels "Sixtinischer Madonna" festgeklebt. Wie die Kunstsammlungen bekanntgaben, klebten sich die Mitglieder der Gruppe "Letzte Generation" mit jeweils einer Hand am Rahmen des berühmtesten Gemäldes fest. Dabei wurde den Angaben zufolge der Rahmen beschädigt, das Kunstwerk selbst aber nicht.

Die Aktivisten hatten laut Ackermann Sekundenkleber für ihre Aktion genutzt. Der Restaurator habe die beiden mit Lösungsmitteln vom Rahmen befreien müssen. Der entstanden Schaden halte sich in Grenzen und werde wohl spurlos wieder behebbar sein, so die SKD-Chefin.

Zwei Umweltaktivisten der Gruppe "Letzte Generation" stehen in der Gemäldegalerie Alte Meister an dem Gemälde Sixtinische Madonna von Raffael.
Die beiden Umweltaktivist hatten sich an den Rahmen des Gemäldes "Sixtinische Madonna" von Raffael geklebt. Bildrechte: dpa

Protest gegen Klimapolitik des Bundes

Die beiden Aktivisten wollten mit der Aktion nach eigenen Angaben ein Zeichen gegen die Klimapolitik der Bundesregierung setzen. Ein Video ihrer Aktion hatten sie am Dienstagmittag bei Twitter veröffentlicht. Dazu schrieben sie: "Die Klimakatastrophe wird uns, wenn wir nicht sofort massiv umlenken, wahrscheinlich umbringen. Daher unterbrechen wir den täglichen Ablauf – auch in der Kunst."

Die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden wurde nach dem Vorfall geschlossen. Die Polizei bestätigte, dass Ermittlungen eingeleitet wurden. Es handele sich um einen 28 Jahre alten Mann und eine 21 Jahre alte Frau.

(Quelle: Marion Ackermann im Interview mit Thomas Bille; redaktionelle Bearbeitung: Cornelia Winkler, op)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. August 2022 | 08:40 Uhr

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