Austausch und Kunstschätze Ukraine-Krieg: Kunstsammlungen Dresden richten Zusammenarbeit neu aus

Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann 8 min
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Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) haben angekündigt, internationale Kooperationen angesichts des Krieges in der Ukraine neu auszurichten. Wie der Museumsverbund am Dienstag mitteilte, soll die institutionelle Zusammenarbeit mit allen russischen Einrichtungen vorerst unterbrochen werden. Auf persönlicher Ebene will man aber weiter im Gespräch bleiben: "Wir bleiben in engem Austausch mit all den vielen Kolleginnen und Kollegen, Künstlerinnen und Künstlern in Russland, die unter Bedingungen persönlicher Gefährdung mutig ihre Stimme gegen die russische Militäraggression in der Ukraine erheben", erklärte Marion Ackermann, Generaldirektorin der Kunstsammlungen in Dresden.

Ackermann betonte, wie wichtig Kunst sei, "um kulturdiplomatische Brücken zu bauen, wo die Politik versagt". Als Beispiel nannte sie die Ausstellung "Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland", die sowohl in Dresden als auch in Moskau gezeigt wurde. Diese Schau habe bewiesen, dass Projekte trotz Anspannungen möglich seien und so das Verständnis füreinander vertiefen können. "Gerade in Ländern, in denen die Demokratie bedroht ist, erscheint uns dieses Engagement so außerordentlich wichtig", so Ackermann.

Sie wolle versuchen, alle Möglichkeiten, die man über Kunst und Kultur hat, einzusetzen, sagte Ackermann im Interview mit MDR KULTUR. Denn wenn die Brücken komplett abgebrochen werden, führe das dazu, dass ganze Generationen nichts mehr voneinander wissen. "Zwischen den USA und Russland gibt es seit mindestens zehn Jahren, wenn nicht 15 Jahren, keinen Leihverkehr mehr, und das bedeutet, dass dort auch die jüngeren Generationen überhaupt nichts mehr von der Kultur des jeweiligen Landes mitbekommen", warnte die Generaldirektorin. Das sei eine denkbar schlechte Grundlage.

Unterstützung aus Dresden für ukrainische Museen

Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit mit Partnern in der Ukraine ausgebaut werden. Nach eigenen Angaben haben die Dresdner Kunstsammlungen Museen und Privatsammlern in der Ukraine Hilfe angeboten, um Kunstschätze zu schützen. Dafür arbeite man aktuell auch an einem Angebot, um einen digitalen Austausch zu ermöglichen.

In den kommenden Monaten und Jahren wolle man die Beziehungen zur Ukraine auch sichtbarer machen, heißt aus den Kunstsammlungen. Insgesamt soll ein vertiefender Blick nach Osteuropa geworfen werden. Dafür seien Sonderausstellungen, Konferenzen und Residenzen geplant. Ackermann erklärte: "Es liegt im ureigensten Interesse der SKD, die Zusammenarbeit mit der Kunst- und Museumsszene insbesondere in der Ukraine, aber auch in anderen Ländern Ostmitteleuropas, zu intensivieren". Die SKD hätten schon vor dem Kriegsbeginn als nächstes eine Ausstellung zu Pazifismus geplant, erzählte Ackermann: "Weil wir beobachtet haben, dass der Frieden und der Pazifismus viel weniger im Mittelpunkt von Ausstellungen stehen."

Ausstellung
In der Ausstellung "Träume von Freiheit" zeigten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden verbindende künstlerische Positionen. Bildrechte: SKD/David Pinzer

Am 24. Februar hatte Russland eine groß angelegte Invasion auf die Ukraine gestartet. Bereits seit 2013 gab es Konflikte zwischen den beiden Ländern, die sich auch im Krim-Konflikt äußerten. Zuletzt erhob Russland schwere Vorwürfe an die ukrainische Regierung, die aber international als nicht haltbar angesehen werden. Viele Nationen belegen Russland seither mit Sanktionen. Viele Kulturinstitutionen in Europa forderten daher Kunstschaffende mit Beziehungen zur russischen Regierung zu Distanzierung auf. Eine Zusammenarbeit mit staatlichen russischen Einrichtungen scheint aktuell daher kaum möglich.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. März 2022 | 16:30 Uhr

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