Gemäldegalerie Alte Meister Was Edward Hoppers Bilder mit den Alten Meistern in Dresden verbindet

Edward Hopper zählt zu den bekanntesten US-amerikanischen Malern des 20. Jahrhunderts. Einige seiner Meisterwerke sind aktuell in der Dresdner Ausstellung "Edward Hopper. Die Innere und die äußere Welt" zu sehen, was an sich schon eine Rarität darstellt. Dass dieser Meister der Moderne wiederum in der Gemäldegalerie Alte Meister Dresden mit Werken beispielsweise von Jan Vermeer präsentiert wird, erstaunt ebenfalls, hat aber durchaus seine Berechtigung.

In Gedanken versunken blickt eine Frau auf dem Bett sitzend, die Arme fest um ihre Knie geschlungen in Richtung Fenster oder besser in das hereinfallende Licht. Das der aufgehenden Sonne, wie der Titel des Bildes "Morning Sun" nahelegt. Es ist eines der Hauptwerke Edward Hoppers aus dem Jahr 1952.

Einsame Menschen, oder auch einsame Häuser, sind wiederkehrende Motive bei Edward Hopper, reduziert auf das Wesentliche und in kühlen Farben, wie Kobaltblau und Blassgelb. Das ist das Markenzeichen des Malers: Realistische Bilder, in denen er wie kaum ein anderer die Einsamkeit und Melancholie der modernen Großstadtmenschen einfängt. Oft wirken seine Szenerien eingefroren, wie Filmstills. Und tatsächlich haben sich Regisseure wie Alfred Hitchcock und Wim Wenders von Hoppers Werken inspirieren lassen.

Dresdner Ausstellung zeigt Beziehungen

Wovon wiederum der Maler, der mit seinem kühlen Realismus unser Bild von Amerika nachhaltig geprägt hat, inspiriert wurde, versucht nun die neue Ausstellung in Dresden zu verdeutlichen, weshalb vis-a-vis zu "Morning Sun" Vermeers "Brief lesendes Mädchen am offenen Fenster", entstanden um 1657-59, präsentiert wird – wenn auch nur als historische Kopie, da das Original zurzeit in Japan gezeigt wird. Auch hier eine in ihren Gedanken versunkene Frau am Fenster.

Seit den Vorbereitungen zur Vermeer-Ausstellung, die bis Januar 2022 in Dresden zu sehen war, und der intensiven Auseinandersetzung mit dessen Bildern, seien ihm immer mehr Parallelen zu Edward Hopper, dessen Werk er sehr gut kennt, aufgefallen, so Stephan Koja, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister und Kurator der Ausstellung. Doch nicht nur Vermeer zieht er für die Kabinettausstellung hinzu, sondern er vergleicht auch Radierungen Rembrandts mit denen von Hopper.

Es ist in der Hopper-Literatur schon vereinzelt gesehen worden, aber man hat da nie die Schlüsse daraus gezogen. Dass er so stark aus dem Geist der Alten Meister arbeitet, weil er eben grundsätzliche Fragen behandeln will. Das, glaube ich, zeigen wir mit neuer Deutlichkeit.

Stephan Koja, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister

Kunst-Begegnungen in Dresden

Das Interesse des amerikanischen Malers an den Alten Meistern, speziell an der niederländischen Malerei, wurde während seiner Reisen durch europäische Metropolen wie Paris, London und Amsterdam zu Beginn des 20. Jahrhunderts geweckt. Wieder zurück in New York vertiefte Edward Hopper seine Studien unter anderem im Metropolitan Museum of Art. Eine besondere Rolle kam dabei wohl dem Licht zu.

Gerade bei Rembrandt oder auch Vermeer hat das Licht wirklich eine spirituelle Bedeutung. Bei Hopper ist das Licht viel schonungsloser, oft ein sehr hartes Licht. Aber was vergleichbar ist, ist diese Dimension, dass das Licht auf größeres verweist, auf eine ordnende Macht.

Stephan Koja, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister

Mit 18 Werken ist dies eine kleine, aber eben sehr feine Ausstellung. Acht davon stammen von Edward Hopper. Allerdings lässt sich schon an einem einzigen Gemälde, wie eben "Morning Sun", eine Leihgabe des Columbus Museum of Art, die These Stepahn Kojas wunderbar nachvollziehen. Wenn er Edward Hopper nämlich in den Stand eines Alten Meisters erhebt, der seinen Vorgängern, speziell denen in der Dresdner Gemäldegalerie, durchaus gewachsen zu sein scheint.

Informationen zur Ausstellung Die Sonderausstellung "Edward Hopper. Die innere und die äußere Welt" ist bis zum 31. Juli 2022 zu sehen.

Gemäldegalerie Alte Meister
Theaterplatz 1
01067 Dresden

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, von 10 bis 18 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. April 2022 | 06:15 Uhr

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