"Vorhang auf für Emmy Rubensohn (1884-1961)" Ausstellung im Gewandhaus Leipzig: Wer war die Musikmäzenin Emmy Rubensohn?

Sie war die Tochter einer erfolgreichen jüdischen Unternehmerfamilie und wurde 1884 in Leipzig geboren. Im Laufe ihres Lebens wurde sie Konzertmanagerin und Salonière. Ihr Briefwechsel, unter anderem mit dem Komponisten Ernst Krenek, ist bis heute erhalten. Wer war diese Frau? Was zeichnete sie aus und welche Spuren lassen sich verfolgen? Diesen Fragen geht die Ausstellung "Vorhang auf für Emmy Rubensohn (1884-1961): Musikmäzenin aus Leipzig" vom 10. November bis 17. Dezember 2021 im Gewandhaus Leipzig nach. 

Gewandhaus Leipzig abends mit Beleuchtung
Die Ausstellung wurde in Kooperation mit dem Ernst Krenek Institut Krems, der Ephraim Carlebach Stiftung, der Jüdischen Gemeinde Leipzig und der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" Leipzig konzipiert. Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Emmy Rubensohn ist eine fast vergessene Persönlichkeit, die vielen Künstlern und Musikern Wege geebnet, zu Kontakten verholfen und selbst Konzerte organisiert hat. Mit vielen ihrer Freunde teilte sie das Interesse für die Musik der Moderne. Auch mit Ernst Krenek. Der 1900 in Wien geborene Komponist ist in jungen Jahren bereits ein aufstrebendes Talent. Emmy Rubensohn fördert auch ihn und somit kann seine erste große Oper "Jonny spielt auf!" 1927 in Leipzig uraufgeführt werden. Für Krenek mit dieser jazzigen Musik ein Durchbruch, aber auch gleichzeitig das Ende der Karriere in Deutschland. Die Geschichte eines schwarzen Geigers im freien Amerika erregt damals alles andere als die Gunst der Nationalsozialisten und wird schließlich als "entarte Kunst" bezeichnet. 

Der amerikanisch-österreichische Komponist und Musikschriftsteller Ernst Krenek als Dirigent in einer undatierten Aufnahme.
Der amerikanisch-österreichische Komponist und Musikschriftsteller Ernst Krenek Bildrechte: dpa

Emigration nach Shanghai

Doch nicht nur Ernst Krenek wird später das Land verlassen, auch seine Mäzenin Emmy Rubensohn, erzählt Matthias Henke, Musikwissenschaftler der Universität Siegen: "Sie musste 1940 nach Shanghai mit ihrem Mann emigrieren. Beide waren ursprünglich relativ vermögend, verloren aber durch die 'Reichsfluchtsteuer' und andere Repressalien ihr Vermögen und waren arm als sie ankamen."  Die damals 60-Jährige beschloss, kleine Schmuckstücke zu fertigen, um somit den Lebensunterhalt im Exil zu verdienen. Denn eine kleine Künstlerkolonie mit Musik und Theater gab es auch im fernen Shanghai der jüdischen Exilanten. 

Auch Sophie Fetthauer erzählt davon und hat kürzlich ein Buch über "Musiker und Musikerinnen im Shanghaier Exil 1938-1949" vorgelegt. Über eine Briefnotiz kann auch sie berichten und weiß, Emmy Rubensohn gehörte damals mit ihrem Mann im Shanghaier Exil vermutlich nicht zu den Bewohnern des eher schlechten Ghettos. Aufzeichnungen bestätigen auch, dass sie sich mit einem kleinen Nebenerwerb, dem Fertigen von Perlenschmuck, finanziell ein Zubrot verdienen konnte. Manch ein Schmuckstück ist bis heute erhalten. Etwa 18.000 Flüchtlinge kamen damals aus Deutschland und Österreich, um die letzte verbleibende Chance für ein Entkommen vor dem Holocaust zu nutzen.

Emmy Rubensohn Plakat
Den roten Faden der Ausstellung bildet das Erinnerungs- und Gästebuch von Emmy Rubensohn. Gezeigt werden in erster Linie Text-Bild-Tafeln, ergänzt von einigen Objekten. Bildrechte: Gewandhaus Leipzig

Emmy Rubensohn starb 1961 in New York

Etwa 450 Menschen waren damals im Exil in Shanghai im Bereich der Musik entweder selbst oder als Verleger, Komponisten, Dirigenten tätig waren. Auch wenn bekannt ist, dass Emmy Rubensohn die Musik der Moderne favorisierte, gehen Wissenschaftler davon aus, dass jene, auch harten Jahre, weniger experimentierfreudig gewesen sein dürften. Man spielte eher "leichte" Unterhaltung, Musik der Klassik, etwas zur Entspannung inmitten eines Alltages voller Entbehrungen, Repressionen, Angst und Härten. 

Emmy Rubensohn starb 1961 in New York, der Stadt, die nach Shanghai, Kassel und Leipzig ihr Zuhause geworden war. Mit Ernst Krenek verband sie eine enge Brieffreundschaft. Er konnte im Exil nicht sofort an die Erfolge seiner Oper "Jonny spielt auf" anknüpften. Als Lehrer schlug er sich finanziell in den USA zunächst durch und widmete sich später der elektroakustischen und experimentellen Musik. Mit 80 Jahren kaufte er sich den ersten Computer und war immer offen für technische Innovationen. Mehr als 200 kompositorische Werke hinterließ er der Welt. Mit 91 Jahren verstarb auch er in den USA, ausgewandert und vertrieben – wie Emmy Rubensohn aus Leipzig! 

Mehr Informationen zur Ausstellung "Vorhang auf für Emmy Rubensohn (1884-1961): Musikmäzenin aus Leipzig"
10. November bis 17. Dezember 2021

Mendelssohn-Foyer im Gewandhaus zu Leipzig
Augustusplatz 8, 04109 Leipzig

11. November: Tagung "Ernst Krenek in Leipzig"

Am 16. und 17. Dezember schließen zwei große Konzerte das Emmy-Rubensohn-Projekt ab. Diese finden im Rahmen des Jubiläums "1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland" statt.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 10 bis 18 Uhr
Samstag: 10 bis 14 Uhr
An Konzerttagen durchgängig bis 20 Uhr
Eintritt frei

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. November 2021 | 08:40 Uhr

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