Appell auf Verbandstag Erfurt: Thüringer Museen sollen sich auf den Ernstfall vorbereiten

Die Thüringer Museen stehen vor einem unsicheren Winter. Hohe Heizkosten machen ihnen schon jetzt zu schaffen, mögliche Heizungsausfälle könnten schwerwiegende Schäden in den Sammlungen nach sich ziehen. Bei der Jahrespressekonferenz des Thüringer Museumsverbands ging es am Mittwoch unter anderem um Ansätze, möglichst konstruktiv mit dieser Krise umzugehen.

Das Bauhaus-Museum bei Nacht
Das Weimarer Bauhaus-Museum bei Nacht Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar

Notfallpläne waren in den Thüringer Museen bislang ein gern verdrängtes Thema. Nur rund 30 Prozent der Häuser besitzen solch ein Dokument, in dem steht, wie auf bestimmte Probleme und Herausforderungen reagiert werden kann, von Wasserschäden, über Brände bis hin zu kriegerischen Auseinandersetzungen.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 14.09.2022 19:00Uhr 02:35 min

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Energie- und Gaskrise: Notfallpläne für Museen

Mit der Energiekrise sollte sich dies nun dringend ändern, fordert der Museumsverband Thüringen. Bei der Jahres-Pressekonferenz, die am Mittwoch im Erfurter Gartenbaumuseum stattfand, ging das Präsidium auf verschiedene mögliche Worst-Case-Szenarien ein, auf die sich die Museen vorbereiten sollten: "Es kann passieren, dass das Gas abgestellt wird, Strom aber weiterhin zur Verfügung steht. Es kann aber auch passieren, dass die Heizung nicht funktioniert und gleichzeitig flächendeckende Blackouts stattfinden", so Präsident Thomas T. Müller. Niemand wünsche sich, dass es so komme. Man müsse aber mit allem rechnen.

Die Häuser und ihre Träger, also Landkreise, Städte oder auch Vereine, sollten die eigenen Häuser deswegen schnellstmöglich genau unter die Lupe nehmen, so Müller weiter. "Etwa was die Heizkreise angeht. Gibt es verschiedene Heizkreise, bei denen man im Notfall einen ausschalten kann, und im anderen alles konzentriert, was eine Grundbeheizung braucht? Man sollte auch in Erfahrung bringen, wie weit man die Häuser herunterkühlen kann, ohne dass sensible Objekte, etwa aus Holz, schwer geschädigt werden. Solche Recherchen sollte man jetzt anstellen und nicht hinausschieben."

Besucherminus bei Thüringer Museen

Zwei Männer und zwei Frauen sitzen an einem Tisch, im Hintergrund wird Text an die Wand projiziert
Franziska Zschäck (links) und Thomas T. Müller (2. von links) bei der Jahrespressekonferenz. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Die Energiekrise trifft die thüringischen Museen in einer fragilen Situation. Gerade erst haben sich viele Häuser nach den Corona-Beschränkungen wieder berappelt, seit dem Sommer haben sich die Besucherzahlen nach Angaben des Verbands stabilisiert. Dennoch bleibt im Vergleich zu Vor-Pandemiejahren immer noch rund 30 Prozent des Publikums aus. Franziska Zschäck, Vizepräsidentin des Museumsverbands, führte dies bei der Jahrespressekonferenz auf weniger Besuche von Schulklassen und ausbleibende Busreisen zurück: "Bei den Busreisen sind Umbrüche im Gange, die wir noch nicht einschätzen können. Wir müssen schauen, ob sich solche Angebote, die für viele Häuser früher beim Besucheraufkommen eine große Rolle gespielt haben, wieder wie früher durchsetzen werden."

DDR-Provenienzforschung: Rechtlicher Rahmen für Rückgaben fehlt

Im Alltagsgeschäft spielt bei den thüringischen Museen nach wie vor die Provenienzforschung eine große Rolle. Hier geht es langsam aber stetig voran, an den kleinen und mittleren Häusern sollen mithilfe des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste weitere Erst-Recherchen zu NS-Raubgut durchgeführt werden. Der Museumsverband steht den Häusern mit einer eigenen Koordinierungsstelle zur Verfügung.

Bei der Provenienzforschung mit Blick auf die SBZ- und die DDR-Zeit fordert der Verband von der Politik, eine rechtliche Grundlage für mögliche Restitutionen zu schaffen. Diese gebe es bislang nicht, es müssten immer Einzelfallentscheidungen durch die Museumsträger getroffen werden, so Verbandspräsident Müller: "Hier wünschen wir uns, dass es Rechtssicherheit gibt. Das betrifft übrigens auch Objekte mit kolonialem Kontext."

Volontariat in Thüringer Museen: Positive Bilanz zum Ausbildungsprogramm

Positives zu vermelden hatte der Verband zum thüringischen Volontariatsprogramm. Das bundesweit einmalige Programm, bei dem die Museen für die Ausbildung von Volontären jeweils zwei Jahre lang finanzielle Mittel vom Freistaat bekommen, laufe sehr erfolgreich, hob Müller hervor. Im dritten Jahrgang seien 11 der 24 Teilnehmenden von den ausbildenden Museen übernommen worden: "Hier wissen wir von Museumsverbänden aus anderen Bundesländern, dass da mit großem Neid auf Thüringen geblickt wird." Für die Museen sei das Volontariatsprogramm ein ausgezeichnetes Mittel, um dem Fachkräftemangel in der Branche zu begegnen.

(Redaktionelle Bearbeitung: ks)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. September 2022 | 15:30 Uhr

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