Trauer Bautzner Fotografin Evelyn Richter gestorben

Evelyn Richter
Evelyn Richter wurde am 31. Januar 1930 in Bautzen geboren und starb am 10. Oktober 2021 in Dresden. Bildrechte: imago/photothek

Die Fotografin Evelyn Richter ist tot. Die 91-Jährige ist am Sonntag in Dresden gestorben, wie MDR KULTUR am Dienstag vom Museum der Bildenden Künste in Leipzig bestätigt wurde. Für ihr Lebenswerk hatte sie noch im vergangenen Jahr als erste Preisträgerin den Bernd-und-Hilla-Becher-Preis erhalten. Anlässlich ihres 90. Geburtstags hatten die Dresdner Kunstsammlungen ihre Fotografien gezeigt.

Richters Gespür für den symbolischen Augenblick ist das eine. Dazu kommt, wie sie, nach teilweise langer Wartezeit, dann doch perfekt balancierte Bilder macht. Ohne viele Versuche und gleichsam aus dem Stand heraus.

Meinhard Michael, MDR KULTUR-Kunstkritiker in der artour-Sendung vom 30. Januar 2020

Eine der bedeutendsten Fotografinnen Deutschlands

Die in Bautzen geborene Evelyn Richter zählt zu den bedeutendsten Fotografinnen Deutschlands. Menschen auf der Straße, Selbstporträts, Reisende, Museumsbesucher, Porträts von Künstlern, Schriftstellern und Musikern waren ihre Motive.

Fotografin Evelyn Richter
Fotografin Evelyn Richter Bildrechte: picture alliance / dpa | Peter Endig

Sie fotografierte Kolleginnen und Kollegen, wie die Künstlerin Lilja Brik, die "Muse der russischen Avantgarde", den zeitgenössischen Komponisten Werner Henze, den Dichter Günter Kunert, Komponisten Paul Dessau oder Maler Otto Dix. Berühmt ist auch ihre Serie von Besuchern in Ausstellungen. Mehr als 730 Fotografien zählen zu ihrem Werk, die meisten davon sind Schwarz-weiß-Aufnahmen.

Sie hat diesen perfekten Blick gehabt.

Jeannette Stoschek, Leiterin des Evelyn Richter-Archivs in Leipzig

So arbeitete die Fotografin

Versammelt ist ihr Hauptwerk im Evelyn Richter-Archiv im Museum der bildenden Künste in Leipzig, das von Jeannette Stoschek geleitet wird. Sie erlebte selbst mit, wie Richter arbeitete, als sie die Fotografin nach Moskau begleitete: Die beiden Frauen saßen sich in der Metro gegenüber, als Richter angefangen habe, mit ihrer Leica herumzuspielen. "Ich dachte: Nein, bitte nicht, weil das Fotografieren in der Metro überall verboten war." Aber Richter habe so schnell und leise fotografiert, dass es niemand mitbekommen habe. "Sie drückt nur ein, zweimal auf den Auslöser. Es ist faszinierend – und die Bilder sind ästhetisch-formal immer gut."

Mehrfach ausgezeichnet

Richter hatte in den 1950er-Jahren Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) bei Johannes Widmann studiert, wo sie später auch selbst lehrte. Für ihre Arbeiten wurde sie u.a. mit dem Kunstpreis der Landeshauptstadt Dresden und mit dem Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie geehrt. Nach einem Schlaganfall lebte sie bis zu ihrem Tod in einem Pflegeheim in Dresden.
Das Hauptwerk der Fotografin ist im Museum der bildenden Künste in Leipzig zu sehen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Oktober 2021 | 10:30 Uhr

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