Ausstellung "Gerhard Richter. Bücher" Dresdner Albertinum zeigt Gerhard Richters Buchkunst

Der 1932 in Dresden geborene Künstler Gerhard Richter hat neben seiner Malerei ein umfangreiches grafisches Werk mit Fotoeditionen, Büchern und Druckgrafiken geschaffen. Ab 3. Juli im Dresdner Albertinum zu sehen, wird die neue Ausstellung des Gerhard Richter Archivs mit dem Titel "Gerhard Richter. Bücher" ein Jahr vor dem 90. Geburtstag des Künstlers sogar manch ausgewiesenen Richter-Kenner überraschen.

Ausstellungsansicht 'Gerhard Richter.Bücher' 4 min
Bildrechte: Gerhard Richter 2021 (25052021), Foto: David Pinzer
Kerstin Küster
Kuratorin Kerstin Küster Bildrechte: Gerhard Richter Archiv, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Gerhard Richter und Bücher: das sind weit mehr als nur die Kataloge seiner großen Ausstellungen, weit mehr auch als die gestalteten Künstlerbücher. Seit Jahrzehnten sind Bücher eine feste Beschäftigung des Malers, bestätigt Kerstin Küster vom Gerhard Richter Archiv in Dresden: "Bücher gehören von Anfang an in das Werk von Gerhard Richter. Das erste Künstlerbuch ist von 1962, in dem Richter Illustrationen schafft und das eigentlich auch das Hauptziel des Buches ist."

Das Comicstrip: Ein frühes Unikat von 1962

Der deutsche Maler Gerhard Richter in seinem Kölner Atelier.
Der Stil von Richters Frühwerk mag manch Besuchenden überraschen. Bildrechte: imago images/Becker&Bredel

Ein frühes Unikat, über das sich Kerstin Küster ganz besonders freut: "Das Comicstrip entsteht 1962. Gerhard Richter befindet sich erst seit anderthalb Jahren in Düsseldorf, ist selber noch Student und versucht auf verschiedenen Wegen Geld zu verdienen: Er verkauft Farbe, gestaltet Karnevalswagen und macht Illustrationen. Dafür fertigt er einen kleinen Stempel von einem schwarzen Mann an, mit Hut und ohne Arme."

Eine Figur, die an den jungen Lyonel Feiniger erinnert: "Dieses Buch beginnt mit der Entstehung des schwarzen Mannes. Dann kommt eine Abfolge von Todesarten des schwarzen Mannes. Es gibt dort eine Schrift, die man auf den ersten Blick denkt, lesen zu können, bekommt dann aber erst nach mindestens zwei Zeilen mit, dass man nicht mehr weiter lesen kann: Es ist eine Pseudoschrift, die Gerhard Richter dafür extra entwickelt hat. Richter hat das Buch den Verlagen eingereicht, aber immer wieder zurückbekommen, mit dem Vermerk, dass Märchenbücher für Erwachsene im Moment nicht so gut laufen. Wir konnten das Buch in einer Auktion erwerben und sind sehr stolz, es so präsentieren zu können."

Zumal sich Gerhard Richter später nie wieder in dieser comicartigen Form betätigt hat, weiß Kerstin Küster: "Später dann nimmt das Buch eine zentrale Rolle ein, die er aktiv gestaltet: Er sagt von sich aus, wo Bilder und Text gesetzt werden, welcher Text gesetzt wird und wer diese Texte schreibt. Das heißt, er greift maßgeblich in Ausstellungskataloge ein, macht sie aber meist besser.

Ausstellungsansicht 'Gerhard Richter.Bücher'
Ein Blick in die Ausstellung "Gerhard Richter. Bücher". Bildrechte: Gerhard Richter 2021 (25052021), Foto: David Pinzer

Zusammenarbeit mit Maler und Fotograf Sigmar Polke

Die Kuratorin verweist auf ein weiteres sehr frühes Werk, das dieser Ausstellung zur Verfügung gestellt worden ist: "Der erste Katalog ist aus dem Jahr 1966, den gestaltet er noch mit Polke zusammen. Eine großartige Zusammenarbeit der beiden Künstler, weil sie eine Text-Bild-Collage schaffen, die sozusagen gar nichts über die Künstler und die Werke sagen, sondern über die Stellung der Künstler in dieser Zeit, eine Eigenwarnehmung. Polke sagt, dass das der beste Katalog sein wird, der bis dahin gedruckt worden ist. Das heißt, sie erzählen darüber mit sehr viel Stolz."

Ausstellungsansicht 'Gerhard Richter.Bücher'
Eine der Fotografien zeigt Richter und Polke in der Badewanne. Bildrechte: Gerhard Richter 2021 (25052021), Foto: David Pinzer

Stolz und Selbstbewusstsein – und beides natürlich zu Recht. In den 70er Jahren widmet sich Gerhard Richter neben der Malerei mehr und mehr den Künstlerbüchern als festes Genre, indem er Bild und Buch zusammenführt: "Gerhard Richter beginnt zum ersten Mal, eigene Bilder in ein Buch zu überführen. Fotos werden in den Katalog eingeklebt und können von Vorne und Hinten angeschaut werden, auch kopfstehend. Es gibt kein Oben und Unten, kein Durchblättern von links nach rechts, sondern ein Hin- und Herblättern, so dass es auch oftmals zwei Cover gibt. Die Bücher können beliebig in die Hand genommen werden. Das ist etwas ganz besonderes bei Gerhard Richter und zieht sich bis in die 2000er Jahre hinein."

Zusammenspiel aus Zufall und Ordnung

Ausstellungsansicht 'Gerhard Richter.Bücher'
Die Ausstellung zeigt Druckgrafiken, Fotoeditionen und Bücher Gerhard Richters. Bildrechte: Gerhard Richter 2021 (25052021), Foto: David Pinzer

Kerstin Küster steht absolut in der Materie und schwärmt mit leuchtenden Augen von Richters Büchern, die auch viel über seine Arbeitsweise verraten: "Alle Bücher bei Gerhard Richter haben eine grundlegende Struktur. Der Zufall spielt dann aber trotzdem eine Rolle, wenn er Bilder einsortiert und auf den Kopf dreht und diese sich dann auf einmal verändern. Das heißt, Zufall und Ordnung ist in abstrakten Bildern und in den Künstlerbüchern von zentraler Bedeutung."

Doch bringt Richter nicht nur Bild und Buch zusammen, sondern auch noch eine weitere Sphäre: "Sehr schön ist, dass er diese Arbeiten auch oft mit Musik vergleicht. Viele dieser Bücher haben etwas von Sinfonien oder haben Leerstellen, die das Auge durchatmen lassen wie bei einem Konzert. Das sieht man in den Büchern, die wirklich minutiös durchgedacht sind."

Ebenso wie die Ausstellung selbst, die schlüssig konzipiert ist und wohl auch Richter-Kenner hier und da ins Staunen bringen dürfte. Für Kerstin Küster und das Gerhard-Richter-Archiv gibt es nun aber keine Atempause. Denn zum 90. Geburtstag des Künstlers wird es Anfang nächsten Jahres eine große Ausstellung geben mit vielen Arbeiten, die noch nie in Dresden zu sehen gewesen sind.

Albertinum Dresden
"Gerhard RIchter. Bücher" – zu sehen im Albertinum Dresden. Bildrechte: IMAGO

Informationen zur Ausstellung "Gerhard Richter. Bücher"
Eine Ausstellung des Gerhard Richter Archiv im Albertinum
3. Juli bis 19. September 2021

Tzschirnerplatz 2 I 01067 Dresden

Öffnungszeiten Albertinum:
Freitag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Ausblick:
Im kommenden Jahr feiert Gerhard Richter seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass wird das Gerhard Richter Archiv vom 5. Februar bis 1. Mai 2022 im Albertinum eine umfangreiche Sonderausstellung zeigen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. Juli 2021 | 08:45 Uhr

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