Forum Gestaltung Magdeburg Magdeburg zeigt vergessenes Werk des Keramikers Hans Wewerka

Das Forum Gestaltung Magdeburg zeigt bis zum 11. Dezember 2022 die Ausstellung "Straßenszenen in Steinzeug" zu dem Keramiker Hans Wewerka. Er war ein Onkel des bekannteren Bildhauers Stefan Wewerka. Hans Wewerka starb mit 27 Jahren im Ersten Weltkrieg, sein Werk ist heute weitgehend unbekannt. Dabei zählte er seinerzeit zu den wichtigen Künstlern. In Magdeburg arbeitete er ab 1911 an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule, in der sich heute das Forum Gestaltung befindet.

Skulpturen in einem Ausstellungsraum
Blick in die Ausstellung im Forum Gestaltung Magdeburg: "Hans Wewerka – Straßenszenen in Steinzeug" Bildrechte: Forum Gestaltung Magdeburg

Ein bisschen wirken sie wie aus der Zeit gefallen, die kleinen, knapp 30 Zentimeter hohen Keramikfiguren von Hans Wewerka: Frauen mit Kopftuch und weiten Röcken, Körbe tragend oder ein Kind im Arm, alle haben eine ähnliche Anmutung. Norbert Eisold, Kurator der Ausstellung "Hans Wewerka – Straßenszenen in Steinzeug", erklärt: "Eine zentrale Inspiration für Hans Wewerka war das Alltagsleben in Höhr-Grenzhausen. Insbesondere das Marktleben hat ihn offenbar sehr angezogen und ist immer wieder Gegenstand seiner Darstellungen, also Frauen, aber auch Wahlrechts-Demonstranten. Später kam eine exotische Note dazu, dass er Japaner dargestellt hat oder eine Siamesin."

Serien für Steinzeug-Fabriken im Westerwald

Impressionen einer Ausstellung mit Skulpturen
Es ist die erste Personalausstellung für den Keramiker Hans Wewerka in Magdeburg. 1915 starb er mit nur 27 Jahren im Ersten Weltkrieg. Bildrechte: Forum Gestaltung Magdeburg

Nach Höhr im Westerwald war der 1888 im heutigen Tschechien geborene Hans Wewerka noch als Kind gezogen. Ab 1902 studierte er dort an der Keramischen Fachschule und arbeitete schließlich für die dort ansässige Steinzeug-Industrie. So erklärt sich das Serielle in seinem Werk, sagt Eisold, denn man sieht in der Ausstellung auch Vasen und andere Gefäße:

"Die Gefäße waren ohnehin für Großserien gedacht. Westerwald war ein Zentrum für die Steinzeug-Industrie, und dafür gab es halt Künstler, die für diese Fabriken entworfen haben. Und gerade um 1910 herum gab es eine Initiative, um wirklich namhafte Gestalter wie zum Beispiel Henry van de Velde, Peter Behrens oder Harald Olbrich zu gewinnen, damit diese für die Westerwälder Steinzeug-Fabriken Entwürfe schaffen."

Ernst Barlach beeinflusste Wewerkas Formensprache

In diesem Zusammenhang lernte Wewerka auch Ernst Barlach kennen, der ihn in seiner Formensprache beeinflussen sollte. Auch davon zeugen einige Exponate in der Schau. Wobei sich Wewerka auch von ihm absetzte, meint Eisold, denn: "Er gehört sozusagen zu den Wichtigen vor dem Ersten Weltkrieg. Er galt als großes Talent damals, zu den wichtigsten Künstlern der Reformjahre, die versuchten, das soziale Moment in die Kunst reinzuholen. Diese kleinen Figuren waren dafür gedacht, dass mehr oder weniger normale Leute sich diese zu Hause in den Wohnzimmerschrank oder irgendwo hinstellen. Und da ist es schon fast eine Ausnahme."

Impressionen einer Ausstellung mit Skulpturen 4 min
Bildrechte: Forum Gestaltung Magdeburg

Nach Magdeburg an die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule

Deswegen wurde er wohl auch 1911 nach Magdeburg geholt. Dort war der Bildhauer Rudolf Bosselt, bei dem er zwischenzeitlich noch mal studiert hatte, zum Direktor der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule ernannt worden. Letztlich aber blieb das Werk von Hans Wewerka eher unbekannt, denn er starb mit nur 27 Jahren im Ersten Weltkrieg.

"Es ist die erste Personalausstellung, die Hans Wewerka überhaupt hat", betont Norbert Eisold: "Er hat vor dem Ersten Weltkrieg in einigen nationalen und internationalen Ausstellungen ausgestellt. Aber natürlich ist das Werk dadurch, dass er so früh verstorben ist, relativ unbelichtet geblieben. Zumal es ein sehr kleines Werk ist, es handelt sich vielleicht insgesamt um circa 60 plastische Arbeiten, die er geschaffen hat."

Figuren mit fein ausgearbeiteten Gesichtern

In Magdeburg sind nun gut 50 Arbeiten zu sehen, die verteilt auf Podesten dem Besucher quasi auf Augenhöhe gegenüberstehen. Das macht sie außergewöhnlich nahbar und stärkt den Ausdruck ihrer Bewegung, findet Eisold: "Das Spannende ist die Bewegung der Figuren im Raum, also wie sie stehen und gehen. Und natürlich geht das sehr nahe, was uns noch als Erinnerungshintergrund, vielleicht von unseren Großeltern überliefert worden ist. Das geht bis in die Gesichter, die sehr differenziert ausgearbeitet sind, trotz ihrer, muss man ja sagen, Winzigkeit."

So blickt die Schau auf eine fast vergessene Künstlerpersönlichkeit und weitet den Blick einmal mehr auf die damals so fortschrittliche Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg.

Impressionen einer Ausstellung mit Skulpturen
Die Figuren von Hans Wewerka haben fein gearbeitete Gesichter. Bildrechte: Forum Gestaltung Magdeburg

Informationen zur Ausstellung Ausstellung "Hans Wewerka – Straßenszenen in Steinzeug"

Vom 15. September bis 11. Dezember 2022 im Forum Gestaltung Magdeburg

Adresse:
Brandenburger Str. 10
39104 Magdeburg

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag, 14:00 bis 18:00 Uhr

Gemeinschaftsausstellung des Forum Gestaltung/Wewerka Archiv und des Keramikmuseums Westerwald, in Kooperation mit der Ernst Barlach Stiftung Güstrow

Redaktionelle Bearbeitung: JB, Hendrik Kirchhof

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. September 2022 | 08:10 Uhr

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