Ausstellungseröffnung Künstlerin aus Halle zeigt bewegende Frauenportraits im ehemaligen KZ Lichtenburg

Die Lichtenburg in Prettin war erst Schloss, dann Frauen-Konzentrationslager. Die Ausstellung "Starke Frauen in der Lichtenburg" beleuchtet zehn Einzelschicksale von Frauen aus der Zeit der Renaissance und des Nationalsozialismus. Die Künstlerin Petra Reichenbach hat die Kunstinstallation im Rahmen des Heimatstipendiums der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt gestaltet. Hilfe bekam sie von Schülerinnen aus Jessen: von ihnen stammen die eingesprochenen Kurzbiografien der zehn Frauen.

Zeichnungen 5 min
Bildrechte: Matthias Ritzmann

Die Künstlerin Petra Reichenbach ist Teil des sachsen-anhaltischen Heimatstipendiums-Programms. Mit einer Ausstellung widmet sie sich zehn Frauen, die im Schloss Prettin und dem ehemaligen KZ Lichtenburg gelebt haben.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 11.09.2021 06:00Uhr 05:15 min

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Porträts von zehn Frauen auf transparenten Stoffbahnen hängen in einem der Frauengemächer der Lichtenburg in Prettin. Licht scheint durch die Bahnen auf die hallesche Künstlerin Petra Reichenbach, die Zitate der fünf Fürstinnen und fünf Strafgefangenen hat drucken lassen.

altes Gebäude, Außenansicht
Das Schloss Lichtenburg in Prettin, rechts der Gefängnisbau. Bildrechte: Matthias Ritzmann

Die der Frauen aus der Renaissance sind mit Feder geschrieben, die der Frauen aus dem Frauengefängnis des 20. Jahrhunderts mit Bleistift. Mit einem QR-Code können Besucherinnen und Besucher mit ihrem Smartphone die von Schülerinnen aus Jessen eingesprochenen Kurzbiografien der Frauen anhören, die hier zu unterschiedlichen Zeiten lebten.

Audioinstallation gibt Frauen ihre Stimme zurück

Durch Petra Reichenbach bekommen die Frauen ein Gesicht und ihre Geschichte zurück. Im Stadtarchiv von Prettin hat die Künstlerin viel Material zu Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg und Kurfürstin Hedwig von Sachsen erhalten, die zur Renaissancezeit im Schloss lebten. Zu Kurfürstin Anna von Sachsen habe sie eine sehr anschauliche Biografie gelesen. Reichenbach ist von den Einzelschicksalen der Frauen bewegt, die sich zum Teil in den Mauern der Lichtenburg abgespielt haben und wünscht sich, dass vor allem ein junges Publikum in ihre Ausstellung findet.

Eine Frau
Künstlerin und Stipendiatin Petra Reichenbach. Bildrechte: Matthias Ritzmann

"Ich habe auch die Biografie der Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Lotti Huber gelesen und auch den Erfahrungsbericht der Widerstandskämpferin Lina Haag. Dieser ist gleichzeitig ein langer Liebesbrief an ihren Mann. Es sind persönliche Erzählungen, bei denen der Alltag im Konzentrationslager Lichtenburg lebendig wird", erklärt Reichenbach.

Von der Kurfürstin im Schloss zur Gefangenen im KZ

Besonders berührend ist das Schicksal der jüdischen Kommunistin Olga Benario. Sie berichtet von den quälenden Appellen im Hof, vom ständigen Frieren im Winter, der körperlich anstrengenden Arbeit in der Sommerhitze ohne Trinken. Die Lichtenburg ist ein Ort, wie die Leiterin der Gedenkstätte KZ Lichtenburg Melanie Engler erklärt, an dem sich über Jahrhunderte entstandene Zeitschichten "wie in einem Brennglas" wiederfinden.

Petra Reichenbach, Schloss Lichtenburg, Prettin,Museum
Die Lichtenburg entwickelte sich im Nationalsozialismus vom ehemaligen Witwensitz der Kurfürstinnen zu einem Konzentrationslager. Bildrechte: Matthias Ritzmann

Es handelt sich um eine riesige Schlossanlage, die als Witwensitz der Kurfürstinnen von Sachsen an der Stelle des ehemaligen Klosters errichtet wurde. Ab 1812 wurde die Lichtenburg als Gefängnis später als Zuchthaus genutzt. In der Zeit des Nationalsozialismus war die Lichtenburg zunächst Konzentrationslager für Männer, später für Frauen.

Gedenkstätte soll sich noch weiter entwickeln

Sich dieser wechselvollen Geschichte künstlerisch zu nähern, das hat Petra Reichenbach im Rahmen des Heimatstipendiums der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt versucht. Dass hier in Prettin neben der neuen Gedenkstätte noch viel mehr entstehen kann und sollte, das weiß auch die Gedenkstättenleiterin Melanie Engler: "Es muss noch viel restauriert und aufgearbeitet werden, um der um der Nachwelt von der Einmaligkeit dieses Ortes und der Menschen, die hier gelebt haben, gerecht zu werden." Mit den zehn Frauenporträts ist ein Anfang gemacht.   

Petra Reichenbach, Schloss Lichtenburg, Prettin,Museum
Blick in die Dauerausstellung der KZ Gedenkstätte Lichtenburg. Bildrechte: Matthias Ritzmann

Die Ausstellung "Starke Frauen in der Lichtenburg"
Kunstinstallation von Petra Reichenbach

Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin
Prettiner Landstraße 4, 06925 Annaburg / OT Prettin

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Donnerstag 9:00 bis 15:30 Uhr
Freitag 9:00 bis 13:00 Uhr
Jeden letzten Sonntag im Monat 13:00 bis 17:00 Uhr
September und Oktober 2021 zusätzlich jeden zweiten Sonntag im Monat 13:00 bis 17:00 Uhr

Der Eintritt ist frei.

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals 2021 stellt die Grafikerin und Buchkünstlerin Petra Reichenbach am 12. September ihre Kunstinstallation "Starke Frauen in der Lichtenburg" in den ehemaligen Frauengemächern vor.

Heimatstipendium Sachsen-Anhalt

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. September 2021 | 07:45 Uhr

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