"Vom Verschwinden" Wie der Fotograf Sven Johne die Schönheit des Vergänglichen zeigt

Die Fotos von Sven Johne zeigen das Unscheinbare, Vergängliche, vermeintlich Öde. Doch vermag es der Künstler, gerade in dieser Fragilität die Schönheit aufzuzeigen. Eine Ausstellung in Jena lädt dazu ein, die Welt mit seinen Augen zu sehen, seien es die Kreidefelsen seines Kindheitsortes Rügen oder verlassene Brachflächen.

Ein Mann im T-Shirt schaut in die Kamera
Sven Johne ist auf Rügen geboren und aufgewachsen und hat später Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studiert, mittlerweile lebt er in Berlin. Bildrechte: Sven Johne, Galerie KLEMM´S, Berlin

Im Stadtmuseum Jena sind derzeit Filme und Fotografien von Sven Johne zu sehen. Die Ausstellung tägt den Titel "Vom Verschwinden". Als Fotograf und Videokünstler bildet er die Welt und ihre (Um)Brüche ab. Seine Kunst nutzt er, um auf das Fragile, Zerbrechliche und "Verschwindende" aufmerksam zu machen. Mit Kunst die Welt zu retten, meint Johne jedoch, das schaffe man eher nicht, dafür müsse man vielleicht eher Politiker sein oder in einer NGO.

Vom Nachklingen und Verschwinden

Der renommierte Künstler gehört zu denen, die weniger Wert auf glatte Schönheit, das Makellose und Vordergründige legen. Ihn interessieren die Verwerfungen und das, was zum Beispiel auch  gerade vor unseren Augen "verschwindet" oder das, was zurückbleibt. Eine sensible Natur. So widmet er sich den Kreidefelsen von Rügen und zeigt, wie der Küstenstreifen immer schmaler wird.

Küste mit Kreidefelsen.
Seit seiner Kindheit kennt Johne die Kreidefelsen auf Rügen, ihr Verschwinden dokumentiert er in seinen Fotos Bildrechte: Sven Johne, Galerie KLEMM´S, Berlin

Und er nimmt seine Betrachter mit an jene Orte, an denen zuvor ein Happening stattgefunden hat, beispielsweise ein Zirkus. Jahrelang hat sich Johne dafür auf Spurensuche begeben, hat Plätze, Dörfer, Stadtränder aufgesucht, wo noch Tage zuvor große bunte Zirkuszelte standen, Menschen lachten und Jongleure, Domteure und Clowns gastierten.

Der Charme der öden, verlassenen Orte

Johnes Bilder zeigen die verlassenen Orte "danach". Orte, an denen wir normalerweise vorbeilaufen, ohne auch nur die geringste Notiz zu nehmen. Erik Stephan, der Kurator der Ausstellung im Stadtmuseum von Jena beschreibt sie als "Orte, die normalerweise nicht auf eine Postkarte gedruckt werden."

Es geht um das Nachdenken. Das Aufnehmen und dahinter schauen. Erst dann können diese Bilder von Sven Johne wirklich wirken.

Erik Stephan, Kurator der Ausstellung

Ein Vogel in der Hand eines Menschen
Die Fotos von Sven Johne regen zum Nachdenken an. Bildrechte: Sven Johne, Galerie KLEMM´S, Berlin

Was vom Zirkus übrig bleibt

Sven Johne schaut zur Kamera und spricht während eines Interviews.
Sven Johne Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es sind Brachlandschaften aus Froschperspektive, verödete Wiesen, dahinter trister Beton. Nichts, was auf den ersten Moment das Herz erfreut, was schön sein will und einen festlichen Augenblick eingefangen hat. Die 59 von Johne fotografierten, großflächigen Ex-Zirkus-Wiesen sind verwaiste Welten, Landschaften mit Grasnarben und Spuren der Trucks, die die schweren Zirkuswagen Tage oder Stunden zuvor zum nächsten Ziel bewegthaben.

Es ist eine Geschichte der Landschaft meiner Kindheit, zu der ich jedes Jahr zurückkehre. Ich komme davon nicht los.

Der Künstler Sven Johne

Neben Fotografie auch Video-Kunst

Johnes Videoarbeiten erzählen von Menschen, Politik, Gesellschaft – und von der Natur. Eine Natur, die im Kopf Johnes vor allem durch die Schönheit der Insel Rügen geprägt ist. Aber auch von Bedrohung, Verfall, vom Verschwinden einer Küstenlinie an den Kreidefelsen. Das bedrücke ihn, erzählt Johne. Dies - und seine Kinder - seien der Grund gewesen, dass er irgendwann gesagt habe: "Dazu möchte ich etwas machen."

Die Ausstellung Sven Johne. Vom Verschwinden

26. November 2022 bis 5. März 2023

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr
Montag geschlossen

Kunstsammlung Jena
Städtische Museen Jena
Markt 7
07743 Jena

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. November 2022 | 07:10 Uhr

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