"Kunst in der Altmark. Anders Sehen" Ausstellung "Kunst in der Altmark" beleuchtet, was Kunstschaffende in die Region zieht

Sattgrüne Weiden bis zum Horizont, darüber ein weiter Himmel – das ist die Altmark, eine Region im Norden Sachsen-Anhalts, die scheinbar in der Peripherie liegt. Aber seit Jahren siedeln sich hier bildende Künstlerinnen und Künstler an. Eine Ausstellung im Kunsthaus Salzwedel präsentiert nun erstmals 17 der altmärkischen Kunstschaffenden. Dazu kam es durch ein Forschungsprojekt der Hochschule Magdeburg-Stendal und den Professor für Entwicklungspsychologie Günter Mey.

Günter Mey ist Professor für Entwicklungspsychologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal.
Günter Mey ist Professor für Entwicklungspsychologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Bildrechte: Kunsthaus Salzwedel

"Kunst in der Altmark. Anders Sehen", heißt die Ausstellung im Kunsthaus Salzwedel. Ob das "anders" sich auf die Kunst oder die Altmark bezieht, lässt der Titel offen. Kurator Günter Mey erklärt: "Es mag von außen überraschend sein, dass es dort Künstler gibt, die dort leben und arbeiten."

Ja, es gibt künstlerisches Leben in der Altmark!

Günter Mey, Kurator und Hochschulprofessor
Besucherinnen und Besucher sind auf der Ausstellungseröffnung von "Kunst in der Altmark. Anders sehen".
In der Ausstellug geht es um Kunst aus der Region – und die Menschen, die sie geschaffen haben. Bildrechte: Kunsthaus Salzwedel

Er führt weiter aus: "Vor dem Hintergrund, dass die Altmark auch mit dem Titel 'strukturschwache Region' verbunden wird, ist es gar nicht so überraschend, dass Kunst und Künstler dort vorfindbar sind. Einfach wegen der Besonderheiten einer Naturregion, vor dem Hintergrund von viel Leerstand. Das ist für Künstler:innen ganz interessant, dass sie dort vergleichsweise viel Raum für Ateliers und Werkstätten haben können."

Erkundung der Kunst- und Kulturlandschaft

In einer Kunstausstellung probieren sich zwei Besucherinnen an einem Digitalbildschirm
Atelierbesuch per Tablet. Bildrechte: Kunsthaus Salzwedel

Günter Mey ist seines Zeichens nicht Ausstellungskurator, sondern Professor für Entwicklungspsychologie an der Hochschule Magdeburg-Stendal. 2018 hat er mit seinem Projekt begonnen, das 17 Künstler und Künstlerinnen sowie die Altmark in den Fokus rückt. Mey und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geht es um die künstlerischen Positionen, aber vor allem um Erkundungen einer Kunst- und Kulturlandschaft, die wenige auf dem Schirm haben.

Günter Mey über weitere Forschungsarbeiten

Vor der Kunst hat Mey die Altmark auch schon auf anderen Gebieten erforscht: "Ich bin seit 2009 an der Hochschule Magdeburg-Stendal und habe dort 2011 mit dem Theater der Altmark gemeinsam das ‘Angstfrei-Festival‘ konzipiert. Der Hintergrund war damals, dass eine Studie herausgefunden hatte, dass in Sachsen-Anhalt die ängstlichsten Menschen leben. Die nachfolgende Ausstellung hat sich dem Thema ‘Heimat‘ gewidmet und die dritte Ausstellung war zum Thema ‘Jugendkultur in Stendal von 1950 bis 1990‘ und da gab es Interviews mit 80-Jährigen, 70-Jährigen, 60-Jährigen. Um genauer zu schauen, wie hier Jugendkultur praktiziert wurde"

17 Interviews mit Kunstschaffenden

In verschiedenen Netzwerken agieren Kunstvereine, Künstlerinnen, Künstler und Kunstgruppen. Der Entwicklungspsychologe und sein Team haben sie zu ihren Lebensläufen, ihrem Verständnis von Kunst oder auch ihrem Arbeitsstil befragt. Die 17 entstandenen Interviews kann man nun in einem Katalog nachlesen. Neben den Interviews und Künstlerarbeiten sind stimmige Atelier-, Kunst- und Porträtaufnahmen entstanden, fotografiert von Jasmin Schubert aus Stendal.

Von links nach rechts: Angelika Flaig, Paul Hoffmann, Hans Molzberger, Peter Adler, Michael Braune, Anne Buch, Helga Geissler, Heinrich Herbrügger, Dr. Hejo Heussen, Corinna Köbele, Rüdiger Laleike, Marlen Liebau, Bettina Müller, Rieke Schmieder, Monika Thoms, Carl Vetter, Benno Zöllner.
Die 17 Kunstschaffenden von links nach rechts: Angelika Flaig, Paul Hoffmann, Hans Molzberger, Peter Adler, Michael Braune, Anne Buch, Helga Geissler, Heinrich Herbrügger, Dr. Hejo Heussen, Corinna Köbele, Rüdiger Laleike, Marlen Liebau, Bettina Müller, Rieke Schmieder, Monika Thoms, Carl Vetter, Benno Zöllner. Bildrechte: Jasmin Schubert

Worum geht es der Hochschule?

In einer Kunstausstellung probieren sich eine Besucherin und ein Besucher an einem Digitalbildschirm.
Die Ausstellung findet klassisch-museal in einem Kunsthaus statt. Bildrechte: Kunsthaus Salzwedel

Was ist an einer Kunstausstellung nun anders, wenn sie von Wissenschaftlern, gar Entwicklungspsychologen konzipiert wird? Sie findet durchaus auch museal in einem Kunsthaus statt. Ganz sicher aber geht es nicht darum, Kunststars zu entdecken, die neuesten Trends aufzuspüren oder gar ein Label "Kunst in der Altmark" zu formen.

Aus Berlin in die Atmark?

Vielmehr soll der soziale Kunstkosmos der Altmark vor dem Hintergrund der Landschaft präsentiert werden, der vor allem durch die Vielfalt der künstlerischen Genres auffällt. Und so sind die Arbeiten der 17 Künstler und Künstlerinnen in den drei Ausstellungsräumen so arrangiert, dass man sie als Teil eines Ganzen begreift, der oft als tiefe Provinz oder Prärie wahrgenommen Altmark. In die es aber durch die Verwerfungen in den Städten immer mehr Kunstschaffende zieht. Vor allem aus dem nahen Berlin.

Mittels VR-Brille ein Atelier besuchen

In einer Kunstausstellung wird eine VR-Brille ausprobiert
Via VR-Brille kann ein Atelier erkundet werden. Bildrechte: Kunsthaus Salzwedel

Günter Mey: "Ausstellungsbesuchende können durch die Räume des Kunsthauses Salzwedel flanieren und über eine Videoinstallation Auszüge aus den Interviews lesen, die in einer Art 'poetic transcription' angeboten werden. In einem anderen Raum haben wir eine Audioinstallation eingezogen, in der aus diesen Interviews collagenartig teilweise in Dialog getreten wird und im dritten Raum haben wir mit virtueller Realität gearbeitet. Das heißt, es ist über eine VR-Brille möglich, ein Atelier zu besuchen, über Tablets lassen sich vier weitere Ateliers besuchen."

Keine Großstadtbilder

Günter Mey möchte keine Künstler und Künstlerinnen besonders hervorheben, das widerspräche der Intention der Schau. Aber es ist so, dass ein Raum abstrahierende Kunst, ein anderer gegenständliche und figürliche präsentiert. Und natürlich tauchen im dritten besonders viele Naturdarstellungen auf. Es sind keine Großstadtbilder, die in der Altmark gemalt werden.

Mehr Informationen "Kunst in der Altmark. Anders sehen"
Ein Aussstellungsprojekt der Hochschule Magdeburg-Stendal im Kunsthaus Salzwedel

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 14 bis 17 Uhr
noch bis zum 9. Januaer 2022

Kunsthaus Salzwedel
Neuperverstraße 18
29410 Salzwedel

Kunstkatalog "Kunst in der Altmark. Anders sehen"
mit über 100 Abbildungen und 17 Gesprächen
Mitteldeutscher Verlag
Preis: 20 Euro

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Oktober 2021 | 08:10 Uhr