Moderne trifft auf Mittelalter Kunstmuseum Magdeburg erstrahlt nach Sanierung in neuem Glanz

20 Jahre lang wurde das Magdeburger Kunstmuseum Unser Lieben Frauen saniert. Das Gebäude verbindet nun mittelalterlichen und modernen Glanz: Im Nordflügel gibt es neue Ausstellungsräume und die Klosterkirche wird zu einem regelrechten Gesamtkunstwerk mit mittelalterlicher Architektur. Am 16. September wird die Kulturinstitution mit Theater, Musik und Kunstführungen eröffnet.

Blick in die sanierte Klosterkirche in Magdeburg: Das Mittelschiff ist von mehreren Rundbögen begrenzt.
Auch die Klosterkirche in Magdeburg wurde umfassend saniert. Bildrechte: Hans-Wulf Kunze

Golden glitzert ein gefaltetes Mansardendach aus Messing über dem Nordflügel des Kunstmuseums. Wie die unterschiedlich angewinkelten verspiegelten Fenster gleich daneben, wirkt das ehemalige Kloster damit von einer Seite ganz modern, von der anderen Seite aber blickt man auf die restaurierte romanische Klosterkirche.

So wird schon von außen deutlich: Hier trifft Vergangenheit auf Gegenwart, und das ist auch das Besondere des Magdeburger Museums, sagt Direktorin Annegret Laabs: "Wir haben die letzten 20 Jahre saniert im Gebäude, außen und innen. Es sind circa 16 Millionen Euro in diese Sanierung geflossen. Mit diesen beiden letzten großen Projekten, dem Nordflügel und der Klosterkirche, ist dieser Ausbau abgeschlossen. Wir haben nach 20 Jahren ein Museum geschaffen, das als Kunstmuseum im Prinzip so ist, wie es sich für eine Landeshauptstadt auch gehört."

Kunst bekommt ihren Auftritt mit unsichtbarer Technik

Im Nordflügel ist nun ein neues Ausstellungsgeschoss für die Sammlung entstanden. Weiß und lichtdurchflutet, durch große Fensterbänder in der Dachkonstruktion wurden hier Museumsräume mit modernem Standard geschaffen.

Alles Ideen der Architektin Regine Hartkopf, die die Sanierung des Klosters seit zwei Jahrzehnten begleitet hat und auch weiß, dass man im Museum die erforderliche Technik verschwinden lassen muss: "Wenn man sich den Raum anschaut, dann sehen wir, dass er einfach ein Raum ist, der da ist, um Kunst zu zeigen. Wir sehen nicht die Lüftung, die Schalter, die Technik, die Heizung, weil das nicht wichtig ist."

Blick in einen Ausstellungsraum mit einer schrägen Wand und mehreren Bildern an den Wänden.
Die neuen Ausstellungsräume im Nordflügel des Kunstmuseum Magdeburg Bildrechte: Kunstmuseum Magdeburg

Prunkstücke im natürlichen Licht

Blick in einen langen Gang mit einer hohen, mittelalterlichen Decke.
Die Magdeburger Klosterkirche ist selbst ein Highlight des Museums. Bildrechte: Hans-Wulf Kunze

Besonders ist auch, dass die Räume kaum künstliches Licht benötigen, denn die Fenster sind nach Norden ausgerichtet – geradezu genial für ein Museum. So ist auch Sammlungsleiter Uwe Gellner höchst begeistert. Endlich könne man die in den vergangenen 20 Jahren gesammelten Werke auf adäquate Weise zeigen: "Wir machen deutlich, wo unser Schwerpunkt liegt. Und der unterscheidet sich von allen Museen ähnlicher Größenordnung zumindest in Sachsen-Anhalt, auch darüber hinaus kann man sagen: Wir setzen auf die Gegenwartskunst seit 1945 im Wesentlichen. Und die Sammlung, die jetzt erweitert sichtbar ist, zeigt Prunkstücke, die wesentlichen ikonischen Werke aus unserer Sammlung."

Dazu gehört die Mexikanische Künstlerin Alicia Paz oder der amerikanische Maler Lawrence Carroll wie auch der Leipziger Hartwig Ebersbach. Uwe Gellner führt aus: "Wir haben einige neue Stücke, die nun dauerhaft sichtbar sind, zum Beispiel das fantastische Bild des aus Dresden stammenden Peter Herrmann, eine Referenz an seinen Vater, der traumatisiert aus dem Zweiten Weltkrieg nach Hause kam. Oder das wunderbare Lichtbox-Klangobjekt von Brian Eno, einem Wegbereiter der synthetischen Musik und Gestaltung."

Kleine Skulturen stehen auf einem Tisch in einer Ausstellung.
Im Oberen Tonnengewölbe sind mehrere Highlights der Magdeburger Sammlung ausgestellt. Bildrechte: Hans-Wulf Kunze

Das größte Kunstwerk ist die Klosterkirche

Neben diesem umfangreichen Blick in die zeitgenössische Kunst, kann der Besucher aber auch einfach die Aussicht auf Stadt und Elbe genießen, denn mit den großen Fensterbändern schafft man es einmal mehr, das als Kloster eher hermetische Gebäude nach außen hin zu öffnen.

Das größte Kunstwerk im Museum ist nun allerdings die romanische Klosterkirche. Der Innenraum ist komplett restauriert und kann nun in allen Facetten betrachtet werden. So kommen beispielsweise die roten Steinbänder, wie man sie aus dem Dom zu Speyer kennt, zur Geltung. Vor allem aber wurde das 1945 zerstörte gotische Gewölbe in mittelalterlicher Technik wieder aufgebaut – statt Holzbalkendecke nun ein Kreuzrippengewölbe.

Blick in einen Raum mit einem Rundbogen und voller Baumaterialien
Bauarbeiten am Gewölbe der Klosterkirche, die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche bekommt wieder ein Kreuzrippengewölbe. Bildrechte: Kunstmuseum Magdeburg

"Im Krieg ist es durch einen Bombentreffer zerstört worden", erklärt die Architektin Regine Hartkopf. "Dadurch sind natürlich auch die Außenwände in Mitleidenschaft gezogen worden, und es kam die hölzerne Decke hinein. Wir durften jetzt wieder einwölben. Das macht den Raum sehr großartig, sehr ruhig und auch sehr selbstverständlich."
So kann man den Raum als Gesamtkunstwerk begreifen, der nun nicht mehr wie bisher als Konzertsaal genutzt werden soll, sondern als Kunst- und Klang Ort, wo, wie im gesamten Museum, die Vergangenheit auf die Gegenwart trifft.

Mehr Informationen zur Eröffnung Das Kunstmuseum Unser Lieben Frauen Magdeburg wird am 17. September 2022 feierlich eröffnet.

Musiktheater in den Ausstellungsräumen: "Mechthild" nach dem Leben von Mechthild von Magdeburg
Termine: 16. bis 18. September, jeweils 20 Uhr

Eröffnung mit Musik: Am 17. September ab 14 Uhr spielen Bands wie die Martin Rühmann Band, Babel Collage und das Duo "Denecke"

Die Gruppe Literathiem liest eigene Texte zum Thema "Neu"

Der Tango Argentino "Con Corazon" Magdeburg gibt Tanzkurse

Kunst in der Kirche

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. September 2022 | 18:05 Uhr

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