Koloniales Raubgut in Sachsen Benin-Bronzen aus Leipzig und Dresden sollen zurückgegeben werden

Deutschland und Nigeria haben sich auf erste Rückgaben der Benin-Bronzengeeinigt. Freitag soll dazu eine Vereinbarung unterzeichnet werden. Es handelt sich auch um Objekte der Völkerkundemuseen in Leipzig und Dresden. Die Museen begrüßen die Entscheidung zur Rückgabe.

Bronze-Skulpuren, ein Armreif und eine Schmuckanhänger aus dem historischen Köngreich Benin aus der Zeit vor 1897 liegen nebeneinander.
Bronze-Skulpturen, ein Armreif, ein Schmuckanhänger aus dem historischen Königreich Benin in Dresden Bildrechte: dpa

Sachsen will nach der Einigung zwischen Deutschland und Nigeria über die sogenannten Benin-Bronzen die Eigentumsrechte an den Objekten zurückgeben, die sich in seinen Museen befinden. Das Kabinett will über die Voraussetzungen für konkrete Verhandlungen mit der nigerianischen Seite und den rechtlichen Eigentumsübergang voraussichtlich am 12. Juli beraten und entscheiden, so ein Sprecher des Kulturministeriums am Mittwoch. In Kürze werde eine nigerianische Delegation zum fachlichen Austausch auf Museumsebene erwartet.   

Die Benin-Bronzen stehen derzeit im Mittelpunkt in der Debatte um koloniales Raubgut in deutschen Museen. Nigeria und Deutschland haben sich nun auf erste Rückgaben der wertvollen Kunstobjekte geeinigt.

Die Bundesregierung will am Freitag dazu gemeinsam mit einem Vertreter Nigerias eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnen, um den Weg für die Eigentumsübertragungen der wertvollen Kunstobjekte freizumachen, das bestätigte am Mittwoch ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Claudia Roth in Berlin. Im Anschluss sollen dann zwei Bronzen direkt übergeben werden, diese Stücke stammen nach dpa-Informationen aus Berliner Beständen.

In einer Ausstellung von Kunstwerken aus dem früheren Königreich Benin sind Skulpturen, Elefantenstoßzähne und Wandplatten zu einem Altar auf einer Lehmplattform zusammengestellt.
Historische Kunstwerke aus Benin, darunter zwei verzierte Elefantenstoßzähne in Sachsen. Bildrechte: dpa

Benin-Bronzen in Leipzig und Dresden

Die Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) Dresden begrüßten die Vereinbarung zu den Benin-Bronzen sowie die damit verbundene angestrebte engere Museumskooperation zwischen Deutschland und Nigeria, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Den Angaben zufolge haben die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen (SES) ein großes Konvolut an Bronzen.

Sie seien seit langem in konstruktiven Gesprächen mit Nigeria. So solle gemeinsam entschieden werden, welche Bronzen übergeben werden und welche als Leihgaben bleiben, die die nicht aus Unrecht herstammenden Bronzen ergänzen. Die Stücke sind auf unterschiedlichen Wegen in die Völkerkundemuseen Leipzig und Dresden gekommen. Es handelt sich um Bronzefiguren, Köpfe von Königen und Tieren, es sind aber auch Reliefplatten, Elfenbein und kleinere Objekte wie Armbänder dabei. Die SES sind Teil der SKD und beinhalten die fusionierten Einrichtungen des Museums für Völkerkunde zu Leipzig, des Museums für Völkerkunde Dresden sowie des Völkerkundemuseums Herrnhut.

Ein Bronze-Leopard
Ein Bronze-Leopard aus Benin Bildrechte: dpa

Weitere Exemplare der etwa 1.100 kunstvollen Objekte und Bronzen aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin gibt es in etwa 20 Museen in Deutschland. An der aktuell geplanten Eigentumsübertragung sind neben dem Grassi Leipzig und dem Völkerkundemuseum Dresden auch das Stuttgarter Linden-Museum, das Museum am Rothenbaum Hamburg, das Rautenstrauch-Joest-Museum Köln und das Ethnologische Museum Berlin beteiligt.

Auswirkungen auch auf London und New York

Die Rückgabe-Entscheidung in Deutschland habe auch internationale Auswirkungen gezeigt, sagte der Generaldirektor der Nationalen Museums- und Denkmalbehörde Nigerias, Abba Tijani, am Mittwoch in Stuttgart. So gebe es teils weit vorangeschrittene Gespräche in Großbritannien sowie in den USA über die dort geführten, als koloniales Raubgut geltenden Kunstobjekte. Tijani gehe fest von weiteren Rückgaben aus, konkret benannte er das British Museum in London und das Metropolitan Museum of Art in New York.

Die deutsche Entscheidung hat die Position anderer Museen, Universitäten und Gesellschaften stark beeinflusst.

Abba Tijani, Generaldirektor der Nationalen Museums- und Denkmalbehörde Nigerias

Ein Kopf aus Bronze
DIe Kunstwerke zeigen die Handwerkskunst der Schöpfer Bildrechte: Andre Seifert/MDR

Kunstwerke wurden 1897 geplündert

Die Benin-Bronzen stammen aus dem ehemaligen Königreich Benin, dessen Gebiet heute in Nigeria liegt. Sie stammen größtenteils aus den britischen Plünderungen des Jahres 1897.

Stichwort Raubkunst

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Juni 2022 | 07:30 Uhr

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