Kunst-Generation der 80er Magische Landschaften ohne Menschen: Der Leipziger Maler Markus Matthias Krüger

Wer in den 80er-Jahren geboren wurde, ist in einer besonderen Zeit aufgewachsen – als Deutschland komplett umgekrempelt wurde. Nun prägen Menschen aus dieser Generation die Kunstszene. Einer dieser Künstler ist Markus Matthias Krüger. Geboren 1981 in Gardelegen, lebt er heute in Leipzig und ist ein Landschaftsmaler der besonderen Art. Ein Porträt.

Ein sitzender Mann mit kurzem Bart und langen Haaren
Der Landschaftsmaler Markus Matthias Krüger wurde 1981 in Gardelegen geboren, er lebt heute in Leipzig. Bildrechte: Markus Matthias Krueger

In einer sich symmetrisch zum Horizont hin öffnenden Landschaft liegen Strohballen in nahezu militärischer Ordnung auf einem abgeernteten Feld. An einem einsamen Waldsee brennen zwei Bäume. Auf einer Wiese steht ein an ein Ringheiligtum erinnernder, mannshoch gemauerter Kreis aus Ziegelsteinen. Überflutete Reihenhäuser verbreiten einen ebensolchen geheimnisvollen Grusel, wie die, denen die Dächer von wild wachsenden Bäumen aus den Angeln gehoben werden.

Der 1981 in Gardelegen geborene Markus Matthias Krüger ist ein Landschaftsmaler der besonderen Art: Mit seinen eigenwilligen, surrealen Sujets fasziniert er die Betrachterinnen und Betrachter genauso, wie mit seinem meisterhaftem Handwerk. Das hat er an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) studiert und dort als Meisterschüler von Anette Schröter zur Perfektion entwickelt. Gewissermaßen als ein fast zu spät Berufener der Neuen Leipziger Schule.

Ein Gemälde eines großen Rundbogens aus Ziegelsteinen, das auf einem Feld steht.
Das Bild "Arcus" von Markus Matthias Krüger zeigt ein gewaltiges Tor aus Ziegelsteinen mitten auf einem Feld stehen, dessen mögliche Funktion die Fantasie anregt. Bildrechte: Martin Url

Leipziger Schule nach dem Hype: "Die große Party ist vorbei"

Als er im Jahr 2005 an der HGB sein Studium begann – "als ein Auserwählter", wie er und seine Kommilitonen vom damaligen Rektor empfangen wurden – war der Hype der Leipziger Schule am Kunstmarkt schon am Auslaufen. "Ich hatte den Eindruck, die große Party ist vorbei. Jetzt geht es ans Reste-Essen", erzählt der Maler in seinem Atelier in der Leipziger Baumwollspinnerei.

Mehrere Häuser scheinen in einem großen See zu stehen
Das Gemälde "Große Flut" von Markus Matthias Krüger ist 2012 entstanden. Bildrechte: Martin Url

Das war gut, denn so konnte er sich auf das Wesentliche konzentrieren: die Kunst. Die hatte immer schon in ihm gebrannt, obwohl die Bedingungen dafür nicht die besten waren. Krüger erzählt vom Bauernhof in der Altmark, auf dem er aufgewachsen ist – fernab von jeder Museumsinfrastruktur und mit einem nicht gerade inspirierenden Kunstunterricht in der Schule. Doch auch von diesem Trieb in ihm, immerzu zu zeichnen.

Aus der Altmark in die Kunstwelt

Angefeuert von Kunstbüchern aus der nahen Stadtbibliothek begeistert er sich schon in der Schulzeit für Adolf Menzel und William Turner. Er kaufte sich Skizzenbücher, übte sich autodidaktisch im Aquarellieren und Ölmalerei. Doch Künstler zu werden, das war für den jungen Mann keine Option. Erstmal etwas Vernünftiges lernen war die Direktive. Ein Industriedesign-Studium brach er nach dem ersten Jahr ab, ließ sich zum Physiotherapeuten ausbilden. Doch das mit dem Malen und Zeichnen wurde immer "dringlicher" in ihm.

Landschaften, in denen der Mensch stört

Insofern war er an der Leipziger Hochschule keiner, der noch lange suchen musste. Er fand schnell seinen eignen Ausdruck. Schon im dritten Studienjahr nahm ihn die renommierte Galerie Schwind in Leipzig unter Vertrag, die ihn bis heute erfolgreich vertritt. An vielen seiner Bilder, die gegenwärtig in der Ausstellung "Markus Matthias Krüger und Wolfgang Mattheuer – Unter blauen Himmeln" im Erfurter Angermuseum zu sehen sind, steht zu lesen, dass sie sich in Privatbesitz befinden.

Gemälde eines Waldes mit Brandstelle.
Die Landschaftsbilder von Markus Matthias Krüger zeigen nicht nur Idyllen, sondern auch ihre Bedrohung. Bildrechte: Martin Url

Im Gegensatz zu den Werken des Altmeisters Mattheuer fällt bei Krügers Bildern auf, dass hier niemals Menschen zu sehen sind: "Ich kann Figuren malen, doch meine Bilder sind besser, wenn ich es nicht tue." Sie würden sich da nur als Protagonisten einmischen und den Betrachter ablenken. Krüger will mit seinen Bildern nichts erzählen, sondern sein Publikum dazu verführen, sich in das, was zu sehen ist, zu vertiefen. Ganz auf sich und sein Empfinden gestellt. Davon, dass das funktioniert kann man sich in Erfurt überzeugen. Wo sich derzeit zwei ganz Große der Leipziger Malerschule auf Augenhöhe begegnen.

Gemälde von knorrigen Bäumen.
Auf manchen Bildern von Markus Matthias Krüger meint man die Inspiration durch seine altmärkische Heimat zu erkennen. Bildrechte: Martin Url

Weitere Informationen "Markus Matthias Krüger und Wolfgang Mattheuer – Unter blauen Himmeln" ist noch bis zum 6. November 2022 im Angermuseum Erfurt zu sehen.

Adresse:
Angermuseum
Anger 18
99084 Erfurt

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr

Redaktionelle Bearbeitung: tsa

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. September 2022 | 18:05 Uhr

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