MASHUP VII – Move Ein neuer Kunstort in Leipzig – wo angesagte Künstler auf Newcomer treffen

Mit Mashup setzt die Leipziger Kuratorin Molina Ghosh auf ein kuratorisches Konzept, das etablierte mit jungen aufstrebenden Künstlern vereint. In der Villa Najork in der Ferdinand-Lassalle-Straße im Leipziger Bachstraßenviertel eröffnet sie einen neuen Standort des Kunstraums Ghosh. Die Schau "Mashup Move VII" präsentiert über 30 Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Bildhauerei, Zeichnung, Medienkunst und Performance. Eröffnung ist am 21. Mai 2022.

Rayk Goetze - Reiterstudie 3 4 min
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Mit der Villa Najork gibt es einen neuen Kunstort in Leipzig, wo angesagte Künstler auf Newcomer treffen. Aktuell in der Schau Schau "Mashup Move VII", die am 21. Mai eröffnet wird. Wolfgang Schilling traf die Kuratorin.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 21.05.2022 13:54Uhr 04:24 min

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Wenn Leipzig ein Monopoly Spiel wäre, dann würde die Ferdinand-Lassalle-Allee am Clara-Zetkin-Park die Schlossallee sein. Hier wohnen die Gutbetuchten und arbeiten vorrangig jene, die etwas mit Juristerei und Immobilien zu tun haben. Apropos, manchmal können sich letztere offenbar auch bewegen, meint jedenfalls Molina Gosh, eine seit Jahren in der Stadt aktive Frau der Kunst, die vor Ort verrät: "Ich habe das Glück und erlebe den Luxus, dass solche Häuser auf mich zukommen. So auch bei diesem Objekt." Gemeint ist das Haus mit der Nummer 22 in der Ferdinand-Lassalle-Straße, die Villa Narjok.

Zora Berweger - ohne Titel (movement), 2021  Neon 40 x 26 x 3 cm -
Zora Berweger - ohne Titel (movement), 2021 Bildrechte: Zora Berweger

Erbaut wurde das prächtige Gründerzeithaus im späten 19. Jahrhundert im Auftrag von Gustav Narjok. Ein Unternehmer und angesehener Bürger der Stadt, der im nahen Plagwitz eine Papierfabrik sein eigen nannte. Ein Mann mit Geld, Geschmack und Sinn für die Kunst. Davon profitiert Dr. Daniel Fingerle noch heute. Ein zugezogener Rechtsanwalt mit Faible für den Geist dieses Hauses, in dem er heute eine große Kanzlei unterhält und der Kunst unserer Tage einen roten Teppich ausrollt.

Neuer Kunstort in Leipzig: Wo Tradition auf Moderne trifft

Rayk Goetze - Reiterstudie 3
Rayk Goetze, Jahrgang 1964, studierte Malerei bei Arno Rink und Neo Rauch an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Er lebt und arbeitet in Leipzig. Bildrechte: Rayk Goetze

Als Fingerle dieses Haus im Jahr 2009 das erste mal erlebte, war ihm klar, hier war einmal die Kunst zuhause und hier soll sie wieder eine Chance bekommen.  Darum hat er die Kuratorin Molina Gosh beauftragt, hier wieder einen neuen Ort der Kunst zu schaffen, aufbauend auf einer großen Tradition. Denn hier hat einmal der jüdische Arzt und Künstler Dr. Raphael Chamizer gewirkt. Ein Bildhauer, der in den 1920er Jahren hier sein Atelier hatte, bevor er 1931 in das ehemalige Atelier von Max Klinger umzog. 1938 konnte er sich glücklicherweise dem Zugriff der Nazis entziehen und ging nach Palästina.

Doch zurück in die Gegenwart der Villa und zur Kuratorin, die mit ihrer Arbeit schon draußen vor der Tür begonnen hat. Im kleinen Garten, der sich von der etwas zurückgesetzten Villa bis zum Zaun am Bürgersteig erstreckt, fallen zwei weiße Tiergestalten auf. In einer Hecke leuchtet es bei Nacht und auf der Wiese dreht sich eine Windharfe. Vom Entree im Grünen, geht es hinein ins Haus, durch den Dienstboteneingang direkt in den Keller – schön kühl und etwas feucht. Wahrscheinlich der alte Weinkeller, ein Raum, der die Kuratorin sofort begeisterte. Aufgrund des besonderen Raumklimas aber nur für Kunst geeignet ist, die, wie Molina Gosh meint, "auch mal etwas ab kann". Das tun geheimnisvolle Hirschgeweihe, die aus den Wänden ragen, eine Metallskulptur und hinter einem schwarzen Vorhang nicht ganz jugendfreie Medienkunst.

MASHUP VII – Move vereint etablierte Künstler mit Newcomern

Wir wechseln nach oben, in den Empfang der Kanzlei, wo ein herrschaftlicher Hund wacht. Auf einem Foto von Nadin Maria Rüfenacht. Noch nie gehört den Namen? Das gehört zum Prinzip der Kuratorin, das sie als "Mash up" bezeichnet und als Wiederholungstäterin betreibt. Angefangen hat das 2014 in der ehemaligen Villa des Künstlers Bernhard Heisig, inzwischen ist sie bei "Mash up VII" angelangt.  

Humatic feat. V3, The Love of Metals, 2020, Video-installation, 18:00 Min
Humatic feat. V3 –The Love of Metals Bildrechte: V3

Mash up steht im Englischen für "vermanschen". Ein Prinzip, das Molina Gosh auch beim Kuratieren verfolgt. Malerei, Grafik, Bildhauerei, Aktions- und Medienkunst zum einen und deren Macherinnen und Macher werden zum anderen im wilden Mix präsentiert. Die teilweise sehr angesagten Namen wie Matthias Weischer oder Thilo Baumgärtel, aber auch völlig unbekannte Künstlerinnen und Künstler bis hin zu geheimnisvollen Kürzeln wie V3 oder L&S sind auf einer edel hinterleuchteten Glastafel im Eingangsbereich der Villa zu lesen. Die dazugehörigen Werke finden sich im zentralen Lichthof dahinter oder nett versteckt überall im Haus.

Nicht nur zur Freude der hier Arbeitenden und deren Mandanten. Denn eins ist dem Hausherren und seiner Kuratorin wichtig: MASHUP VII steht für alle offen: zu den normalen Geschäftszeiten der Kanzlei, Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr. Willkommen also in einem offenen Haus für die Kunst.

Informationen für den Besuch

  • MASHUP VII – Move: Kuratiert von Molina Ghosh
  • Vernissage am 21. Mai ab 16 Uhr mit Konzertperformance von Anna Schimkat
  • Laufzeit: 22. Mai bis 2. September 2022
  • Ausstellungsort: Ferdinand-Lassalle-Straße 22 I 04109 Leipzig

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Mai 2022 | 15:15 Uhr

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