"Porträt und Abstraktion" Leipziger Ausstellung zeigt Fotografien von Ludwig Rauch

Das Museum der bildenden Künste (MdbK) in Leipzig zeigt unter dem Titel "Porträt und Abstraktion" Fotografien von Ludwig Rauch. Der in Leipzig geborene Künstler, der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) Leipzig bei Arno Fischer studierte und in der DDR ein Arbeitsverbot erhielt, porträtiert darin Künstlerinnen und Künstler wie Namensvetter Neo Rauch und zollt ihnen Respekt. Die Ausstellung ist bis zum 8. Januar 2023 zu sehen.

Eine Frau mit Zigarette in der hand liegt lässig auf einem Sofa und lächelt in die Kamera.
Der Leipziger Fotograf Ludwig Rauch porträtiert Künstlerinnen und Künstler, hier: Tina Bara. In der Ausstellung "Ludwig Rauch - Porträt und Abstraktion" im MdbK Leipzig sind seine Werke bis zum 8. Januar 2023 zu sehen. Bildrechte: Ludwig Rauch

Die Frage nach dem schönsten Bild erübrigt sich bei Ludwig Rauch. Alle Bilder haben auch für ihn eine gewisse Bedeutung. Sie halten einen Moment fest, erzählen vom Vertrauen, das ihm andere schenken. Er zeigt sie in persönlichen Situationen, blickt in die Augen, friert Gesten ein und deutet Hintergründe an. Wie er denn seine Kunst versteht, Menschen zu porträtieren? "Mir ist es wichtig, dass ich der Person gegenüber meinen Respekt ausdrücke", erklärt Ludwig Rauch, "indem ich versuche, sie ernst zu nehmen, sie würdig darzustellen und nicht irgendwie in einem unglücklichen Moment abzulichten."

Ein Mann mit Bart blickt ernst in die Kamera.
Auch Bernhard Heisig hat Ludwig Rauch fotografiert. Seinen Porträtierten tritt Rauch stets mit Respekt gegenüber. Bildrechte: Ludwig Rauch
Weißer Saal mit Kronleuchtern - so sieht der Spiegelsaal in Schloss Köthen aus
Im Spiegelsaal von Schloss Köthen Sie die Geschichte Sachsen-Anhalts entdecken, genauso wie beispielsweise im Museum für Ur- und Frühgeschichte in Halle an der Saale. Bildrechte: Michael Moser

Arbeitsverbot in der DDR

Im Laufe seiner Berufsjahre hat er sehr viele Menschen "abgelichtet". Dabei war sein Start in den Beruf alles andere als schön: Die DDR sprach ihm, dem 1960 in Leipzig geborenen Künstler, ein Verbot aus, seine Arbeiten zu publizieren. Er passte nicht in den Gedankenkosmos. Das war 1986. Ludwig Rauch hielt sich mit Jobs über Wasser, traf einen Künstler, der – weil gelähmt – mit dem Mund malte. Er sprach ihn an, fotografierte ihn und lernte immer mehr die Welt der Kunst und der Künstler kennen. Auch, weil ihm gar nichts anderes übrigblieb. Er reproduzierte Bilder für Kataloge der anderen und haderte doch mit dem Land, das er mochte und das ihn als Künstler trotz allem nicht haben wollte. 

1989 dann schließlich der Moment, in dem er von Berlin-Ost nach Berlin-West für einen Tag reisen durfte – und blieb. Mit 29 Jahren fing er von vorn an, heuerte bei den großen Magazinen an und bekam die ersten Aufträge. Schließlich führte ihn sein Talent, aber auch der Mut und Fleiß rund um die Welt.  

Namensvetter Neo Rauch lächelt

Jetzt zeigt er seine Porträts – darunter viele Künstler, Künstlerinnen, Wegbegleiter von einst – im Museum der bildenden Künste in Leipzig. Neo Rauch (der Nachname beider ist ein Zufall) ist auch dabei – mit einem sanften Lächeln im Gesicht. Das sei wirklich selten, meinen jene, die den Maler kennen. 

Fotografie ist immer subjektiv.

Ludwig Rauch, Fotograf

Leipziger Ausstellung zeigt (sur)reale Bilder

Und so führt Ludwig Rauch mit seinen Bildern in seine Welt: Die der Menschen, aber auch die der Landschaften, der Momente, der Suggestion. Wer lange genug hinschaut, erkennt surreale Bilder, "wobei", sagt Rauch, "alles echt ist". Jedes Motiv, jede Aufnahme – es sind "reale Bilder". Und doch formt er daraus etwas Neues, indem er Ausschnitte nimmt, diese zusammensetzt und dadurch ein Motiv schafft. Die Basis ist immer das Reale – trotzdem führt er uns in neue Welten. 

Ausstellung "Ludwig Rauch"
Ludwig Rauch: "Große Figur #1" - auch diese Aufnahme von Rauch ist im Leipziger Museum der bildenen Kunst (MdbK) ausgestellt. Bildrechte: Ludwig Rauch

Immer wieder neu starten

Wie wird man eigentlich erfolgreich, Herr Rauch? "Das", sagt er, "hängt von zu vielen Faktoren ab. Es passiert oder passiert nicht." Man müsse jedenfalls fest an seine Arbeit glauben, denn es könne gut sein, "dass man immer wieder neu starten muss, immer wieder neu die Dinge hinterfragen muss. Man muss auch mal rechts und links gehen und die Dinge anders sehen."

Das "anders sehen" hat er gelernt und bringt es heute jungen Menschen bei. Er, der so bescheiden geblieben ist – konzentriert und geerdet in Jeans und T-Shirt inmitten seiner Ausstellung steht, umrahmt von vielen Gesichtern der Porträtierten und umgeben von den imaginären Landschaften, die er uns schenkt – in einer Welt, die er am liebsten durch sein Objektiv wahrnimmt. 

Es ist ein bisschen Talent und Mut erforderlich. Man muss an sich glauben.

Ludwig Rauch, Fotograf

Vier Fotografien, die nebeneinander an einer Wand hängen.
Blick in die Ausstellung "Ludwig Rauch. Porträt und Abstraktion" Bildrechte: Ludwig Rauch

Mehr Informationen "Ludwig Rauch. Porträt und Abstraktion"
Museum der bildenden Künste Leipzig
Katharinenstraße 10
04109 Leipzig

13. Oktober 2022 bis 8. Januar 2023

Öffnungszeiten:
Mo: geschlossen
Di, Do–So: 10-18 Uhr
Mi: 12-20 Uhr
Feiertage: 10-18 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Oktober 2022 | 07:10 Uhr

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