Ausstellung Leipziger Maler Neo Rauch zeigt Werke seiner Meisterschüler

Als Professor an der Leipziger Kunsthochschule betreute Neo Rauch zahlreiche Meisterschülerinnen und Meisterschüler auf ihrem künstlerischen Weg. Ihre Werke zeigt der Leipziger Maler nun in einer eigens kuratierten Ausstellung mit dem Titel "Weil es ein schöner Abend war" in der Galerie Eigen+Art. Die Schau mit Werken von Künstlern wie Kristina Schuldt, Robert Seidel und Stefan Guggisberg ist noch bis 19. März auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei zu sehen.

Eine Ausstellungsansicht. 5 min
Bildrechte: Uwe Walter, Berlin / Galerie EIGEN+ART Leipzig
5 min

MDR KULTUR-Kunstredakteur Andreas Höll über die von Neo Rauch kuratierte Ausstellung mit Werken seiner Meisterschüler in der Galerie Eigen+Art in Leipzig.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 04.03.2022 06:00Uhr 04:46 min

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Von 2008 bis 2014 war Neo Rauch Professor an der Leipziger Kunsthochschule – und in dieser vergleichsweise kurzen Zeit hat er 24 Meisterschülerinnen und Meisterschüler auf ihrem Weg begleitet. Nun lädt er sie acht Jahre später nochmals zu einem künstlerischen Klassentreffen in seine Galerie ein.

Der Künstler Neo Rauch
Der Leipziger Maler Neo Rauch betreute als Hochschullehrer in Leipzig 24 Meisterschülerinnen und -schüler. Bildrechte: dpa

Es stellt sich die Frage, wie er denn heute seine Rolle als Hochschullehrer sieht: "Die Lehrerrolle ist leer, sie ist abgewickelt, abgespult. Ich verspüre keine Neigung mehr, in diese Rolle zurückzuschlüpfen. Denn je tiefer ich in das Metier eindringe, umso unbeholfener werde ich. Ich kann andere jetzt nicht mehr mit der Hochfahrenheit und der vermeintlichen Selbstsicherheit in diese Gefilde hineinführen."

Mit typischem Understatement hat Neo Rauch die Lehrerrolle abgestreift. Doch als Kurator zeigt er nun die gesamte malerische Bandbreite seiner Eleven. Da gibt es zum Beispiel ein wunderbar komponiertes Gemälde von Katrin Brause, das eine verbarrikadierte Haustür in den Fokus rückt. Oder man begegnet einem subtilen Interieur von Johannes Rochhausen, der wieder einmal mit den Mitteln der Malerei sein Atelier erforscht. Franziska Holstein dagegen zeigt eine prägnante Wandmalerei, die mit geometrischen Strukturen operiert.

Franziska Holstein, o.T. (2/18 HDV), 2022, Wandmalerei
Franziska Holsteins Wandmalerei in der Leipziger Galerie Eigen+Art. Bildrechte: Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

Eigene Akzente fernab der Leipziger Schule

Die Stile und die Sujets sind also völlig unterschiedlich – doch eines ist Neo Rauch bei aller Vielfalt aufgefallen. Die menschliche Figur scheint immer mehr in den Hintergrund zu treten: "Als ich (die Werke) dann hier an den Wänden hatte, habe ich festgestellt: Mein Gott, wo ist eigentlich der Mensch? Was ist das für eine Angst vor der Verbindlichkeit, die damit natürlich unweigerlich ins Spiel kommt. Es sind ausschließlich gute Bilder, aber ich frage mich schon, woher diese Zurückhaltung rührt."

Die Darstellung der menschlichen Figur – das war einmal das Markenzeichen der Leipziger Schule. Die jüngeren Malerinnen und Maler verfolgen hier ganz eigene Wege – und da stellt sich natürlich auch die Frage, wie sie sich mittlerweile in der Kunstwelt und auf dem heißumkämpften Kunstmarkt behaupten können. Neo Rauch sagt: "Wenn man bedenkt, dass heutzutage eine unverantwortlich hohe Zahl von Studenten immatrikuliert wird, kann ich doch sagen, dass sich von denen, die ich damals mitzuverantworten hatte, eine relativ hohe Zahl ganz gut etablieren konnte."

Gemälde hängen an Museumswänden.
Die Ausstellung zeigt Werke von Titus Schade, Kristina Schuldt, Claus Georg Stabe und vielen weiteren Künstlern, die auf ihrem Weg von Neo Rauch als Lehrer begleitet wurden.
Bildrechte: Uwe Walter, Berlin / Galerie EIGEN+ART Leipzig

Arno Rink prophezeite Durststrecke

Ob Kristina Schuldt oder Robert Seidel, ob Stefan Guggisberg oder Mirjam Völker – es sind eigenständige Positionen, die auch international gezeigt werden. Doch bis eine künstlerische Karriere so richtig Fahrt aufnimmt – bis dahin braucht man einen langen Atem, sagt Neo Rauch, und das hat er damals als junger Student selbst von seinem Lehrer Arno Rink gehört:

"Er sagte: Gehen Sie davon aus, dass nach dem Diplom sieben Jahre ins Land gehen werden, bis Sie das Gefühl haben, an einem Punkt zu sein, Fahrt aufnehmen zu können. Woher er das hatte, erschließt sich mir nicht. Aber auf jeden Fall hat er uns damit schockiert. Wir waren natürlich nicht auf eine so lange Durststrecke eingestellt. Aber in meinem Fall hat es diese sieben Jahre tatsächlich gebraucht."

Stefan Guggisberg, 27.09.21, 2022, iPad-Zeichnung/Pigmentdruck
U.a. Stefan Guggisbergs Werk "iPad-Zeichnung/Pigmentdruck" ist in der Leipziger Galerie Eigen+Art zu sehen. Bildrechte: Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

Erneute Zusammenkunft in 20 Jahren

Die Meisterschülerinnen und Meisterschüler sind mittlerweile längst der Hochschulwelt entwachsen. Sie sind nun Ende 30 bis Anfang 40. Ihr früherer Professor dagegen ist nun knapp über 60. Wäre es da nicht reizvoll, wenn es zum Beispiel in 20 Jahren wieder zu einem Klassentreffen kommen könnte – dann im fernen Jahr 2042? Neo Rauch könnte sich das gut vorstellen: "Da wären die jungen Kollegen dann in meinem Alter, und ich wäre im höchsten Blütenstand des Spätwerkes gegriffen. Das wäre ein schönes Zusammenfinden, in 20 Jahren das Ganze."

Mehr Informationen

"Weil es ein schöner Abend war"
Von Neo Rauch kuratierte Ausstellung seiner Meisterschülerinnen und Meisterschüler
12. Februar bis 19. März 2022

Galerie Eigen+Art
Spinnereistraße 7, 04179 Leipzig

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag: 11bis 18 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. März 2022 | 07:40 Uhr

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