"Leipzig '89 – Revolution reloaded" DHM Berlin: Die Leipziger Montagsdemo von 89 gibt es jetzt als Computerspiel

Die Leipziger Montagsdemo vom Herbst 1989 kann in Berlin jetzt als digitales Spiel nacherlebt werden. Dabei treffen verschiedene Charaktere – wie Egon Krenz, eine Bürgerrechtlerin oder ein Volkspolizist – Entscheidungen, die den Verlauf des Tages ändern. Die Macher des Deutschen Historischen Museum erhoffen sich so einen direkteren Zugang zu historischen Ereignissen.

Illustration
In dem Spiel kann man sieben Charaktere mit unterschiedlichem Hintergrund Entscheidungen treffen lassen – die Folgen haben Bildrechte: DHM, Foto: Gerhard Gäbler, Illustration: Alexander Roncaldier, Montage: Playing History

Die Leipziger Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 kann man in Berlin jetzt mit dem digitalen Spiel "Leipzig '89 – Revolution reloaded" nacherleben. Das Deutsche Historische Museum (DHM) bietet ab Freitag und bis zum 27. März diese besondere Erfahrung an. Am Donnerstag wurde das Spiel in Berlin vorgestellt.

Egon Krenz als halbfiktive Spielfigur

Mit Hilfe von sieben realen bzw. fiktiven Charakteren kann dabei der Demonstrationstag durchlebt werden. Dabei können die Spielerinnen und Spieler konkrete Entscheidungen treffen, die den weiteren Tagesverlauf beeinflussen. Die Figuren sind z.B. angelehnt an Egon Krenz, der damals in der obersten DDR-Führung für Sicherheitsfragen zuständig war, einen Volkspolizisten, eine SED-Genossin, einer Bürgerrechtlerin oder dem Kameramann, über den die Aufnahmen der Demonstration in den Westen gelangten.

Jeweils vier bis fünf Entscheidungen pro Figur lassen den Tag unterschiedlich ablaufen. Die Bürgerrechtlerin etwa kann schon früh verhaftet werden, weil sie beim Kopieren eines illegalen Aufrufs erwischt wird. Krenz kann die Sicherheitskräfte losschicken, was zwar im Spiel zu historisch nicht erfolgten Auseinandersetzungen führt, den geschichtlichen Verlauf und Erfolg der Demonstration aber nicht verändert.

Volkspolizisten
Volkspolizisten wie diesen standen den Demonstrantinnen und Demonstranten 1989 in Leipzig gegenüber Bildrechte: Gerhard Gäbler

Gamedesigner und Historiker entwickelten das Spiel

Das Spiel wurde von Historikern und Spieleentwicklern gemeinsam erarbeitetet. Für die Macher ist das Vermitteln geschichtlicher Erlebnisse mit modernen digitalen Methoden spannend. "Das heißt auch, dass viele Besucherinnen und Besucher eine Meinung zu dem haben, was damals passiert ist", sagt die Historikerin und Projektleiterin Elisabeth Breitkopf-Bruckschen.

Das Spiel ist auch an einzelne Ausstellungsobjekte des DHM gekoppelt, wie original Flugblätter, SED-Parteiabzeichen oder ein Telefon der Parteiführung. Diese Objekte schaffen einen Bezug zu den Geschehnissen, nicht nur für die Menschen, die die Zeit damals bewusst miterlebt haben.

Uns interessiert die Frage, inwieweit sich die Mittel des Gamedesigns besonders eigenen, neue Zugänge zu historischen Inhalten zu schaffen.

Projektleiterin Elisabeth Breitkopf-Bruckschen

Gespielt wird "Leipzig '89 – Revolution reloaded" in einer Gamestation mit Tablets des DHM oder mit dem eigenen Smartphone. Die gesammelten Erfahrungen sollen auch für andere, künftige Ausstellungen genutzt werden.

Helm und Schlagstock
Ausstellungsobjekte aus dem DHM, die die bedrohliche Lage 1989 anschaulich machen Bildrechte: DHM/Sebastian Ahlers

Einer der Höhepunkte der Friedlichen Revolution

Bilder aus einer Graphic Novel
Die Bürgerrechtlerin Sabine ist einer der halbfiktiven Spielcharaktere Bildrechte: Illustration aus der interaktiven Graphic Novel „Leipzig '89 - Revolution reloaded“, © DHM

Die Leipziger Montagsdemonstration im Oktober 1989 ist einer der zentralen Bausteine der Friedlichen Revolution, der die DDR-Machtstrukturen erodieren und zusammenbrechen ließ. Mehr als 70.000 Menschen gingen damals in der Stadt auf die Straße. Die friedlichen Proteste, die es in zuvor auch schon an anderen Orten gab, breiteten sich danach massiv im ganzen Land aus. Die SED-Parteiführung trat später zurück und die Maueröffnung vom 9. November 1989 schrieb die Geschichtsbücher neu.

Das Spiel erleben "Leipzig '89 - Revolution reloaded"

Deutsches Historisches Museum Berlin, Pei-Bau

Öffnungszeiten:
Freitag bis Mittwoch | 10 bis 18 Uhr
Donnerstag | 10 bis 20 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 24. Februar 2022 | 13:00 Uhr