Bis Oktober 2022 "Blick zurück nach vorn" – MAK Gera zeigt Grafikdesign aus sieben Jahrzehnten

Rolf Felix Müller hat das Logo des Goldenen Spatzen geschaffen, Günter Kerzig die Verpackung des badusan-Fisches. Das Museum für Angewandte Kunst Gera widmet den beiden bekannten DDR-Gebrauchsgrafikern nun eine Sonderschau. Ebenfalls zu sehen sind Werke von Müllers Sohn Thomas und Kerzigs Ateliernachfolger Mirko Albrecht – von vier Gestaltern aus zwei Generationen.

Nahaufnahme eines Plastikfischs.
Der badusan-Fisch beinhaltete Kinderschaumbad. War er leer, so konnte er als Badespielzeug genutzt werden. Bildrechte: Günter Kerzig

In den 60er-Jahren hatte Gera eine überaus lebendige Kunstszene. Mit dabei waren Rolf Felix Müller und Günter Kerzig: der erste vor allem bekannt durch das Logo des Goldenen Spatzen, der zweite durch die Gestaltung des badusan-Fisches, den zu DDR Zeiten vermutlich jedes Kind zuhause hatte.

Es sei höchste Zeit gewesen, die beiden Künstler mit einer Schau zu würdigen, betont Ann-Kathrin Segler vom Museum für Angewandte Kunst: "Günter Kerzig wird dieses Jahr 90, Rolf Felix Müller wäre es geworden, er ist leider im November letzten Jahres gestorben. Für uns war das Anlass, noch einmal die Arbeiten der beiden anzusehen. Und zu schauen, wie sie Alltagskultur und Stadtbild von Gera mitgeprägt haben."

Die Kernaussage eines Plakats

Die Schau beginnt mit Werken von Rolf Felix Müller. Sein künstlerischer Werdegang lässt sich in zwei Räumen gut nachverfolgen, viele Theaterplakate sind zu sehen, die Bühnen der Stadt Gera und die Staatlichen Theater Karl Marx Stadt waren lange Zeit seine wichtigsten Auftraggeber. In den Sechzigern steht bei ihm die Zeichnung im Mittelpunkt, sei es mit Kohle, Kreide, Pinsel oder Feder.

Anfangs sind die Plakate noch detailreich, später werden sie immer reduzierter. Da reicht es, für die Komödie Adam und Eva etwa nur noch einen angebissenen Apfel abzubilden. Man wisse bei Müllers Plakaten meist schnell, worum es gehe, so Kuratorin Segler, "und das, obwohl sie gleichzeitig viel Tiefgang haben. Es erschließt sich nicht immer alles auf den ersten Blick, er fordert auch viel vom Betrachter. Bei ihm geht es am Ende darum, Kunst zu zeigen, die sich nützlich macht."

Bilder in einer Ausstellung
Film- und Theaterplakate von Rolf Felix Müller. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Wie der Vater, so der Sohn

Kunst zeigen, die sich nützlich macht – diese Haltung hat Rolf Felix Müller seinem Sohn Thomas Matthäus Müller wohl vererbt. Denn auch dieser ist Gestalter geworden, lehrt genau wie sein Vater auch an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Seine Werke werden hier ebenfalls gezeigt, darunter sind Bieretiketten, Kinderbücher, Veranstaltungsplakate.

Eine Zeichnung zeigt den Innenraum eines Büros.
Plakat von Thomas M. Müller Bildrechte: Thomas Müller

Wie etwa ein Plakat für das Leipziger Café Grundmann, auf dem ein Arbeitszimmer abgebildet ist. Ein Schreibtisch mit Computer und Schreibmaschine ist zu sehen, ein Eisbärenfell auf dem Boden, darüber ein fliegender Mann. Ein locker-verspieltes Bild, das autobiografische Bezüge hat. Thomas Müller habe als Kind viel Zeit im Arbeitszimmer seines Vaters verbracht, erzählt Segler.

Von der Handzeichnung zur Computergrafik

In dieser Ausstellung ist wunderbar zu sehen, wie sich zwei Generationen künstlerisch befruchten, wie eine Leidenschaft vom Vater zum Sohn übergeht. Bei Günter Kerzig und Mirko Albrecht, denen die zweite Hälfte der Schau gewidmet ist, verhält es sich ganz ähnlich, auch wenn die beiden nicht miteinander verwandt sind. Kerzig, der neben dem badusan-Fisch Objekte aus fast allen Lebensbereichen gestaltet hat, von der Schokoladenverpackung über die Speisekarte bis hin ganzen Hausfassaden, wurde nach der Wende von der digitalen Revolution überrollt.

Ein Mann und eine Frau
Mirko Albrecht und Ann-Kathrin Segler. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Als 60-jährigem fiel es ihm schwer, plötzlich mit dem Computer zu gestalten – so kam es, dass Mirko Albrecht in sein Leben trat: "Ich war sozusagen zunächst derjenige, der am Computer saß", erzählt Albrecht, der die Ausstellung nun mit gestaltet hat. "Das hat sich dann mit den Jahren verschoben, so dass ich auch selber gestalten und mich verwirklichen konnte. Lange Zeit haben wir dann gemeinsam gestaltet, heute noch. Günter Kerzig kommt heute noch bei mir im Atelier vorbei und sagt, was ich alles falsch mache."

Gebrauchsgrafik früher und heute

Albrecht muss bei diesen Worten schmunzeln, ganz ernst sind sie nicht gemeint. Seit 2002 führt er Kerzigs Atelier und sorgt dafür, dass hier weiter gearbeitet wird. Vier Gestalter aus zwei Generationen – diese Schau zeigt dass gute Gebrauchsgrafiker unseren Alltag schöner machen, ob zu DDR-Zeiten oder heute. Eine Schau, die damit viel mehr als nur lokales Publikum verdient hat, und hoffentlich über Gera hinaus strahlt.

Informationen für Ihren Besuch:

"Blick zurück nach vorn"
29. Juni bis 9. Oktober 2022

Adresse:
Museum für Angewandte Kunst (MAK) Gera
Greizer Straße 37
07545 Gera

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen: 11 bis 17 Uhr

Öffentliche Führungen (Änderungen vorbehalten):
Mittagsführung, Mittwochs: 12:30-13:00
Samstag, 02.07.2022, 14 Uhr
Samstag, 30.07.2022, 14 Uhr
Samstag, 13.08.2022, 14 Uhr
Samstag, 10.09.2022, 14 Uhr
Samstag, 24.09.2022, 14 Uhr
Samstag, 08.10.2022, 14 Uhr

Eintritt:
5 Euro, (3 Euro ermäßigt)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Juni 2022 | 07:40 Uhr

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