Wie wird gefeiert? Großes Jubiläum: 1.000 Jahre Weihe des Merseburger Doms

Vor tausend Jahren fand am 1. Oktober 1021 in Merseburg die Domweihe statt. Dieses Jubiläum soll in diesem Jahr groß gefeiert werden. Was geplant ist, verrät Holger Kunde, Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg.

Stadtansicht Merseburg - Merseburger Dom St. Johannes und St. Laurentius Straße der Romanik einstige Pfalz- und Bischofsstadt Merseburg 8 min
Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

MDR KULTUR: Was wissen wir eigentlich tatsächlich über das Jahr 1021, über den Weiheakt. Und warum war Merseburg damals so bedeutend?

Holger Kunde: Ja, wir wissen doch Einiges. Für Heinrich II. ist Merseburg ein ganz besonderer Ort gewesen, es ist die am häufigsten besuchte Königspfalz in seiner Regierungszeit. Noch häufiger als in Bamberg. Und insofern erklärt sich auch diese Investitionsmaßnahme, die wir hier so bezeichnen können. 1015 die Grundsteinlegung und 1021 schon die Vollendung. Das war ein gewaltiger Kraftakt!

Wirklich sehr, sehr schnell. Rekordgeschwindigkeit, muss man wirklich sagen!

Also, für Heinrich II. war Merseburg der Mittelpunkt des Reiches, Das dürfen wir nicht vergessen, das ist doch immer so ein bisschen die Saalegrenze zu den slawischen Gebieten. Aber Merseburg entwickelt sich, entwickelt Leipzig, wird sozusagen zum Träger von Bildung. Denken wir daran, der Merseburger Bischof ist Kanzler der Universität in Leipzig. Das ist sozusagen die Aufgabe dieses Bistums, den Bereich bis zum Erzgebirgsvorland zu erschließen und mit Kultur zu versehen.

Bevor die Merseburger jetzt anfangen zu weinen ob der Bedeutung vergangener Tage, reden wir über das, was das eintausendjährige Weihejubiläum für die Stadt den bringen könnte. Was stellen Sie sich idealerweise vor?

Innenansicht des Merseburger Doms.
Der eindrucksvolle Innenraum Bildrechte: MDR/Christiane Fritsch

Wir hoffen zusammen mit der Stadt und auch dem Landkreis, der Kirchengemeinde und vielen, vielen Partnern wie der Fachhochschule natürlich diesen Merseburger Dom noch mehr zu verankern in der Mitte der Gesellschaft. So ein Dom beinhaltet ja viele Aspekte – und wir wollen einfach diese Verbindung zu diesem Gotteshaus stärken.

Und wie macht man das am besten? Natürlich mit tollen Veranstaltungen – wenn wir sie denn durchführen können. Mit musikalischen Ereignissen, Konzerten, Gottesdiensten. Aber auch natürlich mit Ausstellungen, die die Geschichte dieses Hauses näherbringen wird. Aber wir wollen natürlich vor allem auch niederschwellig herangehen. Wir wollen die Kinder und Jugendlichen in diesen Dom bekommen. Wir wollen die Merseburger Zaubersprüche wieder zum Erklingen bringen. Wir werden sie im Original – ausnahmsweise – wieder zeigen. Und viele, viele weitere Aktivitäten.

Einige Höhepunkte würden mich interessieren. Und dann auch Ihre Gedanken zu den Möglichkeiten angesichts der Pandemie und der Maßnahmen, die da getroffen werden. Mir mehr fällt immer als ganz abschreckendes und ganz schlimmes Beispiel das Beethovenjahr ein. Wo man ja auch immer weiter nach hinten verschoben hat, um dann schließlich zu sagen: Okay, das wird nichts mehr. Da war viel, viel Mühe und viel, viel Liebe vergeblich investiert.

Ja, davor sind wir natürlich auch nicht gefeit. Aber die Zeichen sind doch eigentlich optimistischer zu deuten, wenn wir jetzt an das Impfen denken und vielleicht dann doch das Licht am Ende des Tunnels erblicken. Vielleicht spätestens ab Mai, so hoffen wir zumindest.

Was machen wir? Wir wollen im Mai die verloren gegangenen Schatzstücke, die sich in den Dresdner Kunstsammlungen befinden, nach Merseburg zurückholen. Für die Zeit bis Ende Oktober sollen sie dann zu sehen sein. Wir wollen am 24. Juni auf dem Domplatz den Festtag Johannes des Täufers damit feiern, dass wir den Brunnen auf dem Domplatz wieder mit Wasser versehen und dann sozusagen auch wieder einen Ort der Begegnung auf diesem bisher viel zu leeren Platz schaffen werden.

Außenansicht des Merseburger Doms
Freie Fläche vor dem Dom Bildrechte: MDR/Christiane Fritsch

Ja, und alle Bemühungen kulminieren dann eigentlich auf diesem 1. Oktoberwochenende vom 1. bis zum 3., da hat die Stadt auch ihre wichtigsten Feste, das Zauberfest und den Schlossumzug, zusammengelegt, so dass wir in diesen drei Tagen – und bis dahin ist die Pandemie bestimmt vorbei, so hoffen wir zumindest – ganz viele Menschen nach Merseburg bekommen werden. Da wird es ein Lichterfest geben, der Dom wird inszeniert. Und alles das, was viele interessiert, werden wir in diesem Dom bieten können.

Und das Ganze unter dem Motto "Geweiht für die Ewigkeit". Da könnte man sagen 'erwiesen wahre Tatsachenbehauptungen' oder man könnte sagen 'grandioses Selbstbewusstsein, was da spricht'.

Na ja, es stimmt ja. Er ist 1021 geweiht worden, tausend Jahre sind um – und die Ewigkeit steht vor uns. Mal sehen, wie weit wir kommen werden.

Das Interview führte Thomas Bille für MDR KULTUR.

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Außenansicht des Merseburger Doms 4 min
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Logo MDR 29 min
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Am Sonnabend starten in Merseburg die 48. Orgeltage. Zeit für einen Ausblick mit Domorganist Michael Schönheit bei Beatrice Schwartner im MDR KLASSIK-Studio.

MDR KLASSIK Mo 03.09.2018 09:05Uhr 29:27 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Januar 2021 | 12:10 Uhr

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