Sensationsfund Schloss Friedenstein Gotha entdeckt bedeutende Orient-Sammlung neu


Kerstin Volker-Saad, Ethnologin, und Tobias Pfeifer-Helke, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein, betrachten eine Panflöte aus dem osmanischen Reich.
Ethnologin Kerstin Volker-Saad und Tobias Pfeifer-Helke, Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein, begutachten die wiederentdeckte Sammlung. Bildrechte: dpa

In der rund 3.000 Objekte umfassenden ethnologischen Sammlung der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha konnten 140 Objekte dem bedeutsamen Orientforscher Ulrich Jasper Seetzen (1767-1811) zugeordnet werden. Wie die Ethnologin Kerstin Volker-Saad der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag mitteilte, gleiche der Fund einer Sensation, da es sich dabei um die früheste orientalische Sammlung in Deutschland handele.

Größter Seetzen-Bestand in Deutschland

Ulrich Jasper Seetzen war Studienkollege von Alexander von Humboldt und galt um 1800 als einer der großen Forscher seiner Zeit. Mit seinen Ankäufen von orientalischen Antiquitäten, Druckwerken und Naturalien für Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg vermehrte er die Gothaer Sammlung. Der geplanten Gründung des ersten orientalischen Museums in Deutschland kam Seetzens Tod auf einer Sammlungsreise im Jahr 1811 im Jemen voraus, so Kerstin Volker-Saad.

Sammlung in Vergessenheit geraten

Ethnologin Volker-Saad arbeitet seit anderthalb Jahren an der Digitalisierung der ethnologischen Sammlung in Gotha und hatte dafür auch alte Inventare aus dem Jahr 1830 ausgewertet. Dabei stieß sie auf zahlreiche Sammlungsgegenstände, die Seetzen nach Gotha geschickt hatte und die ab 1975 nicht mehr in den Inventaren erwähnt worden waren und in Vergessenheit gerieten.

Zu der jetzt wiederentdeckten Seetzen-Sammlung gehören neben Stoffproben unter anderem Musikinstrumente wie eine Panflöte aus dem osmanischen Reich, ein Modell des Heiligen Grabes und ein Koranhalter. Zum Gothaer Seetzen-Bestand zählen außerdem Handschriften, Gesteine, ein Schiffskompass oder eine Federhülse, die als Kopfschmuck für einen osmanischen Soldaten diente.

Eine Federhülse, die als Kopfschmuck für einen osmanischen Soldaten diente, wird von der Stiftung Schloss Friedenstein präsentiert.
Federhülse osmanischer Soldaten Bildrechte: dpa

Geplante Sonderschau im Herzoglichen Museum

Um die einstige internationale Bedeutung der Gothaer Sammlungen wieder sichtbar zu machen, soll der jetzige Fund in ein paar Jahren in einer Sonderschau im Herzoglichen Museum gezeigt werden. Frühestens ab 2026 wird ferner ein Teil der orientalischen Objekte laut Stiftungsdirektor Tobias Pfeifer-Helke in dem dann sanierten Westflügel des Schlosses dauerhaft ausgestellt. Bereits ab Herbst 2022 soll die Seetzen-Sammlung digital präsentiert werden.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 27. Dezember 2021 | 06:30 Uhr

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