Feininger-Galerie Ausstellung von Sabine Moritz in Quedlinburg: Einblick in das Leben in Jena-Lobeda

Die Künstlerin Sabine Moritz präsentiert in der Feininger-Galerie in Quedlinburg die Ausstellung "Lobeda oder die Rekonstruktion einer Welt". An der Werkreihe, die 130 Arbeiten umfasst, hat Moritz bereits Anfang der 90er-Jahre gearbeitet. Sie gibt einen Einblick in die Lebenswelt in der Plattenbausiedlung Jena-Lobeda, wo die gebürtige Quedlinburgerin aufwuchs. Die Schau ist bis zum 8. Januar 2023 zu sehen.

Mehrere Werke von Sabine Moritz hängen an einer Wand in der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg.
Sabine Moritz gibt mit ihrem Zyklus einen Einblick in das Leben in Jena-Lobeda. Bildrechte: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Foto: Ray Behringer

Eine Einzelausstellung einer international renommierten Künstlerin, die noch dazu aus Quedlinburg stammt – das hat es in der Lyonel-Feininger-Galerie wohl noch nicht gegeben. Sabine Moritz zeigt ihre Werkgruppe Lobeda: 130 Arbeiten, darunter Zeichnungen, Farbstudien, Gemälde und Fotografien.

Damit passt sie perfekt ins Programm, wie Galerie-Leiterin Gloria Köpnick sagt. Schließlich verstehe man sich auch als Museum für grafische Künste. "Ich denke, dass gerade die Zeichnungen auch etwas sind, was Lust macht einzutauchen – auch bei Feininger. Dieser Zyklus steht ganz am Anfang vom Werk von Sabine Moritz, die heute als Malerin international ausstellt." Von Seoul bis New York habe Moritz ihr Arbeiten präsentiert und jetzt eben auch in ihrer Geburtsstadt Quedlinburg.

Aufgewachsen in der Plattenbausiedlung Lobeda

Vielen war es bisher vielleicht gar nicht bewusst, dass Sabine Moritz aus Quedlinburg stammt. 1969 geboren, zog sie bald nach Gatersleben und nach dem Tod ihres Vaters nach Jena-Lobeda, wo sie bis 1985 ihre Kindheit und Jugend verbrachte.

Eine Frau mit dunklen Haaren und dunkler Kleidung sitzt in einem Bürostuhl vor einem Gemälde.
Sabine Moritz wurde 1969 in Quedlinburg geboren. Bildrechte: Hermes Villena

Eben diese Lebensstation in der Plattenbau-Trabantenstadt, beschreibt der hier gezeigte Zyklus, wie die Künstlerin selbst erzählt. "Als ich die ganze Serie angefangen habe, habe ich dagesessen und mich erinnert. Und da war es auch Teil von, praktisch Orte, an denen ich gewesen bin und zu denen ich einen Bezug habe, bildnerisch umzusetzen."

Das mache Sabine Moritz mit einer unglaublichen Detailtreue, sagt Museumschefin Köpnick. Ob als Zeichnungen auf dem Papier oder in Öl auf Leinwand – ihre künstlerischen Erinnerungen an Plätze, Häuser, Zimmer oder Möbel geben einen eigenwilligen Blick in die ostdeutsche Lebenswelt.

Es ist das Sichtbarmachen einer Vergangenheit, und das so detailliert, dass man den Türgriff fast greifen kann. Und in der Vielfalt der Blätter wird diese Welt lebendig, wird sie anschaulich. Man kann sie fast begehen, kann durch die Welt dieser Plattenbausiedlung von Jena-Lobeda wandern.

Gloria Köpnick Museumsleiterin

Mehrere Werke von Sabine Moritz hängen an einer Wand in der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg.
Ob Zeichnung oder Ölgemälde, die Detailtreue lassen die Kunstwerke lebendig wirken. Bildrechte: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Foto: Ray Behringer

Heute lägen ihre Arbeiten allerdings schon fast 30 Jahre zurück, resümiert Moritz. Da verlagerten sich die Gefühle. 1985 war sie mit ihrer Mutter in den Westen übergesiedelt, '89 begann sie ein Kunststudium in Offenbach. Von dort wechselte Moritz an die Kunstakademie in Düsseldorf, lernte bei Markus Lüpertz und ihrem späteren Ehemann Gerhard Richter. In der Malereiklasse im Westen sei ihr Thema allerdings auch auf Unverständnis gestoßen, erinnert sich die 53 Jahre alte Künstlerin. "Ich glaube, die haben sich eher gewundert und befanden das sehr befremdlich, weil es eben keine Welt war, die sie kannten und die sie natürlich auch nur mäßig interessiert hat."

Heute scheint gerade diese "doppelte Perspektive" wieder interessant, findet Köpnick. Natürlich unterscheide sich die Erinnerung der Betrachter, die im Westen aufgewachsen seien, von denen aus dem Osten. Allein das könnte in Quedlinburg zu einem regen Besucheraustausch führen.

Blick auch auf die Gegenwart

Gleichzeitig wollte Moritz aber nicht in der Vergangenheit steckenbleiben, wie sie sagt. So ist sie 2020 noch einmal nach Lobeda gefahren und hat Fotos mitgebracht. Das entspreche inzwischen vielmehr ihrer heutigen Arbeitsweise. Wie auch die ganz abstrakten Porträts, die ebenfalls in der Schau zu sehen sind.

Da allerdings könnte das Selbstbildnis manch Besucherin oder Besucher zum Nachdenken bringen, denn wer den Wikipedia-Eintrag zu ihr gelesen hat weiß: Sabine Moritz ist zu Beginn eher als Motiv denn als Künstlerin bekannt geworden: Ihr weltbekannter Ehemann Gerhardt Richter hatte sie mehrmals gemalt. Eines dieser Porträts wurde für 2,33 Millionen Dollar bei einer Auktion verkauft. Auch das erzählt wohl einiges über diese doch außergewöhnliche Künstlerinnenbiografie.

Mehrere Werke von Sabine Moritz hängen an einer Wand in der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg.
130 Arbeiten der Künstlerin werden in Quedlinburg gezeigt. Bildrechte: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Foto: Ray Behringer

Mehr zur Ausstellung Sabine Moritz: "Lobeda oder die Rekonstruktion einer Welt"
28. August 2022 bis 8. Januar 2023

Lyonel-Feininger-Galerie
Museum für grafische Künste
Schlossberg 11
06484 Quedlinburg

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag: 10 bis 18 Uhr
Dienstag: geschlossen

Eintritt:
Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 5 Euro
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren sind frei.

Redaktionelle Bearbeitung: Cornelia Winkler

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. August 2022 | 07:40 Uhr

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