Wiedereröffnung Romantikerhaus in Jena: Neusaniert, neuer Direktor, neue Pläne

Die Stadt Jena gilt als eine wichtige Wiegestätte der Romantik, der wichtigen Kunstströmung des 19. Jahrhunderts. Daran erinnert das "Romantikerhaus". Das Museum ist nun seit fast einem Jahr geschlossen – wegen Sanierungsarbeiten nach einem schweren Frostschaden. Mittendrin ist der neuen Museumsleiter aktiv und macht sich Gedanken über die künftige Ausrichtung des historischen Gebäudes. Ein Baustellenbesuch.

Romantikerkaus in Jena
Bildrechte: dpa

Um 1800 zählt das Universitäts-Städtchen Jena nur etwa 5.000 Einwohner. Doch zu dieser Zeit ist es das Zentrum der deutschen Geistesgeschichte. Goethe und Schiller, Hölderlin, Schelling, Novalis, Tieck, die Gebrüder Schlegel sind vor Ort, auch den jungen Hegel zieht es nach Jena. Ein beliebter Treffpunkt ist das Wohnhaus des Philosophen Johann Gottlieb Fichte. Dieser authentische Ort ist erhalten geblieben und als "Romantikerhaus" bekannt.

Das Literaturmuseum zur Jenaer Frühromantik ist aber schon länger geschlossen, allerdings nicht wegen Corona. In einer Frostnacht im letzten Februar hat ein geplatztes Wasserrohr auf dem Dachboden immensen Schaden am über 300 Jahre alten Gebäude verursacht. Die Sanierungsarbeiten sind inzwischen abgeschlossen, die Wiedereröffnung des Hauses lässt noch auf sich warten.

Neuer Leiter im frisch sanierten Jenaer Romantikerhaus

Überall riecht es nach Farbe, Umzugskisten stehen in den Räumen, Techniker montieren Lampen. Das Wiedereinrichten der Ausstellungsräume ist in vollem Gange. Max Pommer, seit Mitte Oktober vergangenen Jahrs der neue Chef im Haus, koordiniert die Arbeiten und packt selbst an. Glück im Unglück, sagt er, dass die Exponate kaum Schaden genommen haben. Dafür hatte es das "Hauptexponat", das historische Wohnhaus, hart getroffen. Vor allem den Nordwestflügel.

Blick auf die beschädigte Decke eines historischen Gebäudes.
Durch Frost ist die historische Lehmdecke des Romantikerhauses in Jena durchgebrochen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die mit Wasser vollgesogenen Lehmdecken waren teils abgestürzt - eine Baustelle über drei Etagen. Nun sind Decken und Wände wieder denkmalgerecht hergerichtet. Und nicht nur das, so Pommer. Dem Kulturbetrieb JenaKultur und dem städtischen Unternehmen Kommunale Immobilien Jena sei es zu danken, dass sie die anstehende Sanierung auch zum Anlass genommen haben, das Haus zu modernisieren.

Das Romantikerhaus ist moderner geworden

Nicht nur der Kassenbereich im Erdgeschoss ist neu gestaltet. "Auch so etwas wie die Brandschutzmeldeanlage, Netzwerktechnik und Überwachungstechnik sind auf den neuesten Stand gebracht worden", freut sich Pommer. WLAN gibt es nun im ganzen Haus. So hat das Schlechte mitunter auch Gutes, denn eine Haussanierung wäre ohne den Wasserrohrbruch wohl kaum drin gewesen. Momentan hat der 31-Jährige, der aus Hildburghausen in Südthüringen stammt und in Jena Kunstgeschichte und Germanistik studierte, alle Hände voll zu tun, die Dauerausstellung wieder zu gestalten. Dabei setzt er auf Bewährtes: "Die Ausstellung bleibt die altbekannte und den Besuchern auch vertraute", so Pommer.

Zimmer mit Sitzecke, Gemälden und Schautafeln im Romantikerhaus Jena
Glücklicherweise sind die Exponate im Jenaer Romantikerhaus unbeschädigt geblieben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Inzwischen sind alle ausgelagerten Exponate zurück, die meisten auch schon an ihrem angestammten Platz. Der Salon der romantischen Gesellschaft im ersten Obergeschoss ist wieder eingerichtet, auch der Veranstaltungsraum mit der installierten Theaterbühne. Noch fehlen ein paar Bilder an den Wänden oder Schilder zu den Exponaten. Pommer hält hier, unterstützt von den Haustechnikern der Städtischen Museen, die Fäden in den Händen – und findet das auch gut so. Der junge Museumsleiter ist sich der Verantwortung bewusst, sieht aber auch die Chance. "Wenn so ein Haus in der Stadt existiert und für die Geschichte der Stadt auch so wichtig ist, dann ist das eine tolle Chance, sich einzubringen." Hinzu kämen noch Wechselausstellungen mit großer thematischer Vielfalt. Was bedeutet, schwärmt Pommer, die Aufregung höre nie auf.

Drei Sonderausstellungen für dieses Jahr geplant

Eine schon lange für das Romantikerhaus angedachte Neukonzeption der Dauerausstellung ist vorerst auf Eis gelegt. Von seinen Vorgängern, so Pommer, liege da schon klug Angedachtes dazu in den Schubläden. Daran will er anknüpfen, doch zunächst erstmal den Museumsbetrieb wieder zum Laufen bringen. Mit Sonderausstellungen kann er erste eigene Akzente setzen. Drei sind für dieses Jahr geplant. Die erste macht mit dem Werk der 2007 verstorbenen Schweizer Grafikerin, Illustratorin und Buchkünstlerin Warja Lavater bekannt, kündigt Pommer an. Zu sehen sind unter anderen Märchen-Leporellos von ihr.

Blick in einen Raum mit kaputter Decke und unverputzten Wänden
Durch den Wasserschaden brach eine Decke durch und verursachte zahlreiche Schäden im Gebäude. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Natürlich feiert das Romantikerhaus auch den wohl bedeutendsten Vertreter der deutschen Frühromantik Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis. Anlässlich seines 250. Geburtstages gibt es im Sommer eine Ausstellung, in deren Zentrum eine Klanginstallation des Jenaer Künstlers Tim Helbig stehen soll. Zum Jahresende plant Pommer noch eine Würdigung der Schriftstellerin Adele Schopenhauer. Volles Programm und viel Arbeit für den neuen Macher, der hofft, ab Anfang April wieder Besucher im Jenaer Romantikerhaus begrüßen zu können.

Weitere Informationen Literaturmuseum Romantikerhaus
Unterm Markt 12a
07743 Jena

Das Museum bleibt wegen Sanierungsmaßnahmen bis auf Weiteres geschlossen.

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 23. Januar 2022 | 18:00 Uhr

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