Ausstellung "Saurier – Die Erfindung der Urzeit" Schloss Friedenstein Gotha erforscht Saurier-Mythos

Unsere Fantasie ist gewaltig, wenn wir an Saurier denken. Wir haben Bilder von aufgebauten Skeletten in Naturkundemuseen vor Augen und staunen, wenn wir die animierten Tiere in Filmen wie "Jurassic Park" sehen – oftmals in der Rolle der angsteinflößenden Giganten. Der Erforschung unserer Wahrnehmung von Saueriern geht vom 5. Juni bis zum 22. August 2021 eine Ausstellung im Herzoglichen Museum auf Schloss Friedenstein in Gotha nach. Der Titel: "Saurier – Die Erfindung der Urzeit".

Saurierskelett in der Ausstellung
Ein Blick in die Ausstellung "Saurier – Die Erfindung der Urzeit" im Herzoglichen Museum Gotha. Bildrechte: Susanne Hörr

Das Thema "Saurier" begeistert Tom Hübner schon seit der Kindheit. Der Paläontologe an der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha ist heute 42 Jahre alt und selbst Familienvater. Er weiß, in jedem Kinderzimmer gibt es heute irgendetwas, das mit Sauriern zu tun hat: Bücher, Spielzeug, Plüschtiere. Bei ihm war es ein Quartett-Spiel, was den Kick vermutlich ausgelöst hat. Denn Saurier, sagt er, gäben bis heute Rätsel auf. Des Rätsels Lösung versucht Hübner in der von ihm kuratierten Ausstellung "Saurier – die Erfindung der Urzeit" zu ergründen. Im Herzoglichen Museum der Stiftung Friedenstein hat er eigens dafür eine Zeitreise kreiert: Denn Saurier seien Kulturphänomene, und unser Blick auf die Spezies habe sich über die Jahrhunderte gewandelt, sagt Hübner.

Saurierskelett in der Ausstellung 4 min
Bildrechte: Susanne Hörr

MDR KULTUR - Das Radio Di 08.06.2021 06:00Uhr 04:04 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Saurierskelett in der Ausstellung 4 min
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MDR KULTUR - Das Radio Di 08.06.2021 06:00Uhr 04:04 min

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Vorstellungen über Saurier im Wandel der Zeit

aurier-Animation
Saurier-Animationen lassen heute die Urgewalt der Tiere erahnen. Bildrechte: LWL-Museum für Naturkunde

Gleich zu Beginn der Ausstellung findet sich ein drei Meter hohes Saurierskelett. Das Tier nennt sich Iguanodon, der Leguanzahn. Dabei handele es sich um einen richtigen Dinosaurier, einen Pflanzenfresser, den man gern die "Kuh der Kreidezeit" nenne, erklärt Hübner: "Dieses Tier ist symptomatisch dafür, wie sehr sich unsere Vorstellungen von Sauriern verändert haben, seit wir sie vor 200 Jahren so halbwegs kennengelernt haben."

Damals wurden ein paar Zähne und große Knochen gefunden. Doch keiner wusste wirklich, wie so ein Tier aussah, wie es sich bewegte und in welcher Umgebung es lebte. Hübner führt fort: "Auch den Begriff Dinosaurier gab es damals um 1825 noch nicht. Mit der Zeit hat sich das Tier in unserer Sichtweise stark geändert, wurde zu einer Art Reptil-Nashorn, dann zu einer Art Riesenkänguru, bis es dann das heutige moderne Tier wurde, dass sowohl auf allen Vieren als auch aufgerichtet laufen kann."

290 Millionen Jahre alte fossile Funde am Bromacker

Die Ausstellung führt zu den damaligen Erkenntnissen der Zeit bis in die Gegenwart: Wie werden Saurier in Filmen, in Büchern, auf Bildern dargestellt? Was weiß man heute? Denn: "Die Urzeit haben sich Menschen 1950 völlig anders vorgestellt als heute", weiß Hübner. Auch Herzog Ernst der Fromme, der im 17. Jahrhundert in Gotha residierte, muss fasziniert gewesen sein von jenen Wesen, die man damals nur durch Knochenfunde kannte. Es war eine Zeit, in der das Anlegen von Naturkabinetten und Kunstkammern "en vogue" war. Naturalien hätten da schon immer eine große Rolle gespielt, ob bearbeitete Straußeneier oder Muschelschalen, so Hübner.

Von der Naturkunde zur Kunst spannte sich der Bogen von der Wissenschaft zu dem, was man seit dem späten 19. Jahrhundert auf dem Gelände mit dem Namen Bromacker bei Tambach-Dietharz fand: Skelett-Abdrücke von Ursauriern, circa 290 Millionen Jahre alt.

Tambacher Liebespaar
Zu den bedeutendsten Funden am Bromacker gehören die beiden Skelette, die den Beinamen "Tambacher Liebespaar" erhielten.  Bildrechte: Thomas Wolf / Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Heute kann man mit Computertomographie-Scans viel mehr erfahren, etwa in versteinerte Schädel hineinschauen und am Sitz des Gehirns viel über Kopfhaltung, Bewegung und die Eigenschaften des Tieres ablesen, so dass jedes Jahr mehrere neue Arten beschrieben werden. Einige davon sind Teil der Ausstellung auf Schloss Friedenstein, die in mehreren Räumen Bilder, Filme, Fossilien, Meerestiere und Spurenplatten zeigt – ein Streifzug durch die Geschichte der Entdeckung der Saurier.

Mehr Informationen Die Ausstellung "Saurier – Die Erfindung der Urzeit" im Herzoglichen Museum Gotha ist ab dem 5. Juni bis 22. August 2021 von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Bitte beachten Sie die aktuellen Zugangsregelungen aufgrund der Corona-Pandemie auf der Website der Stiftung Schloss Friedenstein.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juni 2021 | 08:10 Uhr

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