Sanierung auf der Zielgeraden Neues Museum für Silbermanns Orgeln in Frauenstein

Wer in Frauenstein, dem Geburtsort Gottfried Silbermanns, auf den Spuren des barocken Orgelbauers ist, hat derzeit schlechte Karten: Denn während das alte Museum im Schloss bereits geschlossen ist, hat das künftige Museum direkt am Frauensteiner Markt noch nicht geöffnet. In einem Eckhaus entsteht das neue Domizil für Silbermanns Instrumente und erfüllt damit die Forderung von Stadtplanern und Stadtökologen, wieder mehr im Bestand zu bauen.

Die Ruine der Burg Frauenstein befindet sich auf einem 680 Meter hohen Granitfelsen auf dem Kamm des Osterzgebirges bei der Stadt Frauenstein im Landkreis Mittelsachsen
Bisher beherbergte Schloss Frauenstein das Museum "Gottfried Silbermann". Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Frauenstein ist Silbermannstadt – hier orgelt auf Knopfdruck sogar der Marktbrunnen. Geboren allerdings ist der berühmte Instrumentenbauer Gottfried Silbermann im nahen Kleinbobritzsch. Bürgermeister Reiner Hentschel präsentiert stolz seine prominenteste Baustelle: Ein Eckgebäude neben der Grundschule im Herzen Frauensteins, direkt am Markt. Das Gebäude sei über viele Jahre in Privatbesitz gewesen, erklärt Hentschel. 2016 erwarb die Kommune das Eckhaus. Mit dem Ausbau löst die Stadt gleich zwei Probleme: Das Schloss, mittlerweile privatisiert, steht nicht länger für das Museum zur Verfügung und das denkmalgeschützte, aber heruntergekommene Geschäftshaus, entstanden um 1870 nach einem der großen Stadtbrände, störte den Gesamteindruck des ansonsten herausgeputzten Marktes.

Denkmalgeschütztes Gebäude am Frauensteiner Markt
In diesem denkmalgeschützten Gebäude am Frauensteiner Markt eröffnet das künftige Gottfried-Silbermann-Museum im November für Besucherinnen und Besucher. Bildrechte: Klaus Gigga

Unvorhersehbare Komplikationen

Sanierung und Umbau sind jetzt auf der Zielgeraden, sorgten aber immer wieder für Überraschungen, bestätigt Architekt Thomas Schindler: "Wir wussten schon, dass man den Dachstuhl erneuern muss, aber wir haben lange Zeit gedacht, dass man die Geschossdecken erhalten kann. Nach dem Baubeginn haben wir gesehen, in welchem Zustand die Außenwände sind, die teilweise mit Material der Brandruine errichtet worden waren. Da gab es einfach Bedarf, das statisch zu ertüchtigen."

Regionale Firmen aus dem Erzgebirge

Schindlers Architekturbüro h.e.i.z.Haus aus Dresden hat sich mit dem Büro Bauentwurf Pirna zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengetan, um die komplexe Bauaufgabe zu steuern. Sein Kollege Thomas Vetter lobt ausdrücklich die Kommune als Bauherrin und die Handwerker und Bauleute: "Ein Rohbauer aus Clausnitz, ein Zimmermann aus Frauenstein, ein Putzer und ein Maler aus Altenberg" – bei den beteiligten Firmen handele es sich ausschließlich um Firmen aus der Region des Erzgebirges, so Vetter.

Markt mit Postmeilensäule und Rathaus, im HIntergrund das Schloss
Gottfried Silbermann wurde 1683 in Kleinbobritzsch in Frauenstein geboren. Bildrechte: imago images/Hanke

Nicht nur das Museum zieht in das Haus Markt 4 ein: Ins Erdgeschoss kommt die Tourist-Information, in die Kellergewölbe, den ältesten Teil des Hauses, eine stadtgeschichtliche Ausstellung und für Silbermann geht's nach oben. Die Kernidee sei gewesen, einen adäquaten Raum für die Museumsorgel zu schaffen, so Schindler.

Neu entworfener Raum für Orgel und Instrumente

Der Raum für die Orgel und andere Silbermann-Instrumente ist eine völlig neue Schöpfung und die Architekten hoffen, dass dieser von der Höhe und seiner Emporensituation einer Dorfkirche entspricht. Schindler hofft, "dass sich der Klang der Orgel hier gut entfalten kann, vielleicht sogar besser als in den alten Räumlichkeiten."

Blick in das neue Silbermann-Museum
Ein Blick in das künftige Gottfried-Silbermann-Museum in Frauenstein. Bildrechte: Klaus Gigga

Entstanden ist ein kleiner Konzertsaal, 72 Quadratmeter groß, zwei Etagen hoch, mit variabler Bestuhlung, mit Eichendielen und akustisch wirksamen Oberflächen. Alle Systeme, die in einem großen Konzertsaal vorkommen, gebe es hier auch, unter anderem eine ausgeklügelte Lichtanlage für verschiedene Lichtszenen und –stimmungen, so Vetter. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass es sich gleichzeitig um einen Museumsraum handele, der sich für die Konzertsituation eignen müsse. Zudem gebe es eine Lüftungsanlage, die sehr zugfrei für gute Luftqualität sorge.

Mit Komplikationen wuchsen auch die Kosten

Die eigentliche Ausstellung zu Silbermann findet dann auf der Empore Platz. Das Haus ist natürlich barrierefrei, der Fahrstuhlschacht musste extra angebaut werden, wer in der gläsernen Kabine nach oben schwebt, hat einen wunderbaren Blick in die Landschaft.

Innenaufnahme der Katholischen Frauenkirche mit Kirchenorgel von Gottfried Silbermann
Silbermanns Kirchenorgel in der Frauenkirche. In Frauenstein findet sich übrigens eine Kopie der Silbermann-Orgel im Bremer Dom. Bildrechte: imago/imagebroker

Mit den unvorhersehbaren Komplikationen wuchsen natürlich auch die Kosten. Aus den ursprünglich geplanten 1,7 Millionen Euro wurden 2,3 Millionen Euro. Verschiedene Städtebauförderprogramme konnten für den Großteil der Summe in Anspruch genommen werden. Für Bürgermeister Reiner Hentschel eine Investition in die Zukunft:

In Verbindung mit der Burgruine haben wir jedes Jahr weit über zehntausend Besucher. Für den kleinen Ort Frauenstein ist das sehr viel und das zeigt die Bedeutung gerade für diese Nische der Kultur Orgelbau.

Reiner Hentschel, Bürgermeister von Frauenstein

Für die Besucherinnen und Besucher öffnen sich im November die Türen. Die Architekten und Bauingenieure stecken dann schon in den nächsten Projekten: mit dem Lohgerbermuseum in Dippoldiswalde und der Burg Hohnstein in der Sächsischen Schweiz sind es wieder interessante, denkmalgeschützte Gebäude.

Schriftzug von Gottfried Silbermann am Silbermannhaus
In Sachsen gibt es noch einen weiteren Pilgerort für Orgelfans: Das Silbermann-Haus am Schloßplatz in Freiberg war einst Wohnort und Arbeitsplatz Gottfried Silbermanns. Bildrechte: imago/Hanke

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Juni 2021 | 08:15 Uhr

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