Museum Kloster Veßra Wie Thüringer Künstler mit Kunst aus der Coronazeit Begegnungen schaffen wollen

Coronabedingt verschwanden viele regionale Künstler in ihren Ateliers. Die Kunst, die währenddessen dort entstand, will das Museum Kloster Veßra in Thüringen nun in einer Ausstellung der Öffentlichkeit zeigen. An den Wochenenden sollen dabei die Kunstschaffenden aus Thüringen und Besucherinnen und Besucher ins Gespräch kommen.

Andrea Magdalena Molter, Traum-Zeit1, 2021, Acryl, Leinwand
Andrea Magdalena Molter ist eine der ausstellenden Kunstschaffenden Bildrechte: Museum Kloster Veßra

"NOCH DA! Kunst in Zeiten von Corona" – so heißt die neue Ausstellung im Hennebergischen Museum Kloster Veßra. Noch bis zum 24. April sind dort Werke ausschließlich Südthüringer Künstler zu sehen. Das ist ungewöhnlich. "Wir wollen zeigen, dass es Kunst und Kultur trotz der vielen coronabedingten Zwangspausen gibt", sagt Museumsdirektorin Claudia Krahnert. Die mit viel Liebe gestalteten Kunstausstellungen "FranksReich – Fantastische Fotografien + Textilkunst" sowie "Wir malen die Welt bunt. Kunstwerke aus den Reha-Werkstätten Schleusingen" fanden im Museum wegen der Pandemie kaum Beachtung.

Claudia Katrin Leyh, Bedenkenträger, 2020, Bronzeguss, Farbe
Ob Bronze, Malerei oder Skulpturen (wie hier im Bild die "Bedenkenträger") - in der Ausstellung wird präsentiert, was während der Zeit der Lockdowns entstanden ist. Bildrechte: Claudia Katrin Leyh

Damit Künstler aus der Region aber wieder wahrgenommen und gesehen werden, hat das Museum Anfang des Jahres einen Aufruf für die Südthüringer Kunstausstellung gestartet. Mehr als 40 Künstler aus der Region hatten sich daraufhin mit ihren Werken online beim Museum beworben. Eine fünfköpfige Jury Kulturschaffender wählte schließlich zehn Künstler aus.

Im Lockdown entstanden: Mutanten aus Gips und Papier

Benedikt Solga im Gespräch mit Erlich MDR Kultur 1
Benedikt Solga im Gespräch mit Bettina Ehrlich Bildrechte: Museum Kloster Veßra

Einer der Auserwählten ist Benedikt Solga. Der Bildhauer aus dem knapp 15 Kilometer entfernten Rappelsdorf bei Schleusingen zeigt drei etwa 50 Zentimeter große Gipsfiguren. Solga nennt sie "Herr S". Alle drei haben ihre Hände in den Hosentaschen und sind barfuß. Die Köpfe der Figuren jedoch sind aus Papier und wirken merkwürdig deformiert. "Ja das sind Mutanten", lacht Solga. "Herr S. ist meine Phantasiefigur, mit der kann ich mich verbiegen und kreativ sein." Natürlich seien die drei Skulpturen im Lockdown entstanden. "Sind wir doch mal ehrlich, wir Künstler wurschteln in unseren Ateliers vor uns hin, und da ist so ein bisschen Ruhe und Runterfahren gar nicht mal schlecht", sagt der Bildhauer. Nur jetzt werde es langsam Zeit, dass die Werke endlich mal wieder unter die Leute kommen. Und genau deshalb sei er enorm dankbar für diese Ausstellung.

Steffen Harzer: Vom Bürgermeister zum Künstler

Steffen Harzer, Ohne Namen - Aquarell-A4
Ein weiteres Ziel der Kunstschaffenden: Mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch kommen. Bildrechte: Museum Kloster Veßra

Für den Maler Steffen Harzer aus Hildburghausen ist es eine "wahnsinnige Ehre", Teil dieser Ausstellung sein zu dürfen. Harzer war Bürgermeister der Kreisstadt und für die Linke Abgeordneter im Thüringer Landtag. Erst seit vier Jahren beschäftigt er sich mit Kunst. "Ich probiere gerade viel aus und bin noch auf der Suche", sagt er. Er ist in Kloster Veßra mit fünf Bildern vertreten. Eine Bleistiftzeichnung mit einem Sessel, eine Collage mit dem Titel "Fälschungssicher" erinnert an ein Ausweisdokument und das Bild ohne Namen zeigt dunkle Äste und Gräser.

"Ich bin vor allem neugierig auf die Begegnungen mit den Besuchern", sagt Harzer. Immer an den Wochenenden sollen Künstler vor Ort sein, um sich über die Schultern schauen zu lassen. Gerade das habe in den letzten Monaten doch sehr gefehlt.

Glaskunst aus dem Thüringer Wald

Sachs Christian Skulptur DIE WÜRDE DES ANDEREN Borosilikatglas Schiefer Edelstahl
Christian Sachs und seine Skulptur "Die Würde des Anderen" (Borosilikatglas Schiefer Edelstahl) Bildrechte: Museum Kloster Veßra

Ein Blickfänger in der Ausstellung ist eine Stele des Glaskünstlers Christian Sachs aus Masserberg im Thüringer Wald. Er nennt sie "Die Würde des Anderen". Den Sockel fertigte er aus Schieferplatten und die Stele aus ineinander verschlungenen Glassträngen ohne Anfang und Ende.

"NOCH DA! Kunst in Zeiten von Corona" ist gerade wegen der Vielfalt sehenswert. Die Ausstellung lässt dem Betrachter spüren, wie unterschiedlich Künstler mit Ausnahmesituationen wie der Corona-Pandemie umgehen. Das besondere Plus sind die an den Wochenenden geplanten Treffen der Künstler mit den Besuchern. So hautnah erlebt man Kunstschaffende schließlich nur selten. Besonders in Südthüringen.

Annique Görlach, Pretty Kitchen, Pretty Rooms, 2020, Acryl, Marker,  Leinwand
Die Ausstellung soll vor allem Künstler und Künstlerinnen aus der Region Südthüringen eine Bühne bieten. Bildrechte: Museum Kloster Veßra

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | 01. März 2022 | 18:00 Uhr

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