Trauer Thüringer Künstler Klaus Nerlich gestorben

Sein Engagement galt dem Nachwuchs sowie den freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern im Freistaat. Noch im Mai 2021 war er dafür von Ministerpräsident Ramelow mit dem Thüringer Verdienstorden ausgezeichnet worden. Am Sonntag ist der Gestalter, Zeichner und Fotograf Klaus Nerlich, der in Erfurt und Weimar wirkte, im Alter von 69 Jahren gestorben.

Klaus Nerlich
Klaus Nerlich auf der Kunstmesse artthuer 2012 Erfurt Bildrechte: imago/Karina Hessland

Der Thüringer Künstler und Architekt Klaus Nerlich ist tot. Wie der Verband Bildender Künstler Thüringen am Montag mitteilte, starb er am Sonntag nach schwerer Krankheit im Alter von 69 Jahren im Kreis seiner Familie. Nerlich habe sich große Verdienste um Kunst und Kultur im Freistaat erworben, hieß es im Nachruf. Noch im Mai 2021 sei er dafür von Ministerpräsident Ramelow mit dem Thüringer Verdienstorden ausgezeichnet worden.

Er war ein wichtiger Mentor für viele Künstlerinnen und Künstler, auch ein Berater im Hinblick auf das freischaffende Leben, das zu führen ja eine große Entscheidung ist. Er war eine extrem vielseitige Persönlichkeit. Er ist nicht zu ersetzen.

Angelika Steinmetz-Oppelland, Stellv. Sprecherin Verband Bildender Künstler Thüringen e.V.

Ramelow: "Prägende und kreative Kraft"

Ramelow reagierte tief betroffen auf die Nachricht von Nerlichs Tod und würdigte ihn als "prägende und engagierte Kraft in der Thüringer Kultur- und Kunstlandschaft der letzten Jahrzehnte". Er habe sich haupt- und ehrenamtlich für die Belange von Thüringer Kunstschaffenden eingesetzt, zuletzt als Vorstandsvorsitzender des Verbandes Bildender Künstler Thüringen e.V.: "Seine Kreativität und Diskussionsfreude werden uns fehlen", so Ramelow.

Engagiert für den Nachwuchs und freischaffende Künstler

Nerlich wurde 1952 in Erfurt geboren. Er studierte Architektur an der Hochschule fur Architektur und Bauwesen Weimar sowie Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Dem künstlerischen Nachwuchs widmete er sich ab 1984 an der traditionsreichen Mal- und Zeichenschule Weimar, von 1996 bis 2006 war er deren Vorsitzender im Ehrenamt, außerdem wirkte er dort als Kursleiter für Freihandzeichnen. 1991 wurde Nerlich Professor für Gestaltung am Fachbereich Architektur der Fachhochschule Erfurt. Im selben Jahr gründete er das nerlich-atelier für gestaltung sowie die Projektgruppe goethesign. Seit 2002 war er Vorstandsvorsitzender des Verbandes Bildender Künstler Thüringen e.V., seit 2017 auch Vorstandsmitglied im Bundesverband.

Künstler müssen nicht reich werden, aber sie müssen von ihrer Kunst leben können. Das ist unser oberstes Gebot. Wir versuchen fast schon penetrant, überall Mittel zu akquirieren. Unsere Gesellschaft braucht Kunst und Kultur, aber im Umkehrschluss muss diese Gesellschaft Möglichkeiten schaffen, Kunst auch ausführen zu können.

Klaus Nerlich (1952-2021) Verband Bildender Künstler Thüringen

Gestalter, Zeichner, Fotograf

"Mit ihm verliert Weimar, verliert Thüringen eine große Künstlerpersönlichkeit", würdigte der Verband Nerlich im Nachruf mit Blick auf sein Schaffen als Gestalter, Zeichner und Fotograf. Nerlich sei nicht zuletzt auch Organisator von Zeichen-Radtouren auf den Spuren Lyonel Feiningers im Weimarer Land gewesen.

Darüber hinaus habe er sich in der Zeit der Wiedervereinigung für zukunftsfähige Strukturen der bildenden Kunst in Thüringen eingesetzt. Die Rückkehr des Thüringer Landesverbandes 2011 in den Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler sei maßgeblich ihm zu verdanken.

Zuletzt wirkte Nerlich auch am Aufbau eines digitalen Thüringer Künstlerwerkverzeichnisses mit. Für sein außergewöhnliches, ehrenamtliches Engagement war er am 3. Mai mit dem Verdienstorden des Freistaats Thüringen ausgezeichnet worden.

Kunst in Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Juli 2021 | 16:30 Uhr

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