Thüringen Historische Wandmalereien in Altenburg gerettet

Gefunden wurden die Wandmalereien im Altenburger Ortsteil Oberzetzscha – in einem Haus von 1567, das zu DDR-Zeiten als Kindergarten und Poststelle genutzt wurde. Dass es ein Renaissance-Haus war, interessierte damals wenig. Bisher fehlte das Geld für die Restauration. Doch jetzt bekommen die Bilder ihre verdiente Aufmerksamkeit.

Gewölbedecke
In der 1567 gebauten Hauskapelle eines alten Rittergut-Herrenhaus in Altenburg wurden historische Wandmalereien gefunden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Stadtrand von Altenburg, in Oberzetzscha, steht es: Früher das Herrenhaus eines Rittergutes, heute ein Haus für die Leute im Dorf und seine Gäste. Für den Denkmalpfleger und die Restauratoren aus Altenburg und Meißen ein doppelter Glücksfall. Denn seit das Haus vor dem Verfall gerettet wurde, wird es wieder genutzt. Und heute – neun Jahre später – sind auch die Wandmalereien in der Hauskapelle gerettet, für deren Restaurierung damals ein Betrag von 50.000 Euro gefehlt hatte.

Zusammengebracht wurde das Geld nun von der Stiftung Denkmalschutz, dem zuständigen Landesamt und einem Förderverein. Jürgen Fröhlich, Denkmalpfleger aus Altenburg, erzählt, dass auch die letzte Miteigentümerin des Hauses an der Finanzierung beteiligt sei: anlässlich ihres 80. Geburstages habe Sie um Spenden gebeten.

Herrenhaus von außen
Hochzeiten, Schulanfänge, Geburtstagsfeiern – in den letzten neun Jahren gab es schon diverse, derartige Anlässe im Herrenhaus Oberzetzscha. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wandmalereien geben Rätsel auf

So konnten endlich alte Putz- und Farbschichten abgetragen werden – in einem Raum, der über Jahrzehnte hinweg ganz alltäglichen Dingen gewidmet war, denn das Zimmer wurde als Heizungs- und Waschraum genutzt. Diplomrestaurator Martin Lehmann aus Meißen erklärt, dass dieses feuchte Klima nicht besonders zuträglich für die Malereien gewesen sei. Umso erstaunlicher ist es, wie viele Details die Restauratoren an den Wänden und der Decke der Hauskapelle hervorholten: Christliche und weltliche Motive sind gerettet – auch wenn sie etwas rätselhaft sind.

Diplomrestaurator Arnulf Dähne erklärt das Rätselhafte an den Malereien so: "Handelt es sich um Porträts von der Familie? Oder gibt es andere Bezüge zu wichtigen Personen? Und erst Recht die Darstellung im Gewölbe, die wir zuerst als Lutherrose gehalten haben. Die es aber nicht sein kann durch die ganze Ausformung und Farbigkeit."

Was also ist das Motiv im Gewölbekreuz? Ein Wappen vielleicht? Und noch so eine Frage: Sollen die Weintrauben ein Hinweis sein, womit auf dem Gut Geld verdient wurde? Das Haus von 1567 – jetzt könnte es noch ein bisschen Forschung von Kunsthistorikern vertragen.

Wandmalerei
Christliche und weltliche Motive an der Decke der ehemaligen Hauskapelle sind gerettet – auch wenn sie zum Teil etwas rätselhaft sind. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 26. Januar 2021 | 19:00 Uhr

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