Jahrespressekonferenz Klassik Stiftung Weimar: Neue Köpfe und neue Dauerausstellung

Die Klasssik Stiftung Weimar hat auf ihrer Jahrespressekonferenz am Donnerstag mit Friederike von Rosenberg, Annette Ludwig und Dirk Wintergrün neue Köpfe in der Führung vorgestellt. Außerdem kündigte Präsidentin Ulrike Lorenz eine neue Dauerausstellung über den Dichter Christoph Martin Wieland auf dem Wieland-Gut Oßmannstedt an, die von dem Hamburger Mäzen Jan Philipp Reemtsma kuratiert wird.

Ulrike Lorenz (2.v.l), Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, und die neuen Direktorinnen Friederike von Rosenberg (r, Direktion Schlösser, Gärten und Bauten), Annette Ludwig (2.v.r, Direktion Museen), sowie der neue Direktor Dirk Wintergrün (Direktion Digitale Transformation)
Ulrike Lorenz (2. v.l), Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, und die neuen Direktorinnen Friederike von Rosenberg (r., Direktion Schlösser, Gärten und Bauten), Annette Ludwig (2. v.r, Direktion Museen), sowie der neue Direktor Dirk Wintergrün (Direktion Digitale Transformation) Bildrechte: dpa

Die Klassik Stiftung Weimar hat am Donnerstag ihre neue Führungsspitze und ihre nächsten großen Projekte vorgestellt. Mit Annette Ludwig (Direktorin Museen), Friederike von Rosenberg (Direktion Schlösser, Gärten und Bauten) und dem neuen Direktor Dirk Wintergrün (Direktion Digitale Transformation) gab es drei Wechsel bei Deutschlands zweitgrößter Kultureinrichtung. Stiftungspräsidentin Lorenz sagte bei der Jahrespressekonferenz, das neue Trio werde mit eigenen Akzenten die strategische Neuausrichtung der Stiftung vorantreiben.

Von Rosenberg hat sich unter anderem bei der Umgestaltung des militärhistorischen Museums in Dresden Verdienste erworben. Sie sagte, diese Erfahrungen könnten ihr nun in Weimar helfen. Dort soll das Stadtschloss zum Bürgerschloss umgebaut werden, um dort unter anderem neue Ausstellungsflächen zu schaffen. Eine Mammutaufgabe, für die bislang noch kein Abschlusstermin genannt wurde. Als größte Aufgaben für ihren Verantwortungsbereich benannte von Rosenberg steigende Kosten, unterbrochene Lieferketten sowie fehlende Fachkräfte.

Der erste Eindruck bei mir war heute, dass die neue Baudirektorin Friederike von Rosenberg genau die Richtige für diese Aufgabe ist.

Mareike Wiemann, MDR KULTUR-Korrespondentin in Thüringen

Friederike von Rosenberg, neue Direktorin Schlösser, Gärten und Bauten der Klassik Stiftung Weimar, steht vor Beginn der Jahres-Pressekonferenz der Stiftung im Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek.
Friederike von Rosenberg, neue Direktorin Schlösser, Gärten und Bauten der Klassik Stiftung Weimar Bildrechte: dpa

Der immer mal wieder diskutierten Idee eines Neubaus für Sonderausstellungen erteilte Stiftungspräsidentin Ulrike Lorenz mit Blick auf die Klimakrise eine Absage. Man werde sich auf den laufenden Umbau des Stadtschlosses konzentrieren: "Wir werden uns hier auf die Planungen der Weimarer Republik rückbesinnen und eine zentrale Ausstellungsfläche für die gesamte Stiftung schaffen", kündigte Lorenz an.

Digitaler Wandel hat Priorität

Der neue Leiter für digitale Transformation und Innovationsmanagement, Dirk Wintergrün, ist gelernter Physiker. Er sagte, es gebe zwar in den einzelnen Abteilungen bereits gute digitale Angebote. Sie müssten nun aber "zu einer gemeinsamen Erzählung" zusammengebunden werden.

Die Schaffung der Direktion Digitale Transformation gilt als Signal für die große Bedeutung, die die Klassik Stiftung dem digitalen Wandel beimisst. Konkrete Projekte wurden allerdings bei der Jahrespressekonferenz noch nicht vorgestellt. Die neue Direktorin für den Bereich Museen, Annette Ludwig, nannte das Goethe-Nationalmuseum und die Weimarer Hof- und Residenzkultur als ihre Prioritäten.

Dirk Wintergrün, neuer Direktor Digitale Transformation der Klassik Stiftung Weimar, steht vor Beginn der Jahres-Pressekonferenz der Stiftung im Studienzentrum der Herzogin Anna Amalia Bibliothek.
Dirk Wintergrün, neuer Direktor Digitale Transformation der Klassik Stiftung Weimar Bildrechte: dpa

Jan Philipp Reemtsma kuratiert neue Wieland-Dauerausstellung

Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Jahres liegt auf dem Schriftsteller und Philosoph Christoph Martin Wieland (1733–1813), der vor 250 Jahren nach Weimar kam. Herzogin Anna Amalia hatte ihn 1772 zur Erziehung des Erbprinzen Carl August an den Hof berufen. Zum Jubiläum ist unter anderem eine neue Dauerausstellung auf dem Wielandgut Oßmannstedt vorgesehen, das in der Nähe von Weimar direkt am Ilmradweg liegt. Die Ausstellung an Wielands damaligem Wohnort soll am 2. September beginnen.

Annette Ludwig
Annette Ludwig ist neue Direktorin Museen der Klassik Stiftung Weimar Bildrechte: Carsten Costard / Gutenberg-Museum

Kuratiert wird die Schau mit dem Titel "Der erste Schriftsteller Deutschlands" von dem Hamburger Literaturwissenschaftler, Mäzen und Wieland-Kenner Jan Philipp Reemtsma. Er sagte am Donnerstag in Weimar, die Schau blicke auf Wieland als Schriftsteller, politischen Journalisten, Chronisten der Französischen Revolution und Übersetzer. Sie sei "wirklich eine Einführung in Leben und Werk" und richte sich sowohl an Wieland-Neulinge wie auch an Menschen, die bereits etwas über ihn wüssten. Stiftungspräsidentin Lorenz sagte, damit werde auch ein "ungerechterweise zu wenig besuchter Ort" aufgewertet.

Bereits Anfang Mai öffnet im Goethe- und Schiller-Archiv eine Sonderausstellung zu Wieland. Außerdem sind weitere Projekte rund um den Schriftsteller geplant, der einer der meistgelesenen Autoren seiner Zeit war.

Themenjahr "Sprache" bei der Klassik Stiftung Weimar

Thematisch will sich die Klassik Stiftung in diesem Jahr außerdem mit der Wirkung von Sprache beschäftigen. Präsidentin Lorenz sagte, Sprache könne gesellschaftliche Umbrüche auslösen und zum Kriegsschauplatz werden. Die Realität habe mit dem Ukraine-Krieg das Themenjahr eingeholt. Lorenz sprach sich dafür aus, den Kultur- und Wissenschaftsaustausch mit Russland aufrechtzuerhalten. Sie hoffe, dass die friedensstiftende Kraft von Kunst und Kultur wieder Brücken baue. Einzelheiten zum Themenjahr Sprache sollen später vorgestellt werden.

Die Klassik Stiftung Weimar ist die zweitgrößte Kulturstiftung Deutschlands. Sie betreut mit knapp 400 Mitarbeitenden ein Ensemble von etwa 27 historischen Wohnhäusern, Schlössern, Museen und Parkanlagen in und um Weimar. Zu ihrem Bestand gehören 12 Unesco-Welterbestätten überwiegend des klassischen Weimars, darunter die Wohnhäuser von Goethe und Schiller, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek, die Fürstengruft und mehrere Parks. Im vergangenen Jahr zählte die Stiftung rund 343.250 Besucher – nach rund 400.000 im Jahr davor.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. März 2022 | 15:45 Uhr