Licht- und Konzeptkunst Lichtkunst als Philosophie: Das Leipziger Künstlerkollektiv Wert

Ein Rausch aus Farben, futuristisches Leuchten, subtile Details – das Künstlerkollektiv Wert aus Leipzig gestaltet Räume mit Licht. Dabei haben sich die beiden Künstler Marc Frey und Maxim M. Chubarov Kraszavin auch zum Ziel gesetzt, junge Kulturschaffende in gemeinsamen Events zu vernetzen. Ein Porträt.

eine Lichtinstallation 4 min
Bildrechte: Maxim M. Chubarov Kraszavin / WERT

Wenn wir auf einen Lichtschalter drücken, denken wir selten darüber nach, wie der Raum erleuchtet wird und was das Licht mit uns macht – Marc Frey und Maxim M. Chubarov Kraszavin vom Leipziger Künstlerkollektiv Wert jedoch haben aus Licht eine ganze Philosophie gemacht. Die beiden sind multidisziplinäre Künstler und haben in der Licht- und Konzeptkunst ihr Zuhause gefunden.

Wir wollen den Dingen mehr Wert beimessen.

Maxim M. Chubarov Kraszavin, Wert

Marc Frey wurde in Erfurt geboren, Maxim M. Chubarov Kraszavin in Moskau. Kennengelernt haben sich die beiden in ihrer Wahlheimat Leipzig, wo sie ihre Passion zu Licht und Projektion in ihrer gemeinsamen Arbeit manifestierten: 2017 gründeten sie das Wert-Kollektiv und begannen – wie sie es nennen – individuelle Lichtkonzepte für Räume zu gestalten. Denn die beiden verbindet ein sehr ähnliches Verständnis von Ästhetik, wie Maxim M. Chubarov Kraszavin erklärt: "Wir sind auf Veranstaltungen gegangen und haben uns gesagt: 'Hier ist ja wahnsinnig wenig Aufwand betrieben worden.' Darauf spielt der Name Wert auch an – wir wollen den Dingen mehr Wert beimessen."

Die Künstler Maxim M. Chubarov Kraszavin (links) und Marc Frey (rechts)
Maxim M. Chubarov Kraszavin und Marc Frey vom Leipziger Künstlerkollektiv Wert Bildrechte: Wolfgang Grote

Ein Kollektiv aus bildenden Künstlern, Lichtkünstlern und Produzenten

Frey und Kraszavin sind nicht die einzigen Crew-Mitglieder: Das Kollektiv setzt sich lose zusammen aus bildenden Künstlern, Lichtkünstlern, Produzenten – denn Wert sieht sich als zeitbasiertes Künstlerkollektiv. In ihrem rauschend-futuristisch und philosophisch aufgeladenen Stil erleuchteten sie Festivals sowie Events im UT Connewitz, Staatstheater Darmstadt oder dem Ostpassage Theater mit Projektionen, Videokunst und Visuals – mal schnell und bunt, mal subtil und detailreich.

Mehr als nur Lichtshows

Das Kollektiv setzt sich bei seiner Arbeit immer auch mit den Themen der Veranstaltungen auseinander, die sie beleuchten. Es ist ihnen wichtig, nicht einfach nur Lichtshows zu veranstalten, sondern mit Räumen zu agieren, sie in ungewohntem Licht erstrahlen zu lassen.

eine Lichtinstallation
Das Wert-Kollektiv beim Set-Up in der Leipziger Galerie KUB für audiovisuelle Performance Bildrechte: Maxim M. Chubarov Kraszavin / WERT

Mit ihren Konzepten toben sie sich auch und vor allem in der freien Szene Leipzigs aus: "Leipzig ist eine Stadt auf den zweiten Blick. Hier musste man wissen, wo man hingeht. Aber dann merkt man schnell: Hier ist etwas, hier gibt es viele freiheitsgebende Orte", sagt Maxim M. Chubarov Kraszavin.

Das Kollektiv vernetzt lokale Künstlerinnen und Künstler

Als Corona ausbrach, musste das Kollektiv umsatteln: die Orte, an denen sie vorher arbeiteten, blieben still – und dunkel. So begannen sie, lokaler und noch partizipativer zu arbeiten, denn die beiden sind nicht nur Künstler, sondern auch Netzwerker, wie Maxim M. Chubarov Kraszavin erklärt:

Wir sehen in der Gemeinschaft den größten Wert, in der Interaktion zwischen den Leuten und in den Sachen, die daraus entstehen.

Maxim M. Chubarov Kraszavin, Wert

Der Maler Merlin Rainer arbeitet an einer Lichtinstallation
Der Maler Merlin Rainer arbeitet an der Installation Resonanz Bildrechte: Maxim M. Chubarov Kraszavin / WERT

Unter dem Namen "Was ist Wert?" organisierten sie 2020 ihr erstes und mit Resonanz2021 ihr zweites Happening in der KUB-Galerie in der Leipziger Südvorstadt. Das Ziel dieser Projekte war, über mehrere Wochen im corona-konformen Rahmen, spontane künstlerische Kooperationen zwischen dem Kollektiv und lokalen Kulturschaffenden zu ermöglichen – zu einer Zeit, in der Auftritte und kreativer Austausch fast unmöglich waren. Die Galerieräume des KUB wurden für einige Wochen zu einem Ort der Begegnungen und der Möglichkeit, sich kreativ auszuleben.

Über einen Aufruf in den sozialen Netzwerken hatte Wert alle eingeladen, die Lust hatten, den Raum künstlerisch zu nutzen. Und die jungen Leipziger Kunst- und Kulturschaffenden aus allen Sparten kamen. Wert gab den thematischen Rahmen, das Know-How, die Technik – und natürlich das Licht. Sie leuchteten die spontanen Performances aus, und jeden Tag kam es zu neuen, Kooperationen, die das Kollektiv in Videos festgehalten hat.

Der Maler Merlin Rainer arbeitet an einer Lichtinstallation
Licht trifft Musik, Performance, Theater oder Videokunst – das Wert-Kollektiv vernetzt alle Sparten Bildrechte: Maxim M. Chubarov Kraszavin / WERT

Lichtkunst live erleben

Publikum durfte in der Galerie KUB corona-bedingt nicht dabei sein, aber seit Anfang September erscheinen auf der Website des Kollektivs monatlich Videos der Performances. Das #jahrderresonanz, das sie zu Beginn des Jahres 2021 ausgerufen haben, geht nun aber auch mit Publikum weiter: Am 9. September 2021 ist das Wert-Kollektiv bei einer multimedialen Performance in der Spinnerei Leipzig zu erleben und am 10. September 2021 im Leipziger Gewandhaus in Kooperation mit dem re:so-kollektiv bei deren Klangperformance.

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