Halle 14 Ausstellung "Win/Win" in Leipzig zeigt junge Kunst-Talente aus Sachsen

Jedes Jahr kauft die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen Kunst von vielversprechenden Talenten an. 170.000 Euro wurden 2021 investiert, um Werke von überwiegend jungen Künstlerinnen und Künstlern anzukaufen. Eine Ausstellung in der Halle 14 auf dem Gelände der Baumwollspinnerei zeigt die diesjährige Auswahl und gibt spannende Einblicke in das zeitgenössische sächsische Kunstschaffen.

Ausstellung Win Win Leipzig
Einige Arbeiten der Ausstellung verzichten weitgehend auf Farbe. Bildrechte: HALLE 14 | Büro für Fotografie, 2021

Atmosphärisch dicht, gar ein Gesamtkunstwerk, ist jenes in dunkles Graphitgrau getauchte Kabinett, das die Kuratorinnen und Kuratoren der Ausstellung "Win/Win" in der einstigen Maschinenhalle auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei, der Halle 14, erschaffen haben. Werke von drei Künstlerinnen und einem Künstler werden darin gezeigt – alle ausschließlich in weißen oder hellen Farben gehalten, teils skulptural, teils in 2D, meist filigran ausgeführt. Man merkt, hier waren Dresdner Ausstellungsgestalter mit Sinn fürs Barocke am Werk!

Mystische und fragile Kunstwerke

Nun schon zum elften Mal präsentiert die Halle 14 die neueste angekaufte Kunst des Freistaates Sachsen, beauftragt durch die in der Landeshauptstadt ansässige "Kulturstiftung". Michael Arzt, Leiter der Halle 14, freut sich jedes Jahr aufs Neue über diese Kooperation – und betont mit Blick ins Kabinett die vielen zarten, weißen Arbeiten in der Ausstellung: "Karen Packebusch hat eine Bomberjacke aus Paracetamoltabletten gebastelt, Lucia Graf war in Thessaloniki, wo das Kaffeesatzlesen dazu gehört. Weiße Porträts eines Bienenstocks hat uns Roswitha Maul hier mitgegeben, ein bisschen kunsthistorischer geht es dann bei den Arbeiten von Thomas Judisch zu."

Mit zwei irritierenden weißen Medaillons, teils aus Stuckformen, wie sie in Baumärkten zu finden sind, teils aus handgemachten Spuren klassischer Reliefkunst, spielt der in Dresden studierte Konzept-Künstler Thomas Judisch, gibt Reminiszenzen an die Kunstgeschichte und abstrahiert sie.

Ausstellung Win Win Leipzig
Im Hintergrund ist die Bomberjacke aus Paracetamoltabletten von Karen Packebusch zu sehen, links Fotografien von Hanna Stiegler. Bildrechte: HALLE 14 | Büro für Fotografie, 2021

Fotografie, Malerei, Skulptur

Fragil und fragwürdig geht es in der Schau weiter. In einer Vitrine werfen vier weißlich-helle Farbtafeln des ebenfalls in Dresden studierten Pietro Sabatelli Fragen auf. Schwarze Streifen schimmern transparent auf hellem Grund aus Wachs. Zarte Deckschichten verlaufen zudem im Bild, als wäre es nicht fertig oder gar lebendig.

Ausstellung Win Win Leipzig
Pietro Sabatelli: Die Folge, Quadriptych, 2019 Bildrechte: HALLE 14 | Büro für Fotografie, 2021

Die in Leipzig bei Heidi Specker ausgebildete Fotografin Hanna Stiegler fesselt mit einer mystischen Fotoserie, elf Motive, die nicht klar zu deuten sind, Bögen, Rundungen findet man immer wieder, man muss Eigenes hinzudichten, was den Zauber dieser Arbeit ausmacht.

Ausstellung Win Win Leipzig
Hanna Stiegler: Il figlio mistero, 2019-20 Bildrechte: HALLE 14 | Büro für Fotografie, 2021

Die Ausstellung zeigt Kunst in allen Formen und Genres

Fast jedes Genre der bildenden Kunst ist in der Schau "Win/Win" 2021 anzutreffen, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen bemühte sich um eine große Bandbreite, wie Stiftungsdirektor Manuel Frey betont. Viele Künstler und Künstlerinnen kommen dabei aus den großen Städten Leipzig und Dresden. "Es sind aber auch ein paar aus dem Umland, aus dem ländlichen Raum, aus Chemnitz natürlich, dabei", freut sich Frey. "Die Geschlechterverteilung? Recht ausgeglichen. Etwa die Hälfte Frauen, die Hälfte Männer."

Natürlich hat auch die Malerei ihren Platz in dieser Schau. So agieren die Leipziger Malerinnen Katrin Brause aka Heichel und Ellen Akimoto als Vertreterinnen der etablierteren Riege, gefolgt von Jungen Wilden, ebenfalls aus Leipzig, wie Maria Schumacher und Christian Bär.

Die reduzierte Formensprache seines Ölgemäldes "hide" scheint eher am Computer entstanden zu sein als auf der Leinwand: "Was mich begeistert an dem Bild, ist, wie man das Geschick entwickelt, dass mit der Hand gezogene Striche und Linien dem ähneln, was entsteht, wenn man im Zeichenprogramm auf dem eigenen Tablet oder Smartphone zeichnet," erzählt der Leiter der Halle 14, Michael Arzt. Wenn andere inzwischen den Cyberspace malerisch erkunden, warum sollte dies nicht auch Christian Bär mit dem Zeichenprogramm seines Tablets tun?

Menschen betrachten die Exponate.
Das Ölgemälde "hide" des Leipziger Künstlers Christian Bär Bildrechte: HALLE 14 | Büro für Fotografie, 2021

Mehr Informationen "WIN/WIN"
Die Ankäufe der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen 2021
26. Juni bis 25. Juli 2021

HALLE 14
Zentrum für
zeitgenössische Kunst
Leipziger Baumwollspinnerei
Spinnereistr. 7
04179 Leipzig

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr
Barrierefreier Zugang

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juli 2021 | 06:10 Uhr

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