Blütenschau Kamelien auf Schloss Zuschendorf: Weit mehr als hübsche Zierpflanzen

Azaleen, Hortensien und Rhododendren: Auf über sechs Hektar bewahrt das Landschloss Zuschendorf bei Pirna eine Sammlung von Zierpflanzen, die von der langen Tradition sächsischer Gärtner zeugt. Traditionell Anfang März eröffnet das Schloss seine alljährliche Kamelienblütenschau. Die Ausstellung zeigt, dass die als Zierpflanze bekannte Kamelie weit mehr als zauberhafte Blüten zu bieten hat.

Kamelie Chandlers Elegans geboren 1885 4 min
Bildrechte: Schloss Zuschendorf
4 min

Elvira Birgit Speer über die Kamelienblütenschau auf dem Landschloss Zuschendorf bei Pirna.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 11.03.2022 06:00Uhr 04:12 min

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Sie ist die unbestrittene Winterkönigin und zeigt sich derzeit in ihrem prächtigen Farbenkleid: Die Kamelie. Wenn es draußen grau und trüb ist, erhellt sie mit ihren farbenfrohen Blüten die Gemüter der Menschen. Endlich gibt es im Landschloss Zuschendorf im sächsischen Pirna neben den geöffneten Glashäusern auch wieder die traditionsreiche Kamelienblütenschau. In den herrschaftlichen Schlossräumen werden mehr als 1.000 Blüten präsentiert.

Kamelie Chandlers Elegans geboren 1885
Die "Camellia Elegans" ist eine historische Sorte, die 1823 von Alfred Chandler in England aus einem Samen der C. japonica "Anemoniflora" gezogen wurde. Bildrechte: Schloss Zuschendorf

Im März wird das Schloss zum Mekka für Kamelienliebhaber. Unzählige Blütenschönheiten in weiß, rosa, pink und rot ziehen die Blicke der Besucher auf sich. Sie bezaubern durch ihre vielfältig geformten und farbenfrohen Blüten und ihre Zartheit: weiß wie feinstes Porzellan, zart gemustert mit sanften Farbverläufen oder in leidenschaftliches Karmesinrot getaucht. Eine ist schöner als die andere.

Urform der Kamelie kommt aus Japan

Beheimatet ist die "Camellia Japonica" in Ostasien. Aus der zierlichen Urform wurden unzählige neue Sorten gezüchtet, erklärt der Leiter der Botanischen Sammlungen Matthias Riedel: "Die gesamten Variationen, die wir hier sehen, stammen alle aus dieser Urform. Sie haben Anemonenblütige wie die Bernhard Lauterbach und Sie haben auch Mignon-Dahlienförmige wie die Minna Seidel und manche, die schon so ein bisschen ins Orchideenblütige gehen und einige ins Nelkenblütige. Also es gibt die verrücktesten Sachen."

C.j.Hagoromo magnolienblütige Kamelie
Die magnolienblütige Kamelie "C.j. Hagoromo" Bildrechte: Schloss Zuschendorf

Die klassische Form der Kamelie "Frau Minna Seidel" aus dem 19. Jahrhundert gilt immer noch als die Lieblichste unter den Kamelien. Um die Vielgestaltigkeit der Winterkönigin entsprechend in Szene zu setzen, werden die Blüten in Schloss Zuschendorf nicht einfach nur in schlichten Glasvasen präsentiert. Man hat sie in mundgeblasenen Glaskugeln aus Lauscha oder kunstvollen Gefäßen aus Ton und Steingut arrangiert. Feine Teeschalen oder Stelen aus Ton lohnen einen zweiten Blick.

C. j. Frau Minna Seidel 2022
Der deutsche Züchter Hermann Seidel benannte diese Kameliensorte 1883 nach seiner Frau, Minna Seidel, und beschrieb sie als "die lieblichste unter den Camellien". Bildrechte: Schloss Zuschendorf

Schloss Zuschendorf beleuchtet Kamelie als Nutzpflanze

Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung die Kamelie auch als eine der wichtigsten Nutzpflanzen der Welt. Daher das Motto der diesjährigen Schau: "Das härteste Holz, das beste Öl, die schönsten Kamelien". Kamelien stammen aus der Familie der Teestrauchgewächse. Neben den Blättern werden auch Wurzel, Holz, Rinde, Frucht und Samen genutzt. Aus den Samen kann man ein Öl herstellen, das sich für vielfältige technische Anwendungen eignet, wie etwa zum Rostschutz, als Schmiermittel in der Feinmechanik oder zur Pflege von Holzoberflächen. Die Maserung eines Holzes kommt nach der Behandlung mit Kamelien-Öl besonders gut zur Geltung. Für die Nutzung in der Küche kann man durch Kaltpressung ein vitamin- und mineralstoffhaltiges Öl herstellen. Es hat ähnlich cholesterinsenkende Eigenschaften wie Olivenöl.

Kamelienschau 2022; Kamelienholz
Aus Kamelienholz gefertigte Objekte in der Ausstellung auf Schloss Zuschendorf. Bildrechte: Schloss Zuschendorf

Kamelien-Öl wird heute in großen Mengen gewonnen, sagt Matthias Riedel: "In China werden allein 200.000 Tonnen produziert. Und das Günstige daran ist auch, dass die Hauptlieferantin, die Ölkamelie, auf ganz trostlosen, steinigen Böden im Gebirge gedeiht, wo sonst nichts anderes wächst. Deswegen kann man sie auch in großen Mengen anbauen. Und das Kamelien-Holz, das würde man gerne haben und verarbeiten. Man hat es aber nicht mehr, weil die natürlichen Wälder aufgrund des hohen Bedarfs im Prinzip abgeholzt sind. Es gibt noch wenige, die in Japan heute unter strengem Schutz stehen. Wenn wir also über Kamelien-Holz sprechen, betrifft das die Vergangenheit. Alles was Kamelien-Öl betrifft hat natürlich noch eine Zukunft."

Hartes Holz und feines Öl

Kamelien wachsen sehr langsam, weshalb das Holz extrem hart ist und Begehrlichkeiten weckt als Möbel- und Furnierholz. Die Nutzung des feinen Kamelien-Öls in der Küche wird im Festsaal des Schlosses gezeigt. Dort hat die Gestalterin Bea Berthold ein Bühnenbild entworfen, in dessen Zentrum ein historischer Küchenherd steht. Köche wirbeln mit Kupfertöpfen, die Szenerie wird von Porzellan mit zartem Kamelien-Dekor ergänzt. Wer möchte, kann sich an den ausgestellten Rezepten versuchen. So kann das Kamelien-Öl etwa einen Salat anreichern, Saiblings-Filets werden in Kamelienblüten gedämpft, und duftende Blüten können zu einem Sirup verarbeitet werden.

Allerdings eignen sich dafür nur die ursprünglichen Wildarten der Kamelie. Denn die hochzüchtete Kamelie hat ihren Duft verloren, so Riedel: "Die ersten Kamelien, die nach Europa kamen, haben natürlich alle nicht geduftet. Das waren überzüchtete Japonika-Sorten. Und daraus hat man geschlossen: Die Kamelie duftet nicht und die Rose duftet sehr wohl. Und deswegen ist die Rose das Symbol der echten Liebe und die Kamelie das Symbol der gekauften Liebe."

Blick in die Kamelienschau
Blick in den Festsaal des Schlosses, in dem die Verwendung von Kamelien-Öl in der Küche gezeigt wird. Bildrechte: Schloss Zuschendorf

Inspiration für Alexandre Dumas

Und so haftet der Kamelie auch etwas Ruchloses an. Nicht umsonst hat Alexandre Dumas seinen Roman "Die Kameliendame" genannt. Als Sinnbild der Prostituierten fasziniert sie bis heute. Ihr ist in der Ausstellung ein eigener Raum gewidmet. Weitere Bühnenbilder inszenieren die Kamelie als heilkräftige und als pflegende Pflanze. Kamelien-Öl ist in der Kosmetik und Körperpflege hoch begehrt. Bei Japanerinnen sorgt es für glänzendes Haar und eine jugendlich glatte Haut.

Für wohlriechende Parfums ist es eine feine Zugabe und so trug Coco Chanel in ihrem Gürtel gerne eine Kamelienblüte. Das Wissen um die pflegenden Eigenschaften des Kamelien-Öls brachte schon der sächsische-kurfürstliche Hofgärtner George Meister mit nach Europa und schrieb darüber in seinem Buch "Der Orientalisch-Indianische Kunst- und Lustgärtner", herausgegeben 1692 in Dresden. Darin kann man lesen: "Von den getrockneten Samen schlagen sie ein Öl ab, mit welchem, wegen guten Geruchs, die japanischen Frauenzimmer ihre langen schwarzen Haare schmieren."

In einer weiteren Szene sind die Besucher in der Werkstatt eines japanischen Papierschirmbauers zu Gast. Die traditionellen Schirme werden im regenreichen Japan mittels Kamelien-Öl abgedichtet.

Kamelienschau 2022
Blick in die Kamelienschau auf Schloss Zuschendorf bei Pirna. Bildrechte: Schloss Zuschendorf

Künstlerische Arbeiten begleiten Kamelienschau

Begleitet wird die Blumenausstellung von künstlerischen Arbeiten: Von Malerei, Aquarellen oder Kalligraphie. Monika Zeinar, Künstlerin aus Meißen, stellt wieder ihre beliebten Kamelienaquarelle aus, die die Zartheit der exotischen Blüte wundervoll zu Geltung bringen. Holzgestalter Peter Bortig aus Borthen hat aus den Wurzeln von Wallnuss, Aprikose oder Blutpflaume Kugeln mit außergewöhnlichen Oberflächen gedrechselt. Die Wurzelkugeln in unterschiedlichen Größen beeindrucken durch ihre leuchtende Farbigkeit und Struktur und sind allein schon einen Besuch wert.

Kamelienschau 2022; Kugel Haselnußwurzel  Peter Bortig
Die von Peter Bortig gestaltete Haselnusswurzel auf Schloss Zuschendorf Bildrechte: Schloss Zuschendorf

Gewächshäuser auf Schloss Zuschendorf lohnen einen Besuch

Wer sich im Schloss noch nicht sattsehen konnte an den in Vasen präsentieren Blütenschönheiten, kann sich in den Gewächshäusern noch an den Kamelienbäumen erfreuen. Hier sind viele historische Sorten vor allem aus dem 19. Jahrhundert zu bestaunen. Die sogenannten historischen Seidelschen Kamelien sind sozusagen der Kronschatz des Sächsischen Zierpflanzenbaus und wurden als erste Pflanzensammlung Deutschlands unter Denkmalschutz gestellt. Die Hauptblüte ist meistens Ende März.

Wer Farbmeere und Üppigkeit liebt, ist vielleicht in der jährlichen Hortensienschau auf Schloss Zuschendorf besser aufgehoben. Die Kamelien sprechen in ihrer Zartheit und Zerbrechlichkeit eher Feingeister an, die sich an der Einzigartigkeit einer filigranen Blüte erfreuen können. Doch gerade wenn das Licht des Frühlings den dunklen Winter ablöst, tut die Farbigkeit der Kamelien der Seele gut. Ein Spaziergang durch den verwunschenen Park des Landschlosses sorgt zum Abschluss dieses Besuchs für die nötige Energie im Alltag, der vor den Schlossmauern wieder auf den Besucher wartet.

Mehr Informationen

Kamelienblütenschau im Landschloß Pirna-Zuschendorf mit Sonderschau Wurzelkugeln (5. März bis 18. April 2022) 

Landschloss Pirna-Zuschendorf
Am Landschloss 6, 01796 Pirna

Die Botanischen Sammlungen des Landschlosses Pirna-Zuschendorf sind von März bis Oktober für Besucher geöffnet.
Öffnungszeiten für Schloss und Park Zuschendorf ab 5. März 2022: Dienstag bis Sonntag und feiertags: 10 bis 17 Uhr, zusätzlich im März: Montag von 10 bis 16 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. März 2022 | 06:15 Uhr

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