Auszeichnung Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung an Karl-Markus Gauß verliehen

Der Schriftsteller Karl-Markus Gauß steht hinter einem Pult und hält eine Rede durch ein Mikrofon.
Der Schriftsteller Karl-Markus Gauß bei seiner Auszeichnung mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2022 Bildrechte: dpa

Der österreichische Schriftsteller Karl-Markus Gauß ist am Mittwochabend mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2022 ausgezeichnet worden. Er erhielt den Preis für sein Buch "Die unaufhörliche Wanderung: Reportagen". Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde ihm vom sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer in der Leipziger Nikolaikirche übergeben.

Die Jury des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung begründete ihre Entscheidung so: "Wenn Karl-Markus Gauß an Europa denkt – und wahrscheinlich gibt es keinen Schriftsteller in Europa, der öfter und nachhaltiger über dieses kleine Gebiet westlich des russischen Reiches nachdenkt –, dann denkt er über die Minderheiten nach, die sich immer noch in den Rissen dieses einsturzgefährdeten Gebäudes halten."

Gauß nennt die Dinge beim Namen

Die Laudatio auf den 67-jährigen Gauß hielt die österreichische Germanistin und Literaturkritikerin Daniela Strigl. Sie hob hervor, dass Gauß' Neugier dem sogenannten versunkenen Kulturgut gelte, was ihn zum Hinschauen statt nur zum Zuschauen bewege. Der Schriftsteller nenne die Dinge beim Namen und spreche Tacheles. Als Einzelgänger setze er auf "leichtes Gepäck: keine ehernen Wahrheiten, kein Pathos, kein Denkverbot, keine Vorurteile", so Strigl.

Daniela Strigl steht vor einem Mikrofon und spricht
Die Österreicherin Daniela Strigl bei ihrer Laudatio auf Buchpreisträger Karl-Markus Gauß. Bildrechte: dpa

Ministerpräsident Kretschmer: "Eine exzellente Wahl"

Gauß sei eine "exzellente Wahl" für den Preis, betonte Kretschmer bei seiner Auszeichnungsrede, da er in seinen Büchern die unterschiedlichen Vorstellungen, Mentalitäten und Interessen von Menschen in der Europäischen Union sichtbar gemacht habe. "Nur wenn wir aufhören, übereinander zu reden und stattdessen miteinander, wird das gemeinsame Verständnis der Europäischen Union wachsen." sagte Kretschmer außerdem.

Michael Kretschmer überreicht Karl-Markus Gauß einen Blumenstraß und die Auszeichnung
Gauß erhält die Auszeichnung überreicht durch den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Bildrechte: dpa

Kritik an Absage der Leipziger Buchmesse in Dankesrede

In seiner Dankesrede kritisierte der Schriftsteller Gauß die durch "mächtige" Verlagskonzerne verursachte Absage der Leipziger Buchmesse und fand deutliche Worte: "Mir erschien das als Verrat, als Verrat an der Literatur selbst und an den vielen, die ihr aus Berufung und von Berufs wegen ihre Zeit, ihre Talente, Liebe und Leidenschaft widmen, auf welche Weise und auf welchem Posten auch immer." Wer es der Buchhaltung überlasse, über Bücher, Buchmessen und Feste der Literatur zu entscheiden, so Gauß, werde eines Tages "jenem Produkt den gesellschaftlichen Wert genommen haben, mit dem er doch seine besten Geschäfte gemacht hat".  

Die Leipziger Buchmesse war Mitte Februar zum dritten Mal in Folge abgesagt worden. Die Veranstalter begründeten diese Entscheidung damit, dass sich zahlreiche Ausstellerinnen und Aussteller wegen der Pandemie gegen eine Teilnahme entschieden hätten. Gauß erklärte in seiner Rede jedoch, dass die Absage aus seiner Sicht nicht pandemiebedingt, sondern auch auf eine zögerliche Verlagsbranche zurückzuführen sei.

Preisgekröntes Buch über Europäische Minderheiten

In seinem im Oktober 2020 im Paul Zsolnay Verlag Wien erschienenen Buch "Die unaufhörliche Wanderung: Reportagen" schreibt Gauß über die Sitten, Sprachen, Gebräuche, Literaturen und Religionen europäischer Minderheiten: Von den Bewohnern der Zips und der Batschka, über die chaldäischen Christen in der syrisch-orthodoxen Kirche, über die Aromunen, die eine eigenständige Sprache sprechen und im Norden Griechenlands, in Bulgarien, Nordmazedonien und Albanien leben und über die Roma in der Slowakei.

Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung wird seit 1994 jährlich vergeben und zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Ausgezeichnet werden europäische Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die die Reihe von Aleksandar Tišma bis Claudio Magris fortführen. Im letzten Jahr erhielt Johny Pitts den Preis für sein Buch "Afropäisch". Das Preiskuratorium bilden der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. und die Leipziger Messe. Kooperationspartner ist die Bundeszentrale für politische Bildung.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 06. Dezember 2021 | 13:30 Uhr