Poetenladen Leipzig Was die Absage der Leipziger Buchmesse 2022 für unabhängige Verlage bedeutet

Dass die Leipziger Buchmesse 2022 abgesagt wurde, ist besonders für kleine Verlage und ihre Autoren und Autorinnen ein schwerer Schlag. Seit Jahren bietet das Forum "Die Unabhängigen" in einer der Messehallen Independent-Verlagen und ihren Neuerscheinungen eine besondere Sichtbarkeit. Auch die Preisverleihung des Kurt-Wolff-Preises an den Leipziger Poetenladen hätte dort dieses Jahr stattfinden sollen. Verleger Andreas Heidtmann zeigte im Gespräch bei MDR KULTUR Enttäuschung über die Absage der Buchmesse.

Andreas Heidtmann
Auf die Leipziger Buchmesse 2022 hatte sich der Verleger des Poetenladens Leipzig besonders gefreut – dort hätte ihm der Kurt-Wolff-Preis verliehen werden sollen. Preisverleihugen und Veranstaltungen auf der Messe verschaffen unabhängigen Verlage eine Sichtbarkeit, auf die sie nun erneut verzichten müssen. Bildrechte: Sascha Kokot

MDR KULTUR: Neben der Absage der Leipziger Buchmesse gibt es zunächst einmal etwas Erfreuliches: Der Poetenladen-Verlag wird in diesem Jahr ausgezeichnet mit dem Förderpreis der Kurt Wolff-Stiftung. Eigentlich eine schöne Party auf der Leipziger Buchmesse. Wie wird die Ehrung jetzt ohne Buchmesse-Flair ablaufen?

Andreas Heidtmann: Das wird sich zeigen. Ich hatte bereits Kontakt mit der Kurt Wolff-Stiftung. Ich kann mir gut vorstellen, dass es sogar eine reale Veranstaltung geben wird. Aber es ist natürlich schade. Normalerweise wäre die Verleihung auf der Buchmesse gewesen, im Forum der Unabhängigen Verlage.

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, das digital zu machen, aber ich hoffe darauf, dass die Veranstaltung live, real stattfinden wird, vielleicht sogar in Leipzig. Darüber berät noch die Kurt-Wolff-Stiftung. Das ist ja noch alles ganz frisch, dass die Messe ausfällt.

MDR KULTUR: Sie hatten es angesprochen, bei aller Freude über diesen Preis, über diese Auszeichnung – wie sehen Sie die Absage der Buchmesse, die dritte in Folge?

Heidtmann: Für mich persönlich, subjektiv, ist das natürlich sehr enttäuschend. Ich hatte mich gerade darauf eingestellt, so richtig darauf eingeschossen, sechs Wochen oder fünf Wochen vorher. Man ruft die Autoren, die Autorinnen an, man lässt noch mehr Programme drucken als man sonst hat, weil man natürlich auf einer Buchmesse entsprechend Material braucht. Das sind alles Ausgaben, Zeit und Kosten, die man investiert.

Eine Autorin hat heute schon am Telefon geweint, weil ihr Debüt nicht auf der Buchmesse vorgestellt werden kann.

Poetenladen-Verleger Andreas Heidtmann

Meine Autoren trauern alle im Keller, eine Autorin hat heute schon am Telefon geweint, weil ihr Debüt nicht auf der Buchmesse vorgestellt werden kann. Und ich muss das natürlich all den Autoren, Autorinnen vermitteln. Das ist subjektiv gesehen natürlich sehr, sehr enttäuschend.

Weil man seine Kolleginnen und Kollegen nicht trifft, die Leserinnen und Leser. Dieser Kontakt ist doch gerade für Independent-Verlage ungemein wichtig.

Was ist mit "Leipzig Liest", haben Sie da eventuell Alternativen, also irgendwelche Literaturveranstaltungen, die sie dann trotzdem als Verlag machen können?

Heidtmann: Das ist natürlich schwierig. Wenn die Messe nicht stattfindet, kommen natürlich auch nicht so viele Gäste hierher. Man könnte jetzt was Internes machen, was Kleines. Das versuchen auch einige Unabhängige. Ich hatte mit jemandem telefoniert, er macht in seinen eigenen Verlagsräumen eine Veranstaltung.

Ich finde und das sagten auch andere – das ist jetzt nicht allein meine Meinung - dass es doch nicht notwendig gewesen wäre, "Leipzig liest" ausfallen zu lassen. Das ist natürlich eine Kostenfrage, denke ich. Weil ohne Buchmesse ist "Leipzig liest" sozusagen ein finanzielles Experiment, weil natürlich die Einnahmen der Aussteller und der Besucher fehlen. Trotzdem ist es für den Standort Leipzig und für die Zukunft der Messe meines Erachtens außerordentlich wichtig, in diesem Sinne eine gewisse Kontinuität zu wahren.

Das Gespräch für MDR KULTUR führte Moderator Thomas Bille.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Februar 2022 | 07:40 Uhr