Pandemie Corona-Regeln: Das gilt für den Kulturbetrieb in Thüringen

In Thüringen liegt die 7-Tage-Inzidenz am 17. November bei 569,0. Damit gehört das Bundesland neben Sachsen deutschlandsweit zu den Spitzenreitern hinsichtlich der Infektionszahlen mit dem Corona-Virus. Am Dienstag hat das Thüringer Kabinett die 2G-Pflicht unter anderem für kulturelle Veranstaltungen beschlossen. Dort haben ab Donnerstag nur noch Menschen Zutritt, die gegen Corona geimpft oder davon genesen sind. Was konkret bedeutet das für einen Besuch im Theater, Kino und Club?

"Bitte warten und den 2G Nachweis bereithalten" steht auf einem Schild in der Tür einer Bar.
In Thüringen gilt ab spätestens Donnerstag das 2G-Modell. Bildrechte: dpa

Thüringen hat in allen Kommunen seit dem 6. November die Warnstufe drei und damit die höchste des landesweiten Frühwarnsystems erreicht. Am Dienstag hat das Thüringer Kabinett die 2G-Pflicht für weite Teile des öffentlichen Lebens, unter anderem auch für kulturelle Veranstaltungen, beschlossen. 

Was bedeutet die höchste Warnstufe für Kulturveranstaltungen in Thüringen?

Ein Aufkleber mit der Aufschrift '2G' ist am Eingang von Schmidts Tivoli Theater zu sehen.
In vielen Regionen wird auch in Thüringen bald wieder die 2G-Regel greifen. Bildrechte: dpa

Kulturelle Einrichtungen können nach jetzigem Stand geöffnet bleiben. Mit Beschluss der 2G-Regel ist der Zutritt allerdings nur noch Geimpften und Genesenen gestattet. Die Landkreise und kreisfreien Städte haben bis Donnerstag, in Ausnahmefällen bis Freitag, Zeit, die vom Land vorgegebene Allgemeinverfügung zu erlassen.

Über die 2G-Regel hinaus gelten für Besucherinnen und Besucher von Veranstaltungen in geschlossenen Räumen Masken- und Anzeigepflicht sowie Abstandsregel und Kontaktverfolgung. Ausgenommen von der verschärften 2G-Regel sind Kinder, Jugendliche und Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Sie erhalten Zutritt mit einem negativen Schnelltest.

So reagiert der Kulturbetrieb in Thüringen auf die neuen Regeln

Die Allianz der Veranstaltungswirtschaft Thüringen (AVwT) zeigt angesichts der pandemischen Lage im Freistaat Verständnis für Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Gleichzeitig seien Maßnahmen wie die 2G-Regel verbunden mit Maskenpflicht, Mindestabständen und Kapazitätsbegrenzungen wirtschaftlich nicht darstellbar. Produktionskosten stiegen weiter, während Einnahmen sänken, sagt Ulrike Köppel, Vorsitzende des AVwT und Geschäftsführerin der weimar GmbH: "Im Ergebnis bedeuten diese neuen und höheren Auflagen für die Veranstaltungsbranche de facto einen weiteren Lockdown."

Auch am Theater Gera wird die 2G-Regel kritisch reflektiert. Auf Anfrage der deutschen Presseagentur hieß es: "Wir haben uns bewusst für 3G entschieden, weil wir keinen vom Theaterbesuch ausschließen wollen". Ab spätestens Donnerstag wird nun auch hier die 2G-Regel greifen.

Theatersaal Gera Innenansicht
Das Theater Gera hält noch an der 3G-Regel fest. Bildrechte: Theater Altenburg-Gera/Frank Hülsbömer

In anderen Häusern in Thüringen wurde die 2G-Regel zum Teil schon vor einer neuen Corona-Schutzverordnung umgesetzt. So hat etwa das Theater Nordhausen nach Angaben einer Sprecherin schon Anfang Oktober auf die 2G-Regelung zurückgegriffen. Nach anfänglichem Ärger unter denen, die durch die 2G-Regelung ausgeschlossen würden, seien die meisten Veranstaltungen mittlerweile nahezu ausgebucht. Auch das Theater Meiningen hat erst kürzlich die 2G-Regelung wieder eingeführt. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen war eine Verschärfung der Einlassregelungen nötig. Trotzdem gilt auch hier während der Vorstellungen wieder die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske.

Weitere Reaktionen auf 2G-Regel

Auch einige dem Thüringer Chorverband angehörige Chöre praktizieren schon seit einigen Wochen die 2G-Regel in ihrer Probenarbeit. Durch die Festlegung als Verpflichtung auch für Konzerte bedeute dies zwar einiges an Mehraufwand in der Vorbereitung, andererseits gebe es dadurch auch Planungssicherheit und die Möglichkeit, überhaupt Konzerte geben zu können, erklärt Chorverbands-Präsidentin Katja Mitteldorf: "Die unsägliche Stille des letzten Jahres wollen wir nicht wiederholt wissen. Wir haben eine Verantwortung in dieser Pandemie und deshalb schließe ich mich auch dem Appell des Bundesmusikverband Chor & Orchester e.V. an und empfehle, auch weiterhin zusätzlich zu testen."

Auch der Jenaer Kulturrat begrüße jede Initiative, die die fortlaufende Extremsituation der Pandemie aktiv bekämpfe, wie der Werkleiter Jonas Zipf in einem Appell an die Öffentlichkeit mitteilte: "Wir bitten darum, uns alle daran zu erinnern, dass die größte Bedrohung auch für die Kultur im Freistaat Thüringen zuallererst das Corona-Virus selbst und nicht die daraus notwendig erwachsenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind." Der Fortbestand der Kultur müsse allerdings mithilfe verschiedener Förderinstrumente weiter abgesichert werden. Und deshalb fordert Zipf unter anderem eine Verlängerung des Zeitraums der Fördermaßnahmen, wie Sondervermögen, Stipendienprogramme, Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfen, auf Landesebene.

Für Jugendliche reicht Antigen-Schnelltest

Ausnahmen gibt es allerdings weiter für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren. Sie sollen weiter das Theater besuchen können, wenn sie einen tagesaktuellen Antigen-Schnelltests oder einen Nachweis über die Teilnahme an regelmäßigen Testungen an Schulen vorlegen können. Das Erfurter Theater habe sich ebenfalls für diese, nach eigenen Angaben, "aufgeweichte" 2G-Regelung entschieden, um die Zielgruppe nicht zu benachteiligen. Alle anderen Besuchenden benötigen einen Impf- oder Genesenennachweis. Trotz der 2G-Regelung seien die Vorstellungen "immer so gut wie ausverkauft", sagte die Sprecherin.

Ein Mann mit Corona-Maske geht durch eine Sitzreihe in einem Kino-Saal
Bald auch wieder Kino mit Maske? Bildrechte: Neiße Filmfestival

Wie sieht es im Film-Bereich aus? Das "Kino im Schillerhof" in Jena teilt auf seiner Homepage mit, dass es seit dem 2. November ebenfalls das 2G-Modell ausprobiert, damit die Pflicht zum Maskentragen entfalle und die Kinosäle komplett ausgelastet werden können. In ihrem Schreiben heißt es auch: "Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht und stoßen auch nicht überall auf Verständnis. Getroffen haben wir sie aus dem einfachen Grund, dass wir mittelfristig nicht bestehen können, solange wir nur 30 Prozent unserer Plätze besetzen dürfen." Damit es das kleine Kino in einem halben Jahr noch geben könne, sei dieser Schritt nötig gewesen. Die Betreiber hoffen auf das Verständnis des Publikums.

"Eine 2G-Modell wie in Sachsen wäre für unseren Betrieb nicht praktikabel"

Auch das "Kassablanca" in Jena hat gemeinsam mit anderen Clubs der Stadt schon im Oktober mit dem 2G-Modell gestartet. Im Gespräch mit MDR KULTUR hat Thomas Sperling vom Kassablanca erzählt: "Wenn die neuen Regeln in Thüringen sich an denen von Sachsen orientieren, können wir nicht mehr so produzieren wie jetzt. Das heißt keine Partys mehr und keine Steh-Konzerte. Party mit Maske ist nicht praktikabel. Die Gäste wollen auch mal schreien. Und wer will nachts um zwei noch kontrollieren, ob nach dem dritten Cuba Libre Abstände eingehalten werden und alle Maske tragen?"

Für die Mitarbeitenden im Kassablanca heißt die nun geltende 2G-Regel wohl: zurück zur Kurzarbeit und nur noch Sitzveranstaltungen wie Theater oder Kino. Für die anderen Veranstaltungsarten müssten sie ihr Haus dann wohl schließen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. November 2021 | 07:30 Uhr

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