"Vier Sterne plus" Neu im Kino: Doku über Thüringens Krankenhaus mit Hotelsternen

Ein Krankenhaus für Kassen- und Privatpatienten gleichermaßen, einem Hotel ähnlich, mit Bio-Essen und Kaminfeuer: So lautete die Idee von David-Ruben Thieß für sein Krankenhaus in Thüringen. Sechs Jahre später haben die Waldkliniken Eisenberg geöffnet und tatsächlich vier Hotelsterne bekommen. Die Doku "Vier Sterne plus" hat das spannende Projekt begleitet, für das Thieß vom Krankenpfleger zum Geschäftsführer wurde. Ab dem 14. April ist die Doku im Kino zu sehen.

Ein rundes Haus mit zwei Etagen, die Fassade ist mit sehr viel Holz gestaltet
Schon von außen sehen die Waldkliniken Eisenberg anders aus, als die meisten Krankenhäuser; der Entwurf stammt von dem Mailänder Architekten Thun. Die Doku "Vier Sterne plus" hat das Thüringer Krankenhaus-Projekt begleitet. Bildrechte: dpa

Unser Gesundheitssystem ist marode. Steigende Kassenbeiträge, ewige Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt. Und wenn man dann wirklich mal ins Krankenhaus muss, kommt man in triste Häuser, erlebt Pfleger am Limit und gestresste Ärzte, die kaum Zeit für ein Gespräch haben. Der Dokumentarfilm "Vier Sterne plus" hat über vier Jahre einen Mann begleitet, der das ändern will. In einem kleinen kommunalen Kreiskrankenhaus in Thüringen will David-Ruben Thieß zeigen, dass es auch anders geht.

Ich will ein Krankenhaus, das mit Hotelsternen zertifiziert ist für den gesetzlich Versicherten.

David-Ruben Thieß, Krankenhaus-Geschäftsführer

Thieß ist ein Mann mit Visionen. Er ist der Geschäftsführer eines Provinzkrankenhauses im thüringischen Eisenberg. Ein typischer DDR-Plattenbau, der nun durch einen Neubau ersetzt werden soll. Für den Geschäftsführer ist es die Chance, denn er will ganz neue Maßstäbe setzen. Er will das Krankhaus der Zukunft bauen. Ein Ort zum Wohlfühlen, wo der Patient als Gast behandelt wird. Dafür habe er die Seite wechseln müssen, vom Krankenpfleger in eine Position, in der er eine Entscheidungsgewalt hat, sagt die Regisseurin des Films "Vier Sterne plus", Antje Schneider.

Ein Mann vor einer Leinwand auf der ein Gebäude projiziert ist
Aus der Idee des Krankenhauses der Zukunft ist ein Entwurf geworden. Die Doku "Vier Sterne plus" hat den Prozess begleitet. Bildrechte: Rise and Shine Cinema

Nicht weniger als das deutsche Gesundheitssystem stellt Thieß in Frage. Seine Diagnose ist schonungslos: Es gibt zu viele Krankenhäuser, und die sind falsch organisiert. Zu viele OPs, kaum Prävention, ineffiziente Pflegekonzepte. Außerdem beklagt er das doppelte Facharztprinzip, für ihn ein finanzieller Irrweg.

Frau und Mann
Regisseurin Antje Schneider und der Protagonist ihres Filmes, David-Ruben Thieß bei der Filmpremiere von "Vier Sterne plus" in München. Bildrechte: IMAGO/Lindenthaler

Ins Eisenberger Krankenhaus sind Ideen aus aller Welt eingeflossen

In aller Welt sucht Thieß nach neuen Konzepten. Von den Niederländern möchte er das Pflegesystem übernehmen, denn dort bekommt jeder Patient eine Pflegekraft, die sich in allen Belangen um ihn kümmert. In Deutschland sind Aufgaben wie Medikamentenausgabe oder Fiebermessen auf viele verschiedene Pflegende verteilt.

Auch die Privilegien der Ärzte greift Thieß an. Er möchte kein eigenes Büro für den Chefarzt, dafür Großraumbüros, wo der fachliche Austausch unkompliziert funktionieren soll. Regisseurin Schneider sagt: "Wenn er davon träumt, Großraumbüros zu schaffen, dann ist das natürlich eine wesentliche Veränderung eines Arbeitsumfelds. Das ist ein gewagtes Experiment und auch mit dem Risiko, dass er damit möglicherweise Leute verliert."

Vom Thüringer Kreiskrankenhaus zum Hotel für Kassenpatienten

Vier Jahre begleitet der Film den Bau des kommunalen Kreiskrankenhauses, das ein Patientenhotel werden soll, mit Bio-Essen und erlesener Weinkarte für ganz normale Kassenpatienten. Seine Vorstellungen beschreibt Thieß anschaulich: "Sie sehen hier einen kleinen Einblick in die Eingangssituation. Da ist dann tatsächlich ein offener Kamin drin, in dem ein offenes Feuer brennt. Die Idee ist: Sie betreten eine Klinik und es riecht eben nicht nach Desinfektionsmittel – es riecht nach Holz und nach frischgebackenem Brot."

Ein Patienten-Zimmer, links das Bad, daneben, an einem großen Fenster, das Krankenhausbett
Ein Patienten-Zimmer in der Komfortstation im neuen Bettenhaus der Waldkliniken Eisenberg Bildrechte: dpa

Dass unkonventionelle Ideen nie auf direktem Weg umsetzbar sind, dass es viel Energie braucht, trotzdem weiterzumachen – auch davon erzählt der Film. Bei den politischen Entscheidungsträgern hat sich Thieß einen hartnäckigen Ruf erarbeitet. Nach insgesamt sechs Jahren Bauzeit wird das Haus eröffnet. 236 Betten, davon 13 für Privatpatienten. Ob das Haus nicht nur schick daherkommt, sondern auch funktioniert, zeigt der Film nicht.

Ein Patienten-Zimmer in der Komfortstation im neuen Bettenhaus der Waldkliniken Eisenberg, mit gemütlicher Couch und Sessel in Hotelatmosphäre
Im Patienten-Zimmer auf der Komfortstation des Eisenberger Krankenhauses wird tatsächlich eher die Atmosphäre eines Hotels vermittelt. Bildrechte: dpa

Eine neue Klinik ist auch noch keine Revolution des Gesundheitssystems – aber vielleicht ein Anfang. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband hat die Waldkliniken Eisenberg mittlerweile mit "Vier Sterne plus" bewertet. Damit ist es das einzige Krankenhaus mit Hotelsternen und eines der vorgenommenen Ziele hat Thieß schonmal erreicht.

Informationen zum Film "Vier Sterne Plus"
Dokumentarfilm, Deutschland

Laufzeit: 94 Minuten
Regie: Antje Schneider
Kinostart: 14. April 2022

Die Doku ist unter anderem in den Passage Kinos Leipzig, im Luru-Kino in der Spinnerei Leipzig, in der Schauburg Dresden und im Metropol Kino Gera zu sehen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. April 2022 | 22:00 Uhr

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