15. Todestag Regisseur Frank Beyer aus Thüringen – zwischen Oscar-Hoffnung und DDR-Schikane

Der Regisseur Frank Beyer erhielt für "Jakob der Lügner" die einzige Oscar-Nominierung der DDR. Doch das anfangs überzeugte SED-Mitglied wurde immer mehr von der Staatsmacht eingeschränkt. Seine Kolleginnen und Kollegen, die Kritik und auch das Publikum schätzen seine Arbeit jedoch. Vor 15 Jahren ist Beyer in Berlin gestorben.

Regisseur Frank Beyer, 2001
Frank Beyer wurde am 26. Mai 1932 im thüringischen Nobitz geboren Bildrechte: IMAGO / gezett

Frank Beyer gehörte zu den profiliertesten DEFA-Regisseuren. Auf sein Konto gehen Filme wie "Jakob der Lügner", "Karbid und Sauerampfer", "Der Aufenthalt" und natürlich "Spur der Steine".

Parteikarriere aus Überzeugung

Der aus Nobitz bei Altenburg stammende Beyer ist am Ende des Zweiten Weltkriegs 12 Jahre alt. 1950 wird er Parteimitglied, landet bald darauf an der Filmhochschule in Prag und bringt 1957 mit "Zwei Mütter" seinen ersten DEFA-Spielfilm in die Kinos.

Den Mauerbau von 1961 empfindet Beyer zwar als Niederlage des Landes, kann ihm dennoch etwas abgewinnen. Er denkt, dass man nun im eigenen Lande auf eine andere Weise miteinander umgehen und auch bedrückende oder kritikwürdige Dinge zur Sprache bringen könne. Beyer empfand, dass offenbar viele Leute ähnlich dachten.

Herbe Enttäuschung

Ein Irrglaube, wie das Geschehen um "Spur der Steine" 1966 zeigt. Starten darf der Film noch, aber die Spitzengenossen, die den Film als illoyalen Angriff empfinden, inszenieren Randale und Proteste in den Kinos.

Frank Beyer 1975
Frank Beyer 1975 Bildrechte: dpa

Ich wusste, das hatten die Nazis mit dem Film 'Im Westen nichts Neues' im Jahre 1932 gemacht. Und das schien mir ein Element von Faschismus zu sein. Und dass dies meine eigene Partei mit mir veranstaltete, das wollte nicht in meinen Kopf.

Frank Beyer zum inszenierten Protest bei "Spur der Steine"

Beyer verliert seinen DEFA-Job und muss sich, DDR-deutsch ausgedrückt, in einem festen Theaterkollektiv "bewähren".

Parteiausschluss

Nach der unfreiwilligen Bühnenpause arbeitet der Regisseur fürs Fernsehen, doch nicht einmal die Oscar-Nominierung für "Jakob der Lügner" kann ihn davor retten, dass es erneut Ärger gibt: nach seiner Unterschrift gegen die Biermann-Ausbürgerung, dem bitteren Film "Geschlossene Gesellschaft", sieht Beyer zeitweilig nur die Möglichkeit, im Westen zu arbeiten und fliegt aus der Partei. Der Versammlung, die diesen Beschluss fällt, bleibt der Thüringer fern, unter anderem aus gesundheitlichen Gründen. Er sei zwar nicht krank, fürchte aber dort krank zu werden.

Spätestens seit Anfang der 80er-Jahre wusste ich – jedenfalls auf meinem Sektor, auf dem Gebiet der Kulturpolitik – dass das im Grunde falsch ist, was hier läuft. Und ich bedaure, dass ich mich nicht entschiedener zur Wehr gesetzt habe.

Frank Beyer

Höchste Wertschätzung

Vlastimil Brodsky (l.) als Jakob, Erwin Geschonneck als Kowalski.
"Jakob der Lügner" mit Vlastimil Brodsky (l.) als Jakob und Erwin Geschonneck als Kowalski Bildrechte: MDR/RBB/DRA/Herbert Kroiß

Bei seinen Kollegen, der Kritik und dem Publikum wird Beyer gleichermaßen geschätzt. So zeigt Andreas Dresen, Regisseur von Filmen wie "Nachtgestalten", "Sommer vorm Balkon" oder "Gundermann", seine Wertschätzung wenige Tage nach dem Tode Frank Beyers am 1. Oktober 2006 mit den Worten: "Die meisten verbiegen irgendwann ihr Rückgrat oder passen sich an. Also an Zeiten, an Umstände, an Gegebenheiten und sagen, gut, dann ist das halt so, dann schwimm ich mit dem Strom. Und er war halt jemand, der das nicht getan hat, für seine Überzeugung eingestanden hat mit aller Konsequenz, also bis hin zu teilweisem Berufsverbot. Und das gibt einem 'ne Menge zu denken, wenn man in diesem Beruf arbeitet und arbeiten möchte weiterhin, was es auch bedeutet, aufrecht zu sein."

Der nachdenkliche und selbstkritische Beyer hätte diese durchaus angebrachte Respektsbezeugung Dresens zu Lebzeiten sehr wahrscheinlich so nicht stehen lassen.

Er war auf eine schöne Weise eigensinnig, er hat sich seine ästhetischen und moralischen Überzeugungen nicht abhandeln lassen.

Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase über Frank Beyer

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Frank Beyer, DEFA,DDR,Film,Regie,Spur der Steine,Jakob der Lügner | 01. Oktober 2021 | 06:40 Uhr

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