Porträt Günter Rätz: ein Meister der DEFA-Trickfilme

Der Dresdner Regisseur Günter Rätz hat für die DEFA zahllose DDR-Trickfilm-Klassiker geschaffen, darunter "Peter und der Wolf", "Die Weihnachtsgans Auguste" oder "Das Waldhaus". Nun ist ein Buch über ihn erschienen: "Von der Hand zur Puppe. Ein Leben für den Animationsfilm". Autor Volker Petzold vom Deutschen Institut für Animationsfilm hat dafür über Jahre hinweg Interviews mit dem Regisseur geführt. Wir haben mit beiden über Rätz' Leben und Werk gesprochen.

Günter Rätz im Buch "Von der Hand zur Puppe" von Volker Petzold
Günter Rätz bei der Arbeit an einer DEFA-Trickfilm-Animation Bildrechte: Archiv Günter Rätz / DEFA-Stifung

Mit den Animationsfilmen "Das Waldhaus", "Peter und der Wolf" oder "Die Weihnachtsgans Auguste" sind Generationen aufgewachsen. Schöpfer all dieser Werke ist der Trickfilmregisseur Günter Rätz. Heute ist er 87 Jahre jung und kein bisschen leise.

"Bissel Kindlichkeit muss man sich bewahren. Das ist klar", sagt Rätz. Puppen seien sein Leben. Und so habe er auch die Drehbücher "alle selbst geschrieben, nach Geschichten, die in irgendwelchen Kinderbüchern waren. Da hat mich das schon begeistert, was in dem Buch war, und das habe ich dann auch umgesetzt mit den Figuren."

Szenenbilder aus DEFA-Animationsfilmen von Günter Rätz

Szenenbild aus Film von Günter Rätz
"Bauer Sorglos" (1956) Bildrechte: DEFA-Stiftung/Bertz + Fischer Verlag
Szenenbild aus Film von Günter Rätz
"Bauer Sorglos" (1956) Bildrechte: DEFA-Stiftung/Bertz + Fischer Verlag
Szenenbild aus Film von Günter Rätz
"König der Tiere" (1960) Bildrechte: DEFA-Stiftung/Bertz + Fischer Verlag
Szenenbild aus Film von Günter Rätz
"Feine Spielwaren – Made in USA" (1969) Bildrechte: DEFA-Stiftung/Bertz + Fischer Verlag
Szenenbild aus Film von Günter Rätz
"Die Spur führt zum Silbersee" (1989) Bildrechte: DEFA-Stiftung/Bertz + Fischer Verlag
Szenenbild aus Film von Günter Rätz
"Die Fliegende Windmühle" (1981) Bildrechte: DEFA-Stiftung/Bertz + Fischer Verlag
Szenenbild aus Film von Günter Rätz
"Im Honighaus" (1984) Bildrechte: DEFA-Stiftung/Bertz + Fischer Verlag
Szene aus: "Die Weihnachtsgans Auguste"
"Die Weihnachtsgans Auguste" (1985) Bildrechte: DEFA-Stiftung / Bertz + Fischer Verlag
Szenenbild aus Film von Günter Rätz
"Von der Fee, die Feuer speien konnte" (1992) Bildrechte: DEFA-Stiftung/Bertz + Fischer Verlag
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Rätz experimentierte bei seinen Animationen mit neuen Techniken

Er habe jeden seiner Filme im Herzen. So ist es auch mit den biegsamen Drahtmännchen "Filopat und Patafil", die er bereits 1962 zum Leben erweckte. Der Meister experimentierte mit außergewöhnlichen Techniken und Materialien. Der Buchautor Volker Petzold vom Deutschen Institut für Animationsfilm erklärt, wenn man sich mit Rätz' Filmen näher beschäftige, merke man, "dass sich seine Figuren unheimlich flüssig bewegen, unglaublich authentisch". Deshalb verehre er Rätz immer mehr.

Szenenbild aus Film von Günter Rätz
Aus "Die Spur führt zum Silbersee". Der Film entstand 1989 nach einer Vorlage von Karl May. Bildrechte: DEFA-Stiftung/Bertz + Fischer Verlag

Mit jedem Film gelingt Günter Rätz eine neue Gestaltungs-Form. Seine Charakter-Puppen im Film "Die Spur führt zum Silbersee", die nach einem Buch von Karl May entstehen, würzt er mit sächsischem Humor.

Zensur in der DDR

In den frühen 60er-Jahren macht Rätz auch Erfahrungen mit der Zensur: "Der Posthilfsbote Säbelein" von 1964, eine Satire gegen Bürokratie, wird kurz vor Drehstart verboten. Dabei sei im Atelier schon alles vorbereitet gewesen, erinnert sich Rätz: "Und dann ging die Tür auf und der Minister kam und fragte: 'Was machen Sie da? Erzählen Sie doch mal.'" Er habe ihm die Geschichte erzählt – "Und daraufhin wurde der Film eben abgebrochen."

Szenenbild aus Film von Günter Rätz
Der Film "Feine Spielwaren – Made in USA" kritisierte im Jahr 1969 US-Spielzeuge. Bildrechte: DEFA-Stiftung/Bertz + Fischer Verlag

Die Sache habe Rätz "richtig gewurmt", glaubt Autor Petzold: "Das war ein Lieblingskind von ihm, diese Geschichte zu verfilmen mit wunderbaren Figuren, gedrechselten Holzfiguren. Da konnte man erahnen, was es hätte für ein schöner Film werden können."

Petzold hat neben Interviews mit Günter Rätz auch Akten im Bundesarchiv ausgewertet, die es zu bestimmte Filmen gibt. Dabei stieß er auf einen weiteren Film, der nicht durch die Abnahme ging: "Es gab 1961 einen Flachfigurenfilm 'Mister Twister'. Ich bin dann dahintergekommen, dass der Film knallhart verboten wurde", so Petzold.

Szene aus: "Die Weihnachtsgans Auguste"
Eine Szene aus "Die Weihnachtsgans Auguste", hier in Schwarzweiß. Der Puppenfilm von 1985 zählt zu Günter Rätz' bekanntesten Werken. Bildrechte: DEFA-Stiftung / Bertz + Fischer Verlag

Günter Rätz' Lebenswerk: mehr als 60 Animationsfilme

Rätz, Jahrgang 1935, beginnt als Puppenspieler, entdeckt den Trickfilm für sich und arbeitet seit 1955 im DEFA-Trickfilm-Studio Dresden als Regisseur – bis zur Abwicklung des Studios 1992. Heute, mit 87 Jahren, blickt der Meister auf über 60 Animationsfilme zurück, die Kinderherzen im Sturm erobern. Seine Liebe zu den Charakterfiguren in der kleinen Welt aus Pappmaschee hält Günter Rätz bis heute jung.

Jeder Film war für mich eine neue Entdeckung, und es war immer wieder schön. Das hab ich gern gemacht!

Günter Rätz, Trickfilmregisseur

Angaben zum Buch Volker Petzold: "Von der Hand zur Puppe. Ein Leben für den Animationsfilm. Im Gespräch mit Günter Rätz"
Bertz + Fischer
328 Seiten, 79 Fotos
22 Euro
ISBN 978-3-86505-419-7

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Sachsenspiegel | 19. Mai 2022 | 19:00 Uhr

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