Previews, Publikumspreise, Panels Leipzig: 22. Internationale Filmkunstmesse gibt Ausblick auf den Kino-Herbst

Filme, die gerade bei den Filmfestivals in Cannes oder Venedig Furore machten, sind vor dem bundesweiten Kinostart jetzt schon in Leipzig zu sehen. Am Montagabend eröffnet die 22. Internationale Filmkunstmesse. Nicht nur die Branchenprofis sichten dort das Programm, das diesmal 80 Filmneuheiten bietet. Es gibt auch 14 öffentliche Premieren mit Publikumsdiskussionen. Regisseurin Emily Atef ("3 Tage in Quiberon") stellt ihren neuen Film ("Mehr denn je") vor, und Schauspielerin Nina Gummich wird erwartet. Die Branche fordert angesichts von Corona, Inflation und Energiekrise ein Hilfspaket und beschwört die soziale Kraft des Programmkinos in der Nachbarschaft.

Fünf Personen stehen nebeneinandner auf einen roten Teppich und schauen in die Kamera.
Timo Löhndorf und Lina Fügmann (AG Kino - Gilde), Kristin Klemann (Passage Kinos Leipzig), Hendrike Bake (Programmleitung FKM), Felix Bruder (GF AG Kino - Gilde) bei einer Pressekonferenz zur Filmkunstmesse Bildrechte: Filmkunstmesse Leipzig

Das Programm ist so groß wie nie: Mit mehr als 80 Filmen startet am Montagabend die 22. Internationale Filmkunstmesse in Leipzig. Darunter sind allein 14 Filme, die beim diesjährigen Festival in Cannes präsentiert wurden, darunter auch der Gewinnerfilm "Triangle of Sadness", wie Christian Bräuer als Vorstandsvorsitzender der AG Kino-Gilde im Gespräch mit MDR KULTUR betonte.

Bräuer: Programmkinos brauchen neues Hilfsprogramm

Ein Mann in Hemd und Anzug lächelt freundlich in die Kamera.
Christian Bräuer ist Vorstandsvorsitzender der AG Kino-Gilde und freut sich auf die 22. Ausgabe der Filmkunstmesse Leipzig. Bildrechte: imago images / Photopress Müller

Mit dem Programm sei die Filmkunstmesse ein Seismograf für die gesamte Branche erklärte Bräuer weiter. Er verwies zudem auf die Herausforderungen, das Publikum nach den pandemiebedingten Schließungen wieder in die Programmkinos zu locken und nun auch noch der Inflation und der Energiekrise zu begegnen. Aus Bräuers Sicht braucht die Branche dringend ein neues Hilfsprogramm, "sonst werden die Privaten das nicht überleben": "Die Kulturorte sind noch nicht wirklich raus aus der Pandemie."

Bräuer zufolge kamen im ersten Halbjahr 2022 rund 45 Prozent weniger Besucherinnen und Besucher als im Vor-Corona-Jahr 2019 in die rund 350 Programmkinos, die sich nun als energieintensive Unternehmen vor einem schwierigen Herbst und Winter sähen. Hoffnung mache ihm allerdings der Aufwärtstrend im Sommer. Daran soll nun die Messe, die auch Angebote für Filmfans macht, anknüpfen.

Feinschnitt – Der MDR KULTUR-Filmpodcast

Die "Gundermann-Revier" Regisseurin Grit Lemke
Bildrechte: MDR/Joachim Blobel
43 min

"Feinschnitt" geht in die letzte Runde. Anna Wollner und Lars Meyer sprechen mit der Filmemacherin Grit Lemke über sorbische Weihnachtsfilme und ihren neuen Kino-Dokumentarfilm mit dem Arbeitstitel "Das vergessene Volk".

MDR KULTUR - Das Radio Fr 23.12.2022 18:00Uhr 43:23 min

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Charly Hübner als Erik und Irina Starshenbaum als Marika in einer Szene des Films «Die stillen Trabanten»
Bildrechte: dpa
33 min

"Die stillen Trabanten" ist die Verfilmung von Clemens Meyers gleichnamigen Erzählungen. Gedreht wurde in Leipzig – ob in der Bahnhofskneipe oder einem Imbiss auf der Eisenbahnstraße. Anna Wollner sucht die Drehorte auf.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 26.11.2022 16:07Uhr 32:49 min

https://www.mdr.de/kultur/podcast/feinschnitt-film/audio-film-stillen-trabanten-leipzig-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Spannende Previews und Publikumsgespräche mit Emily Atef und Nina Gummich

Mit dem Film "Mehr denn je" von Emily Atef ("3 Tage in Quiberon") startet am Montagabend die 22. Auflage der Messe. Darin spielt Vicky Krieps eine sterbenskranke junge Frau, die ihren Mann (Gaspard Ulliel), ihr altes Leben und das Mitleid ihrer Umgebung hinter sich lässt und nach Norwegen aufbricht. Regisseurin Atef wird anschließend in den Passage Kinos erwartet. Bräuer erklärte mit Blick auf das Angebot von Publikumsgesprächen nach den öffentlichen Premieren: "Wenn wir etwas vermisst haben in der Pandemie-Zeit, dann ist es diese Zusammenkunft, dieser Austausch auch mit Menschen, die anders denken als wir selbst".

Neben Atef stellen Sophie Linnenbaum, Regisseurin der bereits gefeierten Sci-Fi-Satire "The Ordinaries", die Leipziger Schauspielerin Nina Gummich ("Der Passfälscher") sowie Anne Ratte-Polle, die in "Alle wollen geliebt werden" eine Psychotherapeutin in der Krise spielt, ihre Filme persönlich in Leipzig vor.

Eine Szene aus dem Film Mehr denn je zeigt ein Paar an einem Strand.
Der Film "Mehr denn je" eröffnet die Messe am Montag. Bildrechte: Pandora Filmverleih

Filme schon vor dem bundesweiten Kinostart sehen

Von den 80 Filmen, die die mehr als 1.000 Fachbesucherinnen und- besucher bis zum 23. September sichten, sind 14 Produktionen meist weit vor dem bundesweiten Kinostart auch im öffentlichen Programm der Internationalen Filmkunstmesse 2022 zu sehen. Dazu gehört die opulente Balzac-Adaption "Verlorene Illusionen" in der Schauburg, die bereits den französischen Filmpreis César abgeräumt hat und Ende Oktober bundesweit startet. Darin holt Regisseur Xavier Giannoli den Roman aus dem 19. Jahrhundert um einen Poeten, der als Boulevardjournalist Karriere macht, in die Influencer-Gegenwart.


Am Mittwoch gibt es ein schräges Midnight-Special mit Filmen um Streitlust mit potenziell tödlichem Ausgang ob beim Friseurwettbewerb ("Medusa Deluxe"), in der Nachbarschaft ("Sibirisch für Anfänger") oder ganz privat ("Sick of you").


Und da Leipzig die Bundeshauptstadt des Kurzfilms ist, wie Bräuer im MDR KULTUR-Gespräch sagt, zeigt das Vorfilmfest der Messe wieder aktuelle internationale Kurzfilmperlen. Dazu gehören 12 Animations-, kurze Spiel- und animierte Dokumentarfilme, die im Programm "Kurz vor dem Film" am Dienstag in den Passage Kinos zu sehen sind. Das Publikum kürt den besten Vorfilm des Jahres sowie den Publikumsliebling der Filmkunstmesse insgesamt.

Messe der 350 Programmkinos und öffentliche Zukunftsdiskussion

Die Filmmesse wird von der AG Kino-Gilde, dem Interessenverband der 350 Programmkinos und Filmkunsttheater in Deutschland, veranstaltet, damit Fachbesucherinnen und -besucher ihre Auswahl für den Herbst und Winter treffen können. Nicht zufällig sei Leipzig als dynamische junge Stadt 2001 zum Austragungsort der Messe gewählt worden, sagte Bräuer bei MDR KULTUR. Zu sehen ist dabei diesmal auch Thomas Stubers Verfilmung "Die stillen Trabanten" nach dem gleichnamigen Roman von Clemens Meyer, in der Martina Gedeck, Charly Hübner oder Albrecht Schuch mitwirken. Der teilweise auch in Leipzig gedrehte Film startet im Dezember.

Nicht im Stillen, sondern in ebenfalls öffentlichen, da gestreamten Panels diskutiert die Arthouse-Kinobranche auf der Messe bis 23. September auch über ihre Strategie für die Zukunft. Nach einer internationalen Konferenz im Juni sei sie in der "Kinoagenda 2030" beschrieben worden, so Bräuer. Aktuelle Besucherzahlen für die Diskussion liefere dann die neue Studie der Filmförderungsanstalt (FFA) zur Situation der Arthouse-Kinos nach Corona. Programmgestaltung und Kuration stehen demnach ebenso auf dem Panel-Programm wie Publikumsentwicklung und die Arbeit im Kino mit dem jungen Publikum. Auch aktuelle Fragen, wie das Thema Energiesparen und die Finanzierung von nachhaltigen Investitionen, würden aufgegriffen.

Mehr Informationen 22. Filmkunstmesse Leipzig
19. bis 23. September 2022

Zu sehen sind 80 Filme, die in den Passage Kinos, der Schauburg und dem Cinestar Leipzig gezeigt werden.

Beiträge zur Filmkunstmesse 2022 anhören

Christian Bräuer 8 min
Bildrechte: imago images / Photopress Müller

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. September 2022 | 08:40 Uhr

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