Kulturschaffende antworten auf die Frage: "Wobei könnte die Politik Ihnen helfen?"

Judy Lybke
Judy Lybke, Kunstsammler und Galerist aus Leipzig Politik könnte im speziellen Fall bei Kunst und Galerien und Künstlern und Künstlerinnen glaube ich da einsetzen, wo sich die Personen, die in diesem Umfeld sind, nicht selbst helfen können. Zum Beispiel Ateliers zur Verfügung stellen, vielleicht auch den Weg etwas mehr ebnen für eine Mehrwertsteuer, die, wenn man Kunst kauft, vielleicht geringer ist als alles andere. Oder dass man, wenn man Kunst kauft, auch das von der Steuer absetzen kann, so wie es in Amerika ist. Bildrechte: Herlinde Koelbl
Eleonore Marguerre und Uwe Stickert
Eleonore Marguerre, Sopranistin in Weimar "Ich bin ja selbst freischaffende Opernsängerin und auch mittlerweile aktiv als Gründungsmitglied von einer Gruppe namens "kreaktiv – musiktheater stands up!" für Freischaffende im Musiktheater. Und wir merken einfach, dass die Beschäftigungsverhältnisse, wie sie in Deutschland gemacht sind, überhaupt mittlerweile an der Lebensrealität von ganz vielen Kollegen vorbeigehen. Ich würde mir einfach wünschen, dass das Theater recht komplett reformiert wird. Das ist einfach anachronistisch bis ins Letzte. Trotz #MeToo gibt es dort noch so viele Bereiche, die einfach von Machtmissbrauch leben. Und das würde ich mir sehr wünschen, dass die Politik da einfach auch das Arbeitsrecht überall hineinbringt, wo es bis jetzt leider noch nicht so wirklich Gehör gefunden hat und den Menschen, die an Theatern arbeiten, einfach eine ganz andere Sicherheit bietet, sich dort eben auch aufgehoben zu fühlen und nicht Machtmissbrauch ausgeliefert zu sein." Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann
Friedrich Herrmann liest auf einer Bühne.
Poetry-Slammer aus Thüringen Auf jeden Fall mit Regeln für Innenräume. Wenn ich jetzt an den Herbst denke, ist da irgendwie immer noch nicht so richtig klar, was passiert. Ich wünsche mir natürlich 2G, um auch die Impfquote ein bisschen nach oben zu drücken. Und es braucht einfach Stabilität, Verlässlichkeit, klare Regeln. Ich weiß aber gleichzeitig auch, dass das nicht einfach ist und es da große Debatten darum gibt. Bildrechte: IMAGO / Future Image
Jens-Christian Wagner
Jens-Christian Wagner, Direktor der Gedenkstätte Buchenwald Im Gedenkstätten-Bereich ist das nicht anders als sonst im Kulturbereich. Das heißt, wir brauchen eine planungssichere und auskömmliche Finanzierung. Wir brauchen eine Aufstockung des Stellenplanes, und vor allen Dingen brauchen wir langfristige Geldzusagen statt produktbezogener Projektförderung, die immer nur dazu führt, das basale Aufgaben vernachlässigt werden oder für Aufgaben kaum Mittel vorhanden sind. Das heißt zum Beispiel die Sammlungserschließung, das bedeutet, dass die Forschung liegen bleibt und auch dass konzeptionelle Arbeit an neuen und innovativen Bildungsformaten nicht stattfinden kann. Und manchmal kann Politik auch bei ganz einfachen Dingen helfen, nämlich zum Beispiel, dass Gedenkstätten eine bessere Verkehrsanbindung erhalten, was Busse, Bahnen oder auch Fahrradwege anbelangt. Bildrechte: dpa
Judy Lybke
Judy Lybke, Kunstsammler und Galerist aus Leipzig Politik könnte im speziellen Fall bei Kunst und Galerien und Künstlern und Künstlerinnen glaube ich da einsetzen, wo sich die Personen, die in diesem Umfeld sind, nicht selbst helfen können. Zum Beispiel Ateliers zur Verfügung stellen, vielleicht auch den Weg etwas mehr ebnen für eine Mehrwertsteuer, die, wenn man Kunst kauft, vielleicht geringer ist als alles andere. Oder dass man, wenn man Kunst kauft, auch das von der Steuer absetzen kann, so wie es in Amerika ist. Bildrechte: Herlinde Koelbl
Wenke Wollny
Wenke Wollny, Musikerin aus Leipzig Wenn es um den eigenen Arbeitsbereich geht kann die Politik helfen, indem sie Kultur und uns Kulturschaffende ernst nimmt und als wichtigen Teil der Gesellschaft versteht und behandelt. Und mich würde auch interessieren, ob die Politik Einfluss darauf nehmen kann, dass Programme im Radio oder Fernsehen noch diverser werden, abwechslungsreicher und vielleicht auch an manchen Stellen kuratiert werden kann, welche teils überholten Bilder dann noch kommuniziert werden. Bildrechte: Marco Sensche
Nicola Jones, Festivalleiterin, spricht beim diesjährigen Kindermedienfestival 'Goldener Spatz' auf der Bühne.
Nicola Jones, Festivalleiterin Goldener Spatz Also Politik könnte mir beruflich helfen, nicht mir persönlich, aber in dem Feld, in dem ich arbeite, indem Filmfestivals eine höhere filmpolitische Aufmerksamkeit zuteilwird. Es gibt in diesem Land 300, 400 Filmfestivals unterschiedlicher Sparten, die einen wertvollen Beitrag zur Kulturpolitik leisten und auch wirtschaftlich relevant sind. Und sie werden aber nicht in dem Maße strukturell gefördert. Und hier würde ich mir tatsächlich eine Veränderung und eine Verbesserung wünschen. Bildrechte: dpa
Leiterin des Neiße Filmfestivals Ola Staszel
Ola, Staszel, Leiterin des Neiße Filmfestivals Ich arbeite im Kulturbereich. Ich arbeite für das Neiße Filmfestival, das wie alle anderen Festivals und Kulturbetriebe komplett von der Politik finanziell abhängig ist. Kultur ist kein Betrieb, kein kommerzieller Betrieb, der sich von alleine trägt. Insofern sind wir darauf angewiesen, die ganzen Inhalte unserer Arbeit, unsere Vermittlungsarbeit, unsere Aufgabe, die Menschen miteinander zu verbinden, deren Werte zu übermitteln. Kunstwerke, Filme, mit denen verbundenen Gedanken und Lösungen, könnten wir nicht ohne finanzielle Hilfe seitens der Politik realisieren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. September 2021 | 06:15 Uhr