Geschichte Bildband über Blankenburger Villen: Blicke hinter die Fassaden

"Blütenstadt am Harz" – mit diesem Slogan wirbt die Stadt Blankenburg um Gäste. Es könnte aber eigentlich auch "Villenstadt am Harz" heißen, denn auch Villen hat die Stadt jede Menge. Autor Andreas Pawel hat über die schönsten Villen Blankenburgs mit den interessantesten Geschichten das Buch "Villenstadt Blankenburg – Glanz und Geschichte" geschrieben, Fotograf Clemens Bussert hat die Geschichten im Bild festgehalten.

Eine weiß-blaue Villa in Magdeburg.
Noch etwa 300 Villen stehen in Blankenburg. Bildrechte: Clemens Bussert, Verlag Bussert & Stadeler

Die um 1900 erbaute Villa mit der hellgelben Fassade und der prächtigen Freitreppe steht an einer der schönsten Stellen von Blankenburg, an einem Hang in Waldnähe mit freiem Blick zum Großen Schloss und ins Harzvorland. In diesem Haus hat von 1939 an eine Zeit lang der Großvater von Dieter Hallervorden gewohnt, und Klein Didi hat hier so manchen Ferientag verbracht.

Der Großvater war der Gartenbauarchitekt Hans Hallervorden. Nachdem er 1938 die Brandstiftung der Synagoge im Wörlitzer Park verhindert hatte, war er bei den Nazis in Ungnade gefallen und wurde in Pension geschickt. Um "aus der Schusslinie" zu kommen, zog er nach Blankenburg in das Haus am Eichenberg, das ein reicher Bergwerksdirektor um 1900 erbaut hatte.

Unbekannte Geschichten aus der Villenstadt

Ein dunkles Zimmer einer Villa mit Vorhängen, schwerem Tisch mit Stühlen und einer großen Monstera
Autor Andreas Pawel und Fotograf Clemens Bussert haben sich der Villengeschichte von Blankenburg angenommen. Bildrechte: Clemens Bussert, Verlag Bussert & Stadeler

Das ist eine der Geschichten, die der Blankenburger Autor Andreas Pawel aufgeschrieben hat. 42 der rund 300 Villen der Stadt finden sich in seinem Buch "Villenstadt Blankenburg – Glanz und Geschichte" wieder, garniert mit fotografischen Eindrücken von außen und auch von innen.

Andreas Pawel, als Kind selbst in einer Blankenburger Villa aufgewachsen, ist inzwischen 60 Jahre alt und Autor etlicher regionalgeschichtlicher Romane und Dokumentationen. Nun hat er sich der Villen seiner Heimatstadt angenommen und dabei trotz seiner reichen Erfahrung viel Unbekanntes ans Licht gebracht. Wie die Geschichte einer Villa, in der eine reiche Amerikanerin lebte. Sie war die Cousine jener Wallis Simpson, wegen der der britische König Edward VIII. 1936 abdankte, um sie zu heiraten.

Blankenburg: Beliebte Aussichten

Blankenburg war Residenzstadt der Welfenherzöge und liegt windgeschützt mit wunderbaren Ausblicken am Harzrand. Die Mischung übte ab der Mitte des 19. Jahrhunderts offenbar eine große Anziehung auf Generäle, Industrielle und hohe Beamte aus. Diese bauten in Blankenburg viele prachtvolle Häuser für den Sommeraufenthalt oder den Ruhestand. Die meisten dieser Villen sind heute liebevoll restauriert. Ganze Straßenzüge präsentieren sich prächtig-mondän.

Ein Anwesen thront über einer grünen Landschaft
Blankenburg ist wunderbar im Harz gelegen und war deswegen sehr beliebt. Bildrechte: Clemens Bussert, Verlag Bussert & Stadeler

Diese Häuser tragen Namen wie "Emma", "Martha", "Georg" oder "Daheim" und waren Mädchenpensionate, Ruhestandssitze oder Pensionen für reiche Sommerfrischler. Eine Villa gehört Käthe Krichelsdorf, der Tochter des damals sehr bekannten Malers Carl Krichelsdorf, die sich natürlich ein Atelier einrichten ließ. Andreas Pawel hat auch Kurioses recherchiert: In einer Villa in der Rübeländer Straße verbrachte Admiral Max Rollmann seinen Ruhestand. Er war kurzzeitig Gouverneur des deutschen Pachtgebietes Kiautschou in China und hatte als Admiral einen Anspruch auf eine jährliche Militärparade zu seinem Geburtstag. Einmal im Jahr, so Pawel, seien dann tatsächlich die Soldaten der nahen Schloss-Kaserne im Paradeschritt an Rollmanns Villa vorbeimarschiert.

Viel Interesse in Blankenburg

In einer Villa hängt eine verglaste Metallampe mit mehrere Glühbirnen von der Decke.
Clemens Bussert hat ein Auge für Details. Bildrechte: Clemens Bussert, Verlag Bussert & Stadeler

Die Villen-Geschichten im Bild festgehalten hat Clemens Bussert, ein aus dem benachbarten Quedlinburg stammender Fotograf, der heute vor allem in Leipzig arbeitet. Er sei begeistert gewesen von den Häusern und auch von ihren Bewohnern, sagt er. Riesige Buntglasfenster sind abgebildet, kunstvolle Treppengeländer, Ornamente auf Marmorfußböden. Viele Besitzer zeigen stolz, mit welcher Sorgfalt sie ihr Häuser restauriert haben. Überhaupt seien sie "mit Feuer und Flamme" dabei gewesen, so Bussert. Mit Begeisterung seien Ahnenbücher und Familienalben aufgeschlagen worden, um Informationen beizusteuern. Das Buch habe durch die Mitarbeit der Villenbesitzer enorm gewonnen.

Das alles kann nun in einem hochwertigen Bildband auf 250 Seiten bewundert werden, mit dem offensichtlich Autor und Fotograf einen Nerv getroffen haben – trotz des regionalen Themas. Die Präsentation des Buches musste wegen des Andrangs zweimal erfolgen. Verleger Frank Bussert, der Vater des Fotografen, berichtet von Anfragen aus ganz Deutschland. Vor allem ehemalige Bewohner der Stadt würden das Buch ordern.

Drohnen-Ansicht einer gepflegten Grünanlage vor einer Villa.
Die Villen in dem Bildband haben Geschichten zu erzählen. Bildrechte: Clemens Bussert, Verlag Bussert & Stadeler

Weitere Informationen "Villenstadt Blankenburg – Glanz und Geschichte" von Andreas Pawel und Clemens Bussert
248 Seiten mit zahlreichen Farbfotos
Verlag Bussert & Stadeler
Preis: 29,90 Euro
ISBN: 978-3-942-11578-0

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 30. Januar 2022 | 08:15 Uhr

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