Literatur "Klub Drushba": ein Buch über Wandern und Freundschaft

Sie ist untrainiert, hat Angst vor Spinnen und Gewittern und fürchtet sich im Wald. Trotzdem hat sich die Leipziger Autorin Rebecca Maria Salentin auf einen 2.700 Kilometer langen Weg gemacht: auf den "Bergwanderweg der Freundschaft Eisenach–Budapest". Den hat sie 2019 komplett und in einem Rutsch abgewandert. Davon erzählt sie jetzt in ihrem Buch "Klub Drushba".

Rebecca Maria Salentin im Gespräch mit Katrin Schumacher (MDR KULTUR) zu "Klub Drushba. Zu Fuß auf dem Weg der Freundschaft von Eisenach bis Budapest" 25 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Idee zu der Wanderung war eine Schnapsidee, oder wie man in der Heimat von Rebecca Salentin sagt (sie stammt aus der Eifel): eine Wutzidee. Sie ist im Elbsandsteingebirge einmal über eine Hinweistafel gestolpert und war seither von der Idee besessen, den Weg abzuwandern. Zwei Dinge haben die Entscheidung erleichtert: ihre Sturheit und dass ihr Leben vor einer Wende stand, oder wie es im Buch heißt: "Mein ganzes Leben ist sowas von im Arsch: Laden weg, Wohnung weg, Mann weg!"

Sie hatte sich gerade von ihrem Partner getrennt, die Kinder sind aus dem Haus, und plötzlich ist die Wohnung zu groß. Sie verkauft ihr Café, kündigt die Wohnung und findet sich plötzlich auf dem Wanderweg wieder – allein mit ihrem Leben, dem sie sich nun stellt.

Bezüge zu Hape Kerkeling   

In ihrem Buch "Klub Drushba" nimmt uns Rebecca Maria Salentin mit auf einen fast vergessenen Wanderweg, der von Eisenach nach Budapest führt. Diese Route, die scheinbar der Vergangenheit angehört, wird mehr und mehr zu einer Konfrontation mit der Gegenwart. Ihre Wanderung ist eine Pilgerreise, wie wir sie auch aus anderen Büchern kennen – mehrmals wird Hape Kerkeling mit seinem Buch "Ich bin dann mal weg" erwähnt. Solche Pilgerreisen führen, wohin man auch geht, schließlich immer zu sich selbst.

Auch Salentin arbeitet ihre Biografie auf und entgeht dabei elegant einer Nabelschau, weil sie Erstaunliches zu berichten hat. Sie erzählt von ihrem jüdischen Vater und ihrem Großvater, der KZ-Insasse war und nie darüber gesprochen hat. Sie berichtet von ihrer wilden Pubertät und erlebt auf dem Wanderweg noch einmal die Wechselfälle der Geschichte. Sie erfährt, wie oft Regionen ihre staatliche Zugehörigkeit wechselten, Vertreibungen und Enteignungen inklusive. Und sie sagt dazu:

Einmal mehr wird mir auf dieser Wanderung bewusst, wie sorglos und privilegiert mein Leben ist.

Rebecca Maria Salentin in "Klub Drushba"

Salentin hat Erstaunliches aus ihrem Leben zu berichten

Der Bericht von einer Pilgerreise erlangt damit historische Dimensionen, die gute Reisebücher ausmachen. Dabei ist das Buch nie zu ernst oder traurig. Rebecca Salentin findet mit leichtem Ton die Balance zwischen Historie und Humor, Schwere und Schweben. Sie erfährt: Ein Tritt in den Hintern ist auch ein Schritt nach vorn.

Und dass das Leben zwar eine Tragödie ist für jene, die fühlen, aber eine Komödie für diejenigen, die denken. Da ihr Buch ein kluges Buch ist, ist es ein fröhliches Buch. Sie schafft es außerdem, aus dem sozialistischen Wanderweg, der der Völkerverständigung dienen sollte, einen Weg zu machen, der die wahre Freundschaft feiert – die zwischen wirklichen Menschen, die sie auf dem Weg immer mal ein Stück begleiten.

Angaben zum Buch Rebecca Maria Salentin:
"Klub Drushba. Zu Fuß auf dem Weg der Freundschaft von Eisenach bis Budapest"
Erscheint am 15. Juni 2021
Verlag Voland & Quist
320 Seiten, 20 Euro

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | "Marlene" | 06. Juni 2021 | 20:20 Uhr

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