Sachbuch "Aufs Land" Viel Platz in Sachsen-Anhalt: Ernst Paul Dörfler gegen Klimakrise und Konsumzwang

Jahrelang gab es eine geradezu übermächtige Wanderungsbewegung in die großen Städte. Doch der überhitzte Wohnungsmarkt, Hitze und Corona lassen den Trend stagnieren. Stattdessen ziehen die Menschen wieder in die Natur. Im Buch "Aufs Land" kommentiert der Autor Ernst Paul Dörfler aus Kemberg bei Wittenberg diesen Trend. Der Untertitel verweist auf die ganz großen Zusammenhänge und verspricht "Wege aus Klimakrise, Monokultur und Konsumzwang".

Ernst Paul Dörfler, Aufs Land, buch, cover 4 min
Bildrechte: Hanser Verlag

Teurer Wohnraum, Versiegelung und Corona machten die Stadt zuletzt wenig verlockend. "Aufs Land" mit uns, fordert Ernst Paul Dörfler in seinem Sachbuch und verspricht Wege aus Klimakrise. Ein Beitrag von Sabine Frank.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 18.08.2021 06:00Uhr 04:05 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Wer heute raus in den Speckgürtel der Städte fährt, sieht gesichtslose Eigenheimsiedlungen, Haus an Haus, ohne dörfliche Struktur – nicht mal einen Bolzplatz für Kinder gibt es teilweise. Tagsüber ist es still. Nur der Mähroboter schnurrt auf dem Rasenhandtuch ums Haus. Derweil stehen die Bewohner auf den Pendlerstrecken im Stau. Der sachsen-anhaltische Autor Ernst Paul Dörfler beobachtet eine immer stärkere Angleichung.

Mann mit Hut
Ernst Paul Dörfler steht der heutigen Landflucht zwiespältig gegenüber. Bildrechte: Katja Zumpe

Die typisch dörfliche Vegetation ist im Verschwinden begriffen. Heckenscheren Rasenmäher und Laubbläser heulen auf, Nahrung, Kleidung, Wohnung haben sich dem Trend der Zeit angepasst, eingekauft wird via Internet – Landleben ist heute nicht besser oder schlechter in der Ökobilanz als das Stadtleben.

aus: "Aufs Land" von Ernst Paul Dörfler

Viel Platz in Ostdeutschland

Das ist nicht das, was sich Dörfler vorstellt, wenn er dazu aufruft, aufs Land zu ziehen. Ihm schwebt eher eine Wanderungsbewegung hin in die dünn besiedelten Regionen Ostdeutschlands vor. Dörfler zitiert an einer Stelle eine Studie des Ifo-Institutes von 2019: Ostdeutschland sei so leer wie seit 1905 nicht mehr. Insgesamt stünden knapp zwei Millionen Wohnungen leer. Demgegenüber fehlten zwei Millionen bezahlbare Wohnungen in den großen Städten.

Blick über den neuen 7,3 Kilometer langen Deich im Lödderitzer Forst, im Biosphärenreservat Mittelelbe.
Der Autor lebt seit Jahren im Biosphärenreservat Mittelelbe. Bildrechte: dpa

Dörfler gibt bereitwillig zu, dass die Stadt als Wohn- und Arbeitsort durchaus ihre Reize und Vorzüge hat. Doch er ist sich sicher, daß sie uns nicht gut tut – uns, die wir am Ende doch Kinder der Natur seien: Der Lärm, der Schmutz, die Enge, das Tempo, schlechte Lebensmittel, vor allem aber der massenhafte, oft unsinnige Konsum.

Der Autor des Buches

Ernst Paul Dörfler, geboren in Kemberg bei Lutherstadt Wittenberg, hatte als Ökochemiker schon in den 70er-Jahren Daten zur Umweltbelastung erhoben und war ein früher Aktivist der DDR-Umweltbewegung. Sein Buch "Zurück zur Natur" aus dem Jahr 1987 hatte Kultstatus erlangt. Auch nach der Wende engagierte sich Dörfler unermüdlich für den Natur- und Umweltschutz.

Gutes Leben in der Klimakrise

"Auf dem Land liegen die Quellen für unsere eigene Gesundheit ebenso wie für eine Genesung unserer Gesellschaft", meint Dörfler. Doch die Böden sind verbraucht und überdüngt, die Artenvielfalt schwindet, das Wasser ist belastet. Der Einzelne fühlt sich oft überfordert und hilflos.

Ein Landwirt bearbeitet einen Acker
Die heutigen Formen der Landwirtschaft findet Dörfler zu schädigend. Bildrechte: dpa

Der Autor und Aktivist aus Sachsen-Anhalt möchte aufzeigen, dass ein gutes Leben auch umweltverträglich möglich ist. Und so verbindet er die Suche nach eben diesem guten Leben immer mit den drängenden Umweltproblemen. Zum Beispiel beim Thema Selbstversorgung. Vor allem aber fordert Dörfler, die, wie er sie nennt,  "klima- und umweltschädlichen Subventionen" an industrielle Landwirtschaft und Autobahnbau in die Landschaftspflege umzulenken.

Die wichtigsten Leistungen für einen nachhaltigen Klima- und Artenschutz können und müssen vom ländlichen Raum ausgehen.

Ernst Paul Dörfler in "Aufs Land"

Argumente für einen Umzug "Aufs Land"

Dazu gehören Gewässerschutz und Renaturierung, die Erhebung von Daten und die Umweltbildung, schonende Beweidung, Wiederanpflanzung von Feldgehölzen und Hecken, aber auch die Umwelt und Naturschutzverwaltungen  – die Liste der Arbeitsfelder ist unendlich lang.

Über zwei von drei Spuren einer Autobahn drängen Lkw.
Die Versiegelung und der Lärm belasten die Natur. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In seinem Buch hat Ernst Paul Dörfler die Summe seiner Erfahrungen aus Sachsen-Anhalt zusammengetragen. Es sei nicht nur denjenigen empfohlen, die gerade noch Argumente sammeln für ihren Umzug "Aufs Land".

Ernst Paul Dörfler, Aufs Land, buch, cover
Bildrechte: Hanser Verlag

Informationen zum Buch Ernst Paul Dörfler: "Aufs Land – Wege aus Klimakrise, Monokultur und Konsumzwang"
Hanser Literaturverlag
352 Seiten
ISBN : 978-3-446-27164-7

Mehr zum Thema Umwelt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. August 2021 | 08:10 Uhr

Abonnieren