Ausgezeichnet Spielzeug im Erzgebirge: Bildband über Design-Geschichte und Weihnachtszauber

Nussknacker, Weihnachtspyramiden und Schwibbögen sind Exportschlager des Erzgebirges. Die Bergkirche in Seiffen hat schon fast ikonografischen Stellenwert für weihnachtliche Kirchenszenen. Dafür ist auch der in Dresden geborene Designer Max Schanz verantwortlich. Was er für das Handwerk und die Montanregion geleistet hat, wird im Buch "Max Schanz. Spielzeug gestalten im Erzgebirge" gezeigt. Der Bildband Chance wurde als schönstes Regionalbuch 2022 ausgezeichnet.

Plakat mit farbigen Zeichnungen von Holzspielzeug. Im Zentrum ein Hirsch vor einem Tannenbaum.
Das Werbeplakat der Spielzeugschau in Seiffen von Max Schanz ist immer noch beliebt. Bildrechte: Sabine Rommel

Vor einer stilisierten Tanne springt ein Hirsch. Mit seinen weißen Punkten auf dem Rücken erinnert er an Bambi und die Knopfaugen lassen einen Freund vermuten. So wie das Tier hochspringt, verspricht es Leichtigkeit und Erfolg. Dieses Emblem hat Max Schanz für die Spielzeug-Werbeschauen in Seiffen entworfen und noch heute ist es in der sächsischen Stadt präsent.  

Doch wer war Max Schanz? Der Künstler und Pädagoge wurde 1895 in Dresden geboren, wo er später an der Kunstgewerbeschule ausgebildet wurde. In Seiffen übernahm er, nachdem er im Ersten Weltkrieg ein Bein verloren hatte, auf Empfehlung die Leitung der Staatlichen Spielzeugfachschule – und verliebte sich in die Stadt. Darum setzte er alles daran, um die Ausbildung und die Produktion von Holzspielzeug in der Stadt zu verbessern: Er reformierte die Faschschule, um dem Beruf mehr Anerkennung zu verschaffen. Er entwickelte zahlreiche Designs und Muster für Figuren, die noch heute für die Produktion wichtig sind. Max Schanz hat versucht, Seiffen und das Erzgebirge für die Zukunft vorzubereiten. 

Ein Mann sitzt an einem Tisch voller Holzfiguren und zeichnet in ein Buch.
Max Schanz zeichnete seine Entwürfe oft von vielen Seiten. Bildrechte: Nachlass Max Schanz

Die soziale Stabilität ist wichtiger als Nostalgie! Und, es gibt die Möglichkeit mit modernen Herstellungsmitteln auch gut zu sein.

Max Schanz 

Veränderungen im Erzgebirge 

Immer wieder fällt dieser Satz im Buch "Spielzeug Gestalten im Erzgebirge", mit dem die Enkel von Max Schanz an dessen Wirken erinnern wollen. Denn ganz nebenbei ist die Geschichte des Design-Lehrers auch eine Geschichte des Wandels. Lange Zeit lebte das Erzgebirge vom Bergbau, Kunsthandwerk war eher ein Nebengeschäft, ein strahlender Ausgleich zum dunklen Schacht. Doch nach der Jahrhundertwende nahm das Geschäft mit den Bodenschätzen ab und das Handwerk bekam eine andere Bedeutung. Max Schanz verband die Tradition der sogenannten Volkskunst, die der gebürtige Dresdner sehr schätze, mit Mitteln der Moderne: Statt jedes Stück einzeln zu schnitzen, sollen die Formen in größerer Menge gedrechselt und nur die Feinheiten in Handarbeit erledigt werden. 

Ein Holzring, aus dem verschiedene Stück geschnitten wurden, an denen verschiedene Fertigungsschritte zu einer Kuh gezeigt werden.
Max Schanz setzte sich für einen seriellen Herstellungsprozess beispielsweise mit dem sogenannten Reifendrehen ein. Bildrechte: Heimatschutz Sachsen

Dass diese Verbindung von Kunsthandwerk und serieller Produktion funktioniert haben, zeigen die wunderbar gestalteten Bildseiten des Buchs. Vor schlichten Hintergründen wurden die Holzfiguren zu kleinen Szenen arrangiert – wie Hirsche vor Tannen. Max Schanz variierte seine Entwürfe gerne in Details wie beispielsweise bei einer Reihe von Zwergen – so bekommen die Szene auf den Fotos eine wunderbare Lebendigkeit. Die Doppelseiten haben dabei immer ein Thema wie "Im Wald und auf der Heide" oder "Bergmann und Engel" – also berühmte und erfolgreiche Motive aus dem Erzgebirge. 

Bauhaus-Design und die erzgebirgische Weihnacht 

Ein Blatt mit mehreren Zeichnungen von Ski fahrenden Hasen.
Max Schanz entwarf gerne ganze Reihen von Figuren mit kleinen Unterschieden. Bildrechte: Sabine Rommel

Die Fotografien werden manchmal mit historischen Bildern kombiniert, häufiger mit Entwurfszeichnungen aus dem Nachlass von Max Schanz. Hier zeigt sich auch der Modernisierer: Die Striche sind klar statt verspielt. Bei genauem Blick scheinen Formen zu dominieren, aus denen die Figuren entstehen. Der Ansatz von Max Schanz war, die Figuren zu reduzieren, um sie so auch leichter herstellen zu können. Davon erzählen auch Texte im Buch. Auf Doppelseiten wird beispielsweise erzählt, wie die Gestaltungsklassen Ausflüge in die Natur unternahmen. Kurze Texte zwischen den Bildern weisen schlicht auf bemerkenswerte Details hin. 

Im Zentrum des Buchs über Max Schanz steht jedoch Weihnachten: Der Mittelteil ist duch graublaues Papier farblich wunderbar abgesetzt. Arbeiten wie Pyramiden und Räuchermännchen prunken beinahe allein auf den Seiten und werden durch Detailaufnahmen und historische Fotos ergänzt. Die Texte erzählen von der Weihnachtsstimmung im Erzgebirge und im Haushalt Schanz selbst. Selbst bei Feiertagsmuffeln kommt so ein heimeliges Gefühl auf – oder zumindest ein Verständnis für die Menschen, die ihr ganzes Zuhause mit Holzfiguren bevölkern. 

Blick auf eine Weihnachtskrippe mit Strohdach und zahlreichen Holzfiguren.
Im Zentrum des Buchs steht das besondere Gefühl der erzgebirgischen Weihnacht. Bildrechte: Sabine Rommel

Das schönste Regionalbuch

Seit 2017 zeichnet der Börsenverein des deutschen Buchhandels das schönste Regionalbuch aus. Seit 2022 werden in drei Kategorien jeweils drei Titel nominiert. "Max Schanz. Spielzeug Gestalten im Erzgebirge" ist dabei als Touristische Entdeckung ausgezeichnet worden.
Um für den Preis in Betracht gezogen zu werden, müssen die Veröffentlichungen verschiedene Kriterien erfüllen: Die Gestaltung des Buches muss zum Inhalt passen und soll vorbildhaft für ähnliche Buchprojekte sein. Es soll gut lesbar, ökologisch produziert, im lokalen Buchhandel verfügbar und erschwinglich sein.

Bildband statt Sachbuch 

Das Buch "Max Schanz. Spielzeug Gestalten im Erzgebirge" will viel zeigen und weniger erklären: Die Beziehungen zwischen Schanz und dem Bauhaus werden lediglich angedeutet und erfordern etwas Vorwissen. Der Unterschied zwischen Schnitzen und Drechseln wird zwar kurz erklärt, wird sich Menschen ohne Werkbank dennoch nur ungefähr erschließen.  

Umso schöner, dass ein blinder Fleck gegen Ende des Buches doch zum Tragen kommt: Schanz wirkte vor allem in den 30er- und 40er-Jahren und war also Mitglied bei der NSDAP. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er zwar rehabilitiert, doch darf in der DDR die Schule nicht mehr leiten. Auch das Buch zeichnet das Bild eines Menschen, der sich dem Regime fügt, sich wegduckt, um seine Aufgabe weiterhin verfolgen zu können. Die Texte zeigen Verständnis, ohne zu entschuldigen. 

Szene mit geschnitzten Holzbäumen und der Figur eines springenden Rehs im Vordergrund.
Die Bilder des Buch zeigen anregend arrangierte Szenen. Bildrechte: arnoldsche Art Publishers

"Max Schanz. Spielzeug Gestalten im Erzgebirge" ist ein schönes Buch für den Couch-Tisch, das zum Blättern einlädt – und bei vielen vielleicht auch Erinnerungen wecken wird. Noch schöner: Wer nach der Lektüre des Buchs das nächste Mal das Erzgebirge besucht, wird die Handwerkskunst mit ganz anderen Augen sehen und vielleicht auch viel besser verstehen. 

Max Schanz-Bildband
Bildrechte: arnoldsche Art Publishers

Informationen zum Buch Sabine Rommel und Mathias Zahn (Hg.): "Max Schanz. Spielzeug Gestalten im Erzgebirge"
arnoldsche Art Publishers
208 Seiten
ISBN: 978-3-89790-650-1

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. November 2021 | 18:05 Uhr

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