Gegen Stereotype Mehr Gleichberechtigung für alle: das feministische Magazin "femMit" aus Dresden

Stereotype Frauen-Themen, wie Mode oder Kochen, kommen im neuen feministischen Magazin "femMit" nicht vor. Stattdessen will die gesellschaftskritische Zeitschrift mit Vorbildern und Fakten mehr Bewusstsein schaffen für die Rolle der Frauen – und auch für die der Männer.

femMit Magazin Dresden 4 min
Bildrechte: Romy Uhlig

Stereotype Frauen-Themen, wie Mode oder Kochen, kommen im neuen Feminismus-Magazin "femMit" nicht vor. Stattdessen will die Zeitschrift mehr Bewusstsein für die Rolle der Frauen schaffen – und für die der Männer.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 07.04.2021 15:30Uhr 04:07 min

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"Frauen und Mode" – unter dieser Rubrik sind sie in den Presseshops zu finden: feministische Zeitschriften wie das "Missy Magazine", "Courage" und auch die "Emma". Wenn man so will ein Affront. Am Bahnhof Dresden-Neustadt aber hat Romina Stawowy, Herausgeberin der "femMit", dafür gesorgt, dass ihre Zeitschrift zwischen den aktuellen Ausgaben von Zeit, Spiegel und Stern ausgelegt wird: "Es gibt bei mir diese Kochen-, Backen-, Schminken-, Modegedönsseiten nicht – nicht weil ich die blöd finde, aber ich glaube, es muss auch möglich sein, gesellschaftlich relevante Themen abzubilden, ohne genau diese Stereotypen von Frauen zu bedienen."

Es muss auch möglich sein, gesellschaftlich relevante Themen abzubilden, ohne genau diese Stereotypen von Frauen zu bedienen.

Romina Stawowy, Herausgeberin der "femMit"

Wie Corona eine feministische Zeitschrift entstehen ließ

In der zweiten Ausgabe des feministischen Magazins aus Dresden ist die Situation von Frauen in Kunst und Kultur zentrales Thema. Unter anderem wird die Leipziger Posaunistin Antonia Hausmann portraitiert und über den Schweizer Kunstverein FATart berichtet, der sich für mehr Frauen in der Kunstszene engagiert. Immer geht es dabei um Vorbilder, die role models, nach denen man in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und eben auch in der Kultur nach wie vor suchen muss. Dieses Thema treibt Romina Stawowy seit einigen Jahren um. So organisierte sie 2019 eine hochkarätig besetzte Tagung zu Frauen in Medien und Politik, die damals bereits mit dem Titel "femMit" überschrieben war.

Romina Stawowy
Romina Stawowy ist die Herausgeberin der Zeitschrift "femMit". Bildrechte: André Forner

Aufgrund von Corona fiel die Nachfolge-Konferenz im April 2020 aus. Was wiederum die Geburtsstunde der Zeitschrift "femMit" war, um die Tagungsgäste und ihre Themen zumindest in dieser Form zu Wort kommen zu lassen. Inzwischen plant Romina Stawowy vier Print-Ausgaben pro Jahr mit jeweils bis zu 10.000 Heften. Unterstützt wird die 38-Jährige dabei von einem kleinen Team vor Ort und vielen Autorinnen und Autoren deutschlandweit sowie international. Allerdings muss das finanziert werden. Für das erste Heft standen noch Fördergelder zur Verfügung, die ursprünglich für die Tagung vorgesehen waren, doch mittlerweile ist die gelernte Grafikerin auch auf Anzeigen angewiesen. Viele findet man in der aktuellen "femMit" nicht, dafür aber mit dem MDR und der Bundeszentrale für politische Bildung namhafte. Anzeigenkunden zu finden, war nicht einfach, erzählt Stawowy: "Der schönste Spruch war immer: Machen Sie doch mal eine Brigitte-Auflage, dann können wir über Anzeigen reden. Ich glaub, ich brauche einfach die Firmen, die hinter dem Thema stehen."

Gleichberechtigung wartet nicht, bis sich die Pandemie ausgetobt hat.

Romina Stawowy, Herausgeberin der "femMit"

Mehr Sichtbarkeit für Frauen aus dem Osten

Dass das feministische Magazin in Dresden, im Osten Deutschlands erscheint, merkt man ihm nicht unbedingt an. Ihren Background lässt Stawowy, die aus der Oberlausitz stammt, eher unterschwellig mit einfließen. So achtet sie durchaus darauf, Frauen aus der Region abzubilden: "Auf dem ersten Cover war Claudia Gersdorf, die auch in Sachsen geboren ist, auf dem zweiten Cover Antonia Hausmann, eine Posaunistin aus Leipzig." Das habe sich so ergeben, nun überlegt Stawowy ob sie diesen Fokus nicht beibehält. Damit würde sie sich sicher von anderen Blättern abheben.

Seite einer Zeitschrift
Frauen in Kunst und Kultur sind das zentrale Thema der zweiten Ausgabe, hier ein Artikel über die Leipziger Posaunistin Antonia Hausmann. Bildrechte: femMit

Das tut sie im Gegensatz zum popfeministischen "Missy Magazine" oder zu der seit einem Jahr erscheinenden "Courage", einem Finanz- und Karrieremagazin für Frauen, aber allein schon dadurch, dass sie typisch weibliche Lifestyle-Themen aus der "femMit" raushält. Ebenso sieht sich Stawowy nicht in der Tradition eines Antisexismus, wie er von der "Emma" vertreten wird. Vielmehr setzt die alleinerziehende Mutter von drei Söhnen auf ein Bewusstsein für Zahlen und Fakten, für die Rolle der Frauen und auch für die Rolle der Männer. "Es gibt ja viele Männer, die gerade feststellen: Mensch, hätte ich doch viel mehr Zeit mit meinen Kindern verbracht, anstatt zu arbeiten, weil sie immer die Rolle des Geldbeschaffers letztendlich einnehmen mussten. Ja, Gleichberechtigung betrifft alle und letztendlich können wir alle davon nur gewinnen."

Gleichberechtigung betrifft alle und letztendlich können wir alle davon nur gewinnen.

Romina Stawowy, Herausgeberin der "femMit"

Inzwischen ist die nächste Ausgabe in Arbeit: der Fokus liegt dabei auf Frauen in der Medizin. Und spätestens 2022 wird es dann auch wieder eine femMit-Konferenz geben – für mehr Frauen in Verantwortung.

Frauen, die beeindrucken

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. April 2021 | 17:10 Uhr

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